Bischöfe

Bischöfe - apostolische Sukzession

Die katholische Kirche wirkt nach außen als Papstkirche. Er ist das Oberhaupt, dann kommt lange gar nichts. So scheint es. Der Papst ist aber auch nur ein Bischof. So gibt es keine eigene Papstweihe. Dem Gewählten wird noch in der sixtinischen Kapelle, wenn er die Wahl angenommen hat, sofort von den Kardinälen als Papst gehuldigt und dann wird er vom Balkon des Petersdomes aus als Papst proklamiert. Würde jemand zum Papst gewählt, der noch nicht Bischof ist, müsste er erst die Bischofsweihe empfangen.

Der Papst kann sein Amt nicht ohne die Bischöfe ausüben. Wenn ein Papst auf die Idee käme, einfach keine Bischöfe mehr zuzulassen oder dieses Amt gar abzuschaffen, dann würde er abgesetzt werden müssen. Dass Vergleichbares vorkommt, kann man an der Geschichte nicht nur der europäischen Königreiche ablesen. Ursprünglich wurde der König von den Fürsten gewählt. Im Laufe der Jahrhunderte entmachteten die Könige die Fürsten. Sie sorgten dafür, dass einer ihrer Söhne ihr Nachfolger wurde. Das war auch im mittelalterlichen Kaiserreich über einige Generationen hinweg so, jedoch musste der Sohn wenigstens formell von den Adeligen gewählt werden. Später ließen sich die Fürsten das teuer bezahlen. Als die deutschen Fürsten nach dem Sieg Preußens über Napoleon III. 1871 das deutsche Reich gründeten, wurde der preußische König zum Kaiser proklamiert. Die Nachfolger des preußischen Kaisers wurden dann nicht mehr gewählt, es genügte die Geburt.

Trotz vergleichbarer zentralistischer Bestrebungen des Papsttums ist die Stellung der Bischöfe erhalten geblieben. Er ist nicht nur für das Bistum, dessen Bischof er ist, der wichtigste Entscheidungsträger, sondern hat auch eine Funktion für die ganze Kirche. Jeder Bischof ist mit seiner Ernennung Teil des weltweiten Bischofskollegiums. Mit dem Papst zusammen ist dieses Kollegium die oberste Instanz der Kirche.

Das Amt des Bischofs ist in den ältesten Texten des Neuen Testaments nicht greifbar, denn diese stammen noch aus der Zeit, als die Apostel noch lebten bzw. kurz vorher gestorben waren. Aus den Briefen des Apostels Paulus wird deutlich, dass er wie auch Petrus u.a. Apostel die Leitung der Kirche wahrnahmen. Wie heute die Bischöfe Hirtenbriefe versenden, schreibt auch er Briefe, die für die Gemeinden verbindliche Aussagen machen und Regelungen treffen. Die Gemeinden wurden von einer Gruppe „Ältester“ geleitet, die wohl von den Aposteln eingesetzt wurden. Sie werden im Neuen Testament Presbyter genannt. Von diesem Wort leitet sich die Bezeichnung „Priester“ her. Der Priester der heidnischen Kulte wurden Hiereus genannt, vom griechischen Wort „heilig“ hergeleitet.

Neben der Bezeichnung „Ältester“ gibt in den Briefen des Neuen Testaments auch den des Episkopus. Das wort bezeichnet jemanden, der den Überblick hat, seine Wurzel ist das griechischen Wort für “sehen“. Von diesem Wort leitet sich die Bezeichnung Bischof her. Im Neuen Testament gibt es dann auch drei Briefe an Bischöfe, zwei an Timotheus, einen dritten an Titus. Der Schreiber des Briefes bezeichnet sich als Apostel und redet die beiden Bischöfe wie seine Schüler an. Von daher kommt die verbindliche Regelung, dass ein Bischof nur in der Nachfolge der Apostel ernannt werden kann.

In Timotheus1,1-2 heißt die Anrede:
„Paulus, Apostel Christi Jesu durch den Auftrag Gottes, unseres Retters, und Christi Jesu, unserer Hoffnung, an Timotheus, seinen echten Sohn durch den Glauben. Gnade, Erbarmen und Friede von Gott, dem Vater, und Christus Jesus, unserem Herrn.“

In Kap. 4 finden sich konkrete Anweisungen für den Bischof:

„Sei den Gläubigen ein Vorbild in deinen Worten, in deinem Lebenswandel, in der Liebe, im Glauben, in der Lauterkeit. Lies ihnen eifrig (aus der Schrift) vor, ermahne und belehre sie, bis ich komme. Vernachlässige die Gnade nicht, die in dir ist und die dir verliehen wurde, als dir die Ältesten aufgrund prophetischer Worte gemeinsam die Hände auflegten. Dafür sollst du sorgen, darin sollst du leben, damit allen deine Fortschritte offenbar werden. Achte auf dich selbst und auf die Lehre; halte daran fest! Wenn du das tust, rettest du dich und alle, die auf dich hören.“ Verse 12-17

Der Bischof soll bewahren und weitergeben, was er selbst als Glaubensgut empfangen hat. Die gleiche Ermahnung findet sich im 2. Brief an Timotheus:

„Du aber bleibe bei dem, was du gelernt und wovon du dich überzeugt hast. Du weißt, von wem du es gelernt hast; denn du kennst von Kindheit an die heiligen Schriften, die dir Weisheit verleihen können, damit du durch den Glauben an Christus Jesus gerettet wirst. Jede von Gott eingegebene Schrift ist auch nützlich zur Belehrung, zur Widerlegung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit; so wird der Mensch Gottes zu jedem guten Werk bereit und gerüstet sein.“ Kap. 3,14-17 

Weil der Bischof die Lehre bewahren soll, die in den biblischen Texten niedergelegt ist, werden Bischöfe in der mittelalterlichen Kunst fast immer mit einem Buch in der Hand dargestellt.

