Devotionalien

Wer an einem Wallfahrtsort sich umgesehen hat, findet mit großer Regelmäßigkeit Stände, an denen man nicht nur Postkarten, sondern auch Anhänger, Rosenkränze, Heiligenfiguren kaufen kann.

Eigentlich ist das nichts anders, als wenn man aus dem Ferienort eine Karte schreibt, Quarzsteine, Muscheln, trocken gepresste Pflanzen mit bringt. Einige versuchen sogar, Schlangen, Echsen, Schildkröten u.a. Tiere aus ihrem Urlaub mitzubringen.

Die Devotionalien sind keine Erfindung von Katholiken. In der Apostelgeschichte wird von dem Protest der Silberschmiede von Ephesus berichtet. Sie hielten die Predigt des Paulus für geschäftsschädigend, den sie verkauften an Frauen, die schwanger werden wollten, eine Nachbildung des Artemistempels.

In der Apostelgeschichte wird im 19.Kapitel (Verse 21-40) berichtet. Die Betroffen argumentieren folgendermaßen:

„Ein Silberschmied namens Demetrius, der silberne Artemistempel herstellte und den Künstlern viel zu verdienen gab, rief diese und die anderen damit beschäftigten Arbeiter zusammen und sagte: Männer, ihr wisst, dass wir unseren Wohlstand diesem Gewerbe verdanken. Nun seht und hört ihr, dass dieser Paulus nicht nur in Ephesus, sondern fast in der ganzen Provinz Asien viele Leute verführt und aufgehetzt hat mit seiner Behauptung, die mit Händen gemachten Götter seien keine Götter. So kommt nicht nur unser Geschäft in Verruf, sondern auch dem Heiligtum der großen Göttin Artemis droht Gefahr, nichts mehr zu gelten, ja sie selbst, die von der ganzen Provinz Asien und von der ganzen Welt verehrt wird, wird ihre Hoheit verlieren. Als sie das hörten, wurden sie wütend und schrien: Groß ist die Artemis von Ephesus!“ Verse 24-28

Das Bild, so ist wenige Zeilen später zu lesen, sei vom Himmel gefallen. Paulus wird geraten, sich nicht mehr öffentlich zu äußern, er verlässt die Stadt. Würde aber Paulus, wenn er heute in einem Wallfahrtsort predigen würde, ähnlich wie protestantische Prediger, nicht den Devotionalienhandel kritisieren? Sind die Katholiken auf dem Weg zurück ins Heidentum, wenn sie vom Wallfahrtsort eine Marienstaute mitnehmen und zu Hause aufstellen oder über das Internet die „wundersame Medaille“ bestellen, der eine besondere Kraft zugeschrieben wird. Aber sollen die Bischöfe dem frommen Treiben den Garaus machen, motiviert ein in Altötting gekaufter Rosenkranz, der in der Wallfahrtskirche geweiht wurde, doch zum Gebet. Der Verdacht der Protestanten, dass die Katholiken noch einige heidnische Relikte mitschleppen, ist nicht einfach von der Hand zu weisen. Nimmt man den Reliquienkult noch hinzu, scheint sich seit der Reformation nicht viel geändert zu haben. Nun hat die katholische Kirche nicht so rigoros wie Luther und noch mehr Calvin das Unterholz der Frömmigkeit ausgedünnt. Zudem geht es im Katholizismus stärker um das Gebet, während in den Kirchen der Reformation die Verkündigung des Wortes Gottes im Brennpunkt steht. Durch die Feier die Messe und das Achten darauf, dass nur die geweihte Hostie angebetet werden kann, hält die Kirche die Kontrolle. Zudem werden die Devotionalien außerhalb der Kirche verkauft.

Man kann als Katholik die Devotionalien so wie Luther und Calvin ablehnen und muss auch keinen Wallfahrtsort besuchen. Die Breite der Frömmigkeitsformen umspannt beides.

 

Autor: Dr. Eckhard Bieger SJ