Sinus 2010

Noch mehr Unterschiede zwischen den Milieus

Neun Jahre hat die Landkarte der deutschen Lebenswelten gehalten. Im Oktober 2010 hat das Sinus-Sinus-Institut seine „Kartoffelgrafik“ neu gruppiert. Man ist bei 10 Milieus geblieben, hat aber 3 Milieus unterteilt, so dass man auch von 13 Milieus sprechen könnte.

Folgende Milieus wurden unterteilt:

Bei den Traditionsorientierten ist eine Gruppe hinzugekommen, die nicht von der Herkunft her traditionell denkt und fühlt, sondern sich bewusst an der Tradition orientiert.

Die Bürgerliche Mitte hat auch zwei Gruppen. Die einen fühlen sich in ihrem Status sicher, die anderen sind von Abstiegsängsten geprägt.

Bei den Hedonisten gibt es weiterhin die unterhaltungsorientierte Gruppe, die Anpassung ablehnt.

Hinzugekommen ist eine Gruppe, die experimentiert.

 

Als neue Gruppe sind die adpativen Pragmatiker hinzugekommen, die als die junge „Mitte der Gesellschaft“ bezeichnet werden.

 

Die DDR-Nostalgiker gibt es nicht mehr als eigene Lebenswelt, sie werden dem Prekariat zugeteilt, den bisherigen Konsumorientierten.

Als treibende Kraft der weiteren Differenzierung der Lebenswelten werden folgende Faktoren genannt:

-          Die zunehmenden Unsicherheiten des Arbeitsmarktes;

-          Die digitalen Medien. Sie ermöglichen eine ständige Vernetzung und über das Internet den Zusammenhalt
           auch kleiner Gruppen.

-          Weitere Individualisierung und damit größere Distanzen zwischen den Lebenswelten.

Die Folge des weiteren Auseinanderdriftens der in den Sinusmilieus beschriebenen Lebenswelten ist nicht zuletzt dadurch bedingt, dass die Milieus so klein geworden sind, dass keines mehr einen dominierenden Einfluss ausüben kann. Das erklärt auch, warum sich die Einstellung gegenüber der Politik und deren Agenten, den Parteien, geändert hat. Die Wähler gehen nicht mehr davon aus, dass irgendeine gesellschaftliche Gruppe, und sei es eine Volkspartei, über so viel Durchsetzungskraft verfügt, dass sie Grundlegendes ändern könnte. Da die Lebenswelt, für die man sich entschieden hat und der man dann durch das Sinusinstitut zugeordnet wird, nicht von Leitfiguren geprägt werden, sondern ehr von anonymen Trends, machen die Bürger als Wähler nicht die Erfahrung, dass man tatsächlich etwas bewegen könnte. Deshalb gilt Anpassung an das, was „angesagt“ ist, als Lebensphilosophie.

Auch wenn die Landkarte der Sinuswelten Vieles erklärt, macht sie über die Entwicklung der Gesellschaft keine sichere Prognose. Die Gesellschaft kann sich weiter differenzieren und damit auch entpolitisieren. Das muss aber nicht so bleiben. Es kann auch eine Aufbruchsstimmung entstehen, die dem Politischen dann wieder mehr Gewicht verleiht.



Autor: Dr. Eckhard Bieger SJ