Herbstmärkte-Erntedank

Erntedank hat in städtischen Kirchen einen eher pittoresken Reiz, wenn Kartoffeln, Tomaten, Wirsingköpfe, Äpfel und Birnen auf Stroh um den Altar drapiert werden. Daneben nehmen sich die Ernteprobleme der Bauern wie Absatzprobleme der Autoindustrie aus, wenn es um Milchpreise, die Erlöse von Weizen und Roggen geht oder gar die Gewinnung von Biogas. Erntedank war in einer agrarischen Gesellschaft zum einen Dank, denn es gab keine künstlichen Düngemittel und kaum Schädlingsbekämpfungsmittel. Zum anderen war es auch die Zeit, zu verkaufen, was man für den eigenen Lebensunterhalt nicht brauchte. Weil die Landwirtschaft durch die Umstellung auf die Dreifelderwirtschaft im Mittelalter produktiver wurde, konnten überhaupt Städte entstehen. In den Städten konnte man Geld verdienen. Deshalb sind die Herbstmärkte in den Städten, deren Bewohner aber noch bis ins Zeitalter der Industrialisierung selbst vor den Toren Land- und Viehwirtschaft betrieben und das heute noch in den Schrebergärten tun.

Die Märkte sind mit Namen von Heiligen verknüpft. Es sind seltener die Patrone der Viehzüchter und der Winzer, sondern Heilige, deren Fest im Herbst gefeiert wird.

ÞMartin, der als römischer Soldat eigentlich keinen Bezug zur Landwirtschaft hatte, ist wegen seines Festes am 11. November eng mit dem Erntebrauchtum verknüpft. So ist der Gänsebraten eine Erntedankessen bzw. es war eine Gabe an die Knechte und Mägde, die zu einem anderen Bauern wechselten. Katharinenmärkte gibt es in mehren Orten, weil diese Heilige, Katharina von Alexandrien, im Mittelalter sehr verehrt wurde und am 25. November ihren Gedenktag hat. Andreas, dessen Fest auf den 30. November fällt, hat auch manchen Märkten den Namen gegeben. Ein weiterer Markttermin ist der 1. November, an dem das Fest Allerheiligen gefeiert wird. Manche dieser Märkte sind inzwischen in Weihnachtsmärkte umgewandelt worden, so dass der Gedanke der Ernte und des Verkaufs der Ernte nicht mehr im Bewusstsein ist.

Allerdings, auch wenn die alten Markttraditionen mit einem Heiligen verbunden sind, die Kirche hat das Brauchtum nicht so unterstützt wie das des hl. Nikolaus oder den Advent, denn der späte Herbst mit seinen Märkten verleitet zu Ausschweifungen, alles ist in Hülle und Fülle da, vor dem Winter kann man sich noch einmal draußen aufhalten und der neue Wein muss auch genossen werden.

Autor: Dr. Eckhard Bieger SJ