In den Briefen an die Bischöfe wird davon ausgegangen, dass die Adressaten durch die Apostel ihre Autorität erhalten haben. Später wurden sie nicht mehr eingesetzt, sondern gewählt, anfangs sogar wie ein Bürgermeister von der ganzen Gemeinde. Aber anders als in einer Demokratie beinhaltet die Wahl nicht, dass der Bischof im Auftrag der Gewählten handelt, sondern als Nachfolger der Apostel. Er soll ihr Glaubenszeugnis weitertragen. Deshalb wird darauf Wert gelegt, dass jeder Bischof seine Weihe von einem anderem Bischof erhält und zwar so, dass die Reihenfolge bis zu den Aposteln zurückreicht. Das nennt man apostolische Sukzession, in der Nachfolge der Apostel stehen. Er wird durch Handauflegung für sein Amt geweiht. Weil die erste Generation der Bischöfe durch die Apostel eingesetzt wurde und darauf folgend ein Bischof nur durch einen Bischof geweiht werden kann, muss sich logisch die Reihe der Bischöfe bis zu einem Apostel zurückverfolgen lassen. Obwohl in der frühen Kirche bereits Bischofslisten geführt wurden, gibt es nicht für alle Bischofssitze entsprechende Dokumente. Aber man hält an der apostolischen Sukzession fest, nämlich dass jeder Bischof in einer Reihe steht, die sich bis zu einem Apostel zurückverfolgen lässt. 

Als im 2. Jahrhundert die Gnosis die Gemeinden bedrohte, wurde die Rolle des Bischofs stärker betont, in der Linie, die in den Briefen an Timotheus und Titus schon vorgezeichnet war:

Die Situation, in der das Festhalten an dem Überlieferten gefordert ist, klingt in folgenden Zeilen durch:

Du aber bist mir gefolgt in der Lehre, im Leben und Streben, im Glauben, in der Langmut, der Liebe und der Ausdauer, in den Verfolgungen und Leiden, denen ich in Antiochia, Ikonion und Lystra ausgesetzt war. Welche Verfolgungen habe ich erduldet! Und aus allen hat der Herr mich errettet. So werden alle, die in der Gemeinschaft mit Christus Jesus ein frommes Leben führen wollen, verfolgt werden. Böse Menschen und Schwindler dagegen werden immer mehr in das Böse hineingeraten; sie sind betrogene Betrüger. Du aber bleibe bei dem, was du gelernt und wovon du dich überzeugt hast.“ 2 Timotheus 3, 10-14

Wie heute noch ist eine wichtige Aufgabe des Bischofs der Personaleinsatz, der mit einer religiösen Weihe verbunden ist. Sowohl Timotheus wie Titus sollen Presbyter einsetzen: Im Brief an Titus heißt es:

„Ich habe dich in Kreta deswegen zurückgelassen, damit du das, was noch zu tun ist, zu Ende führst und in den einzelnen Städten Älteste einsetzt, wie ich dir aufgetragen habe. Ein Ältester soll unbescholten und nur einmal verheiratet sein. Seine Kinder sollen gläubig sein; man soll ihnen nicht nachsagen können, sie seien liederlich und ungehorsam.“ Kap. 1,5 - 3,11

Älteste werden durch Handauflegung eingesetzt. Das soll auch symbolisch darstellen, dass an die Geweihten übergeht, was auch die sie Weihenden empfangen haben.

Im 1. Timotheusbrief steht dazu folgende Anweisung:
Älteste, die das Amt des Vorstehers gut versehen, verdienen doppelte Anerkennung, besonders solche, die sich mit ganzer Kraft dem Wort und der Lehre widmen. Denn die Schrift sagt: Du sollst dem Ochsen zum Dreschen keinen Maulkorb anlegen, und: Wer arbeitet, hat ein Recht auf seinen Lohn. Nimm gegen einen Ältesten keine Klage an, außer wenn zwei oder drei Zeugen sie bekräftigen. Wenn sich einer verfehlt, so weise ihn in Gegenwart aller zurecht, damit auch die anderen sich fürchten.
Ich beschwöre dich bei Gott, bei Christus Jesus und bei den auserwählten Engeln: Befolge dies alles ohne Vorurteil und vermeide jede Bevorzugung! Lege keinem vorschnell die Hände auf und mach dich nicht mitschuldig an fremden Sünden; bewahre dich rein!“ 5. Kap. 5, 17-19

Den Glauben bezeugen, Lehren, die Diakon- und Priesterweihe spenden, das Bistum mit ordnender Hand leiten – das sind bis heute die Aufgaben eines Bischofs

Autor: Dr. Eckhard Bieger SJ