Bischofskonferenz

Dass sich die Bischöfe frei bewegen und sich zu einer Versammlung treffen konnten, war erst durch die Demokratiebewegung Mitte des 19. Jahrhunderts möglich. Im Jahr des Paulskirchenparlaments 1848 trafen sie sich erstmalig in Würzburg. 1867 kam es zu einem Treffen am Grab des Bonifatius in Fulda. Dieser britische Mönch organisierte die deutsche Kirche im 8. Jahrhundert, gründete Bistümer und wurde selbst Erzbischof von Mainz. Er ist in der von ihm gegründeten Abtei in Fulda beigesetzt. 1873 gründeten die bayerischen Bischöfe die sog. Freisinger Bischofskonferenz. Sie nahmen bis 1933, als die politischen Verhältnisse eine stärkere Kooperation verlangten, nicht an den Treffen der Fuldaer Bischofskonferenz teil. Da die Bundesländer wegen ihrer Kulturhoheit die ersten Ansprechpartner der christlichen Kirchen und der Vatikan nicht mit dem Bund, sondern mit den Ländern Konkordate schließt, gibt es auch Bischofstreffen auf Ebene der Bundesländer, auf deren Gebiet mehrere Diözesen Pfarreien haben. Da die DDR-Regierung die deutsche Teilung auch für die Kirchen mit dem Mauerbau durchsetzte, schlossen sich die Bischöfe auf dem Gebiet der ehemaligen DDR 1961 zur „Berliner Bischofskonferenz“ zusammen. Die Bischofsversammlungen waren bis zum II. Vatikanischen Konzil nur lose Zusammenschlüsse. Durch das Konzil erhielten sie einen eigenen Status. Nach dem Konzil, nämlich seit 1966, nennt sich die Fuldaer Bischofskonferenz „Deutsche Bischofskonferenz“. Sie trifft sich weiterhin im Herbst in Fulda, im Frühjahr an einem jeweils anderen Ort. Da die Bischofskonferenz keinem Bischof zu etwas verpflichten kann, sondern nur der Papst, ist die Konferenz auf einhellige Entscheidungen angelegt. Von der Öffentlichkeit meist wenig wahrgenommen, gibt es ein monatliches Treffen von Bischöfen. Dieser „Ständige Rat“ wurde 1974 eingeführt, um die Vollversammlungen aller Bischöfe und Weihbischöfe nicht mit Entscheidungen zu überfrachten. Am Ständigen Rat nimmt nur der Bischof oder in seiner Vertretung ein Weihbischof an der Versammlung teil. Da die einzelnen Bischöfe nicht überstimmt werden können, ruhen die Beschlüsse des Ständigen Rates, bis auch die Bischöfe, die sich durch einen Weihbischof vertreten ließen, zugestimmt haben. Der Ständige Rat tagt nur einen Tag und kommt fünf- bis sechsmal jährlich zusammen. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz gibt der deutschen Kirche Gesicht, er spricht in der Regel für die Kirche in Deutschland. Innerhalb des Gremiums genießt er nicht die gleiche Stellung wie der Kanzler, die Kanzlerin, vielmehr ist er als Vermittler gefragt. Weil die katholische Kirche als hierarchisch gilt, traut man ihm mehr Kompetenzen zu als er tatsächlich hat. Er soll aber der katholischen Kirche nach außen Kontur verleihen. Das kann er aber sehr viel weniger als der Papst. In Deutschland sind, anders als bei anderen Bischofskonferenzen, die Vorsitzenden häufig wieder gewählt worden. Der Mainzer Bischof, Kardinal Lehmann war von 1987 bis 2008 Vorsitzender, ehe er aus Gesundheitsgründen zurück trat.

Autor: Dr. Eckhard Bieger SJ