Herz Jesu Verehrung

Herz Jesu Fest, Herz-Jesu-Freitag Viele katholische Kirchen, vor allem wenn sie vor und nach 1900 gebaut wurden, sind dem Herzen Jesu geweiht. Die Darstellung des Herzens hat eine typische Form gefunden, dass nämlich Jesus nicht am Kreuz dargestellt wird, sondern stehend, nur die Herzseite des Gewandes ist offen und man sieht aus dem Herz Blut hervorquellen. Die Frömmigkeit der Katholiken ist seit über 100 Jahre von der Herz-Jesu-Verehrung geprägt, sie drückte sich vor allem in der Verehrung des eucharistischen Brotes aus. Nach dem II. Vatikanischen Konzil 1962-65 ging diese Frömmigkeit zurück. Das lag auch daran, dass die reformierte Liturgie nach dem Konzil mit der muttersprachlichen Eucharistiefeier die Verehrung der Eucharistie wieder mehr in die Messfeier verlegte und damit die Anbetung der Hostie in der Monstranz zurückging. Es war aber auch der Wandel des religiösen Gefühls, die einen Abschied vom 19. Jahrhundert beinhaltete. Damit ist die Herz-Jesu-Verehrung, wie sie im 19. Jahrhundert ausgebildet und für die katholische Religiosität prägend wurde, aber nicht in die Rumpelkammer der Geschichte der Spiritualität zu verabschieden. Sie kehrt sogar mit der neuen Verehrung der Eucharistie, die in der Monstranz den Gläubigen gezeigt wird, wieder an Bedeutung. Die Herz-Jesu-Verehrung beginnt eigentlich schon im Neuen Testament, besonders bei Johannes, der die Liebe als zentrales Motiv im Handeln Jesu herausstellt und in seinen Briefen das Liebesgebot immer wieder betont. Im 7. Kapitel seines Evangeliums liegt der Ursprung der Darstellung des Herzens Jesu, wie das die typische Skulptur zeigt: „Am letzten Tag des Festes, dem großen Tag, stellte sich Jesus hin und rief: Wer Durst hat, komme zu mir, und es trinke, wer an mich glaubt. Wie die Schrift sagt: Aus seinem Inneren werden Ströme von lebendigem Wasser fließen. Damit meinte er den Geist, den alle empfangen sollten, die an ihn glauben; denn der Geist war noch nicht gegeben, weil Jesus noch nicht verherrlicht war.“ (Verse 37-39) Am Kreuz öffneten die Soldaten das Herz Jesu mit der Lanze. Es heißt ebenfalls bei Johannes: „Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon tot war, zerschlugen sie ihm die Beine nicht, sondern einer der Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite, und sogleich floss Blut und Wasser heraus. Und der, der es gesehen hat, hat es bezeugt, und sein Zeugnis ist wahr. Und er weiß, dass er Wahres berichtet, damit auch ihr glaubt.“ (Kap. 19,33-35) Daher wird das Herz Jesu Fest an einem Freitag gefeiert, nämlich in der Woche nach Fronleichnam. Verehrt wird das durchbohrte Herz des Gekreuzigten, der Sühne für die Sünden der Menschen geleistet hat. Im Zusammenhang mit dieser Stelle ist im 1. Johannesbrief zu lesen: „Dieser ist es, der durch Wasser und Blut gekommen ist: Jesus Chri¬stus. Er ist nicht im Wasser gekommen, sondern im Wasser und im Blut. Und der Geist ist es, der Zeugnis ablegt; denn der Geist ist die Wahrheit. Drei sind es, die Zeugnis ablegen: der Geist, das Wasser und das Blut, und diese drei sind eins.