etwas berühren

Wenn die Pilger die Kathedrale von Santiago de Compostella betreten, stellen sie sich in einer Reihe auf, um ihre Hände in die Statue des hl. Jakobus zu legen und die Säule mit der Stirn zu berühren. Im Petersdom in Rom ist der Fuß einer Petrusstatue abgewetzt, weil sie so oft geküsst wird. Wenn ein einzelner gesegnet wird, so legt ihm der Priester die Hände auf den Kopf, ebenso der Bischof, wenn er einen Priester weiht. Von den Bischöfen nimmt man an, dass sie sich alle durch die Handauflegung, mit der die Apostel die ersten Episkopen geweiht haben, herleiten, jeder durch Handauflegung eines anderen Bischofs und damit Nachfolgers der Apostel eingesetzt.

Bei der Firmung berührt der firmende Priester bzw. der Bischof die Wange des Firmlings. Man weiß nicht genau, ob sich das vom germanischen Ritterschlag herleitet.

Das Berühren leitet sich direkt von Jesus her. Er hat die Augen der Blinden berührt. Im Matthäusevangelium wird im Kap. 9, 28-30 in zwei Versen berichtet: „Nachdem er ins Haus gegangen war, kamen die Blinden zu ihm. Er sagte zu ihnen: Glaubt ihr, dass ich euch helfen kann? Sie antworteten: Ja, Herr. Darauf berührte er ihre Augen und sagte: Wie ihr geglaubt habt, so soll es geschehen. Da würden ihre Augen geöffnet.“

Im 8. Kapitel, 14-15 wird berichtet: „Jesus ging in das Haus des Petrus und sah, dass dessen Schwiegermutter im Bett lag und Fieber hatte. Da berührte er ihre Hand, und das Fieber wich von ihr.“

Unter den Wunderberichte findet sich auch dieser: Ein Synagogenvorsteher bittet Jesus, seine Tochter zu heilen. Auf dem Weg zu dessen Haus „trat eine Frau, die schon zwölf Jahre an Blutungen litt, von hinten an ihn heran und berührte den Saum seines Gewandes, …… Jesus wandte sich um und als er sie sah, sagte er: Hab keine Angst, meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen. Und von dieser Stunde war die Frau geheilt.“

Sakramente haben etwas mit Berührung zu tun. Das Taufwasser wird über den Kopf geschüttet, dann werden Hände und die Stirn mit Chrisam gesalbt. Das eucharistische Brot wird gegessen, Priester werden durch Handauflegung geweiht, Kranken werden Hände und Stirn gesalbt. Nur die Beichte kommt ohne Berührung aus, Beichtender und Priester sind sogar im Besichtstuhl durch ein Holzgitter getrennt. In Rom gibt es allerdings Beichtstühle, aus denen der Priester die Gläubigen mit einer Stange berühren kann. 

Nun ist das Berühren keine Besonderheit unter Katholiken. Sich Umarmen, die Hand geben, Zuneigung durch ein Geschenk oder eine Essenseinladung auszudrücken, zeigen eine größere Intensität als Worte. Weil die Sakramente die religiöse Kultur der Katholiken besonders prägen, haben Öle, die Handauflegung und das eucharistische Mahl eine große Bedeutung.



Autor: Dr. Eckhard Bieger SJ