Caritas

Caritas ist wie ein Ausruf: Liebe. Diakonie, vom griechischen Wort für Dienst, heißt die vergleichbare Organisation der evangelischen Landeskirchen, Wohlfahrt, Arbeiterwohlfahrt die Sozialorganisation der Gewerkschaften. Aus diesen drei Bewegungen des 19. Jahrhunderts ist erst der Sozialstaat entstanden. Es war nämlich nicht zuerst der Staat, der die soziale Frage aufgriff, sondern einzelne, die sich zusammenschlossen, um die Kranken zu pflegen, jungen Männern und Frauen, die vom Land in die Stadt strömten, eine Bleibe zu bieten, in den kleinen Orten Nähstuben einzurichten, wo die Frauen nicht nur Hilfe beim Zuschneiden von Stoffen, beim Stricken u.a. erhielten, sondern auch einen Ort für Gespräche fanden. Hinzukommen die Heime für Jungendliche wie für alte Menschen. Es war das große Bevölkerungswachstum und die Industrialisierung, die große Not hervorbrachten und solidarisches Handeln erforderten.

Vorher, seit dem Mittelalter bis in den Barock, hatten die Klöster und Stifte die Aufgabe der Armenfürsorge. Als mit der Säkularisation 1803 die Klöster und Abteien aufgelöst wurden und damit die Bistümer und die andere katholischen Einrichtungen ihre Finanzierungsbasis, damals der Landbesitz, an die Herzogtümer und Königreiche abgeben musste, führte das nur in selten Fällen dazu, dass diese mit den neu gewonnen Einnahmequellen die soziale Arbeit der kirchlichen Einrichtungen fortsetzten. Als Mitte des 19. Jahrhunderts wieder Leben in die katholische Kirche kam, Verbände gegründet wurden (ÞKatholikentage), bildeten sich aus kleinen Gruppen soziale Initiativen. In der Zeit entstanden auch die vielen katholischen Frauenorden, die sich der Kranken- und Altenpflege, der Erziehung und den jungen Menschen aus ärmeren Bevölkerungsschichten widmeten. Viele Kindergärten haben in diesen Initiativen ihre Wurzeln. So begannen einige Frauen, die Kranken aus ärmeren Schichten zu versorgen, ihnen wurde ein Bauernhof geschenkt, so dass sie eine wirtschaftliche Basis hatten und sogar einen Arzt bezahlen konnten. Die reichen Bürger wurden noch zu Hause gepflegt. Sie gingen erst in die Krankenhäuser, als die ärztliche Versorgung dort so gut wurde dass die Heilungschancen größer und die Ansteckungsgefahr geringer geworden waren. Die Frauengemeinschaften schlossen sich, meist auf der Ebene eines Bistums, zusammen, übernahmen meist die Regel des hl. Franziskus und bildeten so einen Orden. Da die meisten Frauen auf dem Lande in dieser Zeit nicht heiraten konnten, weil die Höfe schon klein genug waren, mussten sich weder die Ordensgemeinschaften noch die Diakonissenhäuser um Nachwuchs Gedanken machen.

Die Vielzahl der sozialen Initiativen erforderte gemeinsame Interessenwahrnehmung und qualifizierte Ausbildung. Während auf evangelischen Seite der Gründer des Rauhen Hauses in Hamburg, Pfarrer Heinrich Wichern, auf dem Kirchentag in Wittenberg 1848 den „Centralausschuß für die Innere Mission der deutschen evangelischen Kirche“ einrichtete, war es auf katholischer Seite Lorenz Werthmann (1858-1921). Die sozialen Initiativen trafen sich bereits zu Caritastagen, aber es fehlte ein Zusammenschluss, der die Interessen politisch bündeln konnte und für eine flächendeckende kirchliche Sozialarbeit sorgte. Weiter sah Werthmann die Aufgabe, das Personal in den sozialen Einrichtungen zu qualifizieren. Schulen für Erzieherinnen, Krankenpflege und Sozialarbeit konnten durch den Zusammenschluss aufgebaut werden. Werthmann ging es auch darum, die soziale Einstellung nicht nur bei allen Katholiken zu fördern, sondern der ganzen Gesellschaft den Blick für die Armen zu öffnen. Seit seiner Gründung 1897 hat der Deutschs Caritasverband, der sich zuerst „Charitasverband für das katholische Deutschland“ nannte, seinen Sitz in Freiburg: Die Organisation ist der Dachverband für die 27 Caritasverbände der deutschen Diözesen, die sich wieder in Kreis- und Stadtcaritasverbände gliedern. Es gehören auch die von Orden und Pfarreien getragenen Krankenhäuser, und verschiedene, auf spezielle Probleme ausgerichtete verbände wie der Malteserhilfsdienst, der Raphaelsverein für Auswanderer, der Kreuzbund, der sich um Alkoholabhängige, Gruppierungen von Frauen und Männern, Caritaskonferenzen, die sich auf gemeindlicher Ebene den sozialen Aufgaben widmen, dazu.

Lorenz Werthmann hart durch seine Gedanken, dass nicht allein der Staat für die Armen, Kranken, die an den Rand Gedrängten zuständig ist, das subsidiär geprägte Wohlfahrtssystem in Deutschland mit begründet, so dass heute sechs Organisationen der Wohlfahrtpflege den Großteil der sozialen Aufgaben bestreiten. Diese Organisationen sind sehr viel besser in der Lage, neue Probleme, wie die Hilfe für Asylanten und Migranten oder die Drogenhilfe zu organisieren als Kommunen und staatliche Stellen. In über 20.000 Einrichtungen und Initiativen arbeiten etwa 500.000 Mitarbeiter und noch einmal so viele Ehrenamtliche allein im Bereich der Caritas.

Caritaslexikon

 

 

Autor: Dr. Eckhard Bieger SJ