“ (1 Joh 5,6-8). Wasser weist auf das Sakrament der Taufe, Blut auf das Sakrament der Eucharistie hin. Der Geist ist die in den Sakramenten wirkende Kraft, der durch den Tod, d.h. die Hingabe Jesu, freigesetzt ist. Schon in der frühen Kirche wurden diese Texte im Sinne der neuzeitlichen Herz-Jesu-Verehrung ausgelegt. Der Quell lebendigen Wassers, der aus dem Herzen Jesu fließt, ist die Gnade, die Jesus mitteilt. Mit Herz meint die Sprache meist nicht nur das Organ, sondern den Menschen in seiner Personmitte, den Menschen, der fühlt, leidet, der ein großes Herz, ein Herz für andere hat, dessen Herz schneller schlägt, wenn er sich freut, der verletzlich ist, der fähig ist zu lieben. Die Herz-Jesu-Frömmigkeit hatte sich bereits in der deutschen Frauenmystik des Mittelalters entwickelt. Es ist das Hohe Mittelalter, das den Gekreuzigten in seinem von Schmerzen gekrümmten Leb zeigt. Der Crucifixus, der an das Kreuz Genagelte, wird in den Kirchen aufgehängt. Im 19. Jahrhundert kam eine weitere Note hinzu: Jesu Leiden und Hingabe für die Menschen werden zu wenig erwidert. Das soll der Beter durch eigenes Sühneleiden wieder gutmachen. Im Mittelalter finden sich noch tiefer gehende Wurzeln der Herz-Jesu-Frömmigkeit: Die Idee von der Gottesgeburt im Herzen der Menschen und die Verehrung des Apostels Johannes entwickelten sich zu einer Verehrung des Herzens des Erlösers. Vor allem die deutsche Mystik hat diese Entwicklung gefördert. In der Herz-Jesu-Verehrung findet eine mittelalterlich und neuzeitlich geprägte Innerlichkeit ihren Ausdruck, die in Jesus weniger den Pantokrator, den Herrn der Welt, sieht, als den, der durch die Liebe zu den Menschen und die Fä¬higkeit zum Leiden die Erlösung bewirkt hat. Die Einführung des Herz-Jesu-Festes geht auf eine Ordensfrau zurück: Margareta Ma¬ria Alacoque, die in dem Kloster Paralaye-Monial in Burgund lebte. Sie hatte zwischen 1673 und 1675 mehrere Visionen, in denen sie von Christus den Auftrag erhielt, sich für die Einführung des Herz-Jesu-Festes am zweiten Freitag nach Fronleichnam und die Pflege der Herz-Jesu-Freitage einzusetzen. Die römische Zentrale hatte große Vorbe¬halte gegen die Einführung eines solchen Festes. 1765 erhielten die polnischen Bischö¬fe die Erlaubnis, das Fest zu feiern, 1856 wurde es erst verbindlich eingeführt und dann von mehreren Päpsten gefördert. Zur Jahrhundertwende weihte Papst Leo XIII. die Welt dem Heiligsten Herz Jesu an. Die Herz-Jesu-Frömmigkeit wurde durch verschiedene Orden, besonders durch die Jesuiten, gefördert. Herz-Jesu-Fest und Herz-Jesu-Freitag stehen in enger Verbindung zur Eucharistie. Beichte und Empfang des eucharistischen Brotes am Herz-Jesu-Freitag sind Haupt¬elemente der Herz-Jesu-Frömmigkeit. Zu dieser eucharistisch geprägten Frömmigkeit gehört die "Heilige Stunde", die auf Margarete Alacoque zurückgeht: betrach¬tendes Gebet in der Kirche, das sich mit dem Leiden und Sterben Jesu, seiner Liebe und der Einsetzung des Abendmahls beschäftigt. Diese Gebetszeit liegt am Abend vor dem Herz-Jesu-Freitag. Das Gebetsapostolat ist eine Gebetsbewegung, die 1844 von Jesuitenstudenten ins Leben gerufen wurde. Ziel der Bewegung ist das Gebet für bestimmte Anliegen, die monatlich vom Papst formuliert werden, die Herz-Jesu-Verehrung und die Motivation für die Glaubensverkündigung in der eigenen Umwelt. Herz-Jesu-Bruderschaften, Ordensgemeinschaften und Genossenschaften haben die Herz-Jesu-Verehrung zum Zentrum ihrer Spiritualität gemacht und drücken diese auch in ihrem Namen aus, z.B. Missionare des Heiligsten Herzens Jesu. Durch die Herz-Jesu-Freitage wird die Frömmigkeit über das Jahr hinweg wach gehalten. An jedem ersten Freitag im Monat wird der Sühnegedanken durch Gebete und Andachten zum Ausdruck gebracht. Ein weiterer Ausdruck des Sühnegedankens ist die Beichte, die im Zusammenhang mit diesem Tag abgelegt wird. Am Herz-Jesu-Freitag wird den Kranken die Kommunion ans Krankenbett gebracht.

Autor: Dr. Eckhard Bieger SJ