Pachomoius

Pachom 287-347 lebte in Oberägypten in der Nähe von Theben, das heutige Karnak, Luxor. Er sammelte die Asketen, die sich in die Wüste zurückgezogen hatten, in großen Konventen gemeinsamen Lebens; „koinos bios“ ist das griechische Wort für „gemeinsames Leben“. In Ägypten hatten sich Asketen in die Wüste zurückgezogen. Diese „Wüstenväter“ lebten als Einsiedler. Pachomius hat sie zu Gemeinschaften zusammengeführt und damit das koinobitische Mönchtum begründet. Die Einsiedler, die meist in Höhlen in Rufweite von anderen beteten und arbeiteten, werden Eremiten genannt. Anachoreten heißen sowohl Eremiten wie Koinobiten, die sich aus der bisherigen Lebensumständen zurückgezogen hatten, um sich ganz dem Gebet zu widmen.

Er war Heide, als er in den Militärdienst gezwungen werden sollte
Seine Bekehrung zu Christus vollzog sich unter dramatischen Umständen: Er sollte in die römische Legion gezwungen werden, wurde aufgegriffen und mit Leidensgenossen nilabwärts in Richtung Alexandria verschifft. Unterwegs hielten die Soldaten an und brachten ihre Zwangsrekruten zur Aufbewahrung ins Gefängnis. Dort verschafften sich abends die Christen der Stadt Zutritt und versorgten die geschundenen Männer mit Essen und Trinken und sprachen ihnen Trost zu. Pachom war von dieser Liebestat so erschüttert, dass er fragte, wer das sei und warum sie das täten. Antwort: Das sind Christen und um Christi willen tun sie allen Menschen Gutes. Daraufhin zog sich Pachom in einen Winkel des Gefängnisses zurück und betete: „Mein Herr Jesus Christus, rette mich aus dieser Not, so will ich alle Tage den Menschen dienen nach deinem Gebot.“ Es leuchtet sofort ein, dass er aufgrund dieses Erlebnisses nicht das einsame Leben erstreben konnte, sondern Menschen um sich sammeln musste, um ihnen dienen zu können. Das ist die Geburtsstunde des gemeinsamen Lebens von Brüdern, den Mönchen.
Pachoms Gebet wurde erhört: der Krieg, um den es ging, war bereits beendet, bevor die Männer den Sammelplatz der Truppe erreichten. So wurden sie freigelassen. Pachom kehrte zurück und ließ sich taufen. Dann begann er, zunächst alleine, den Menschen in seiner Umgebung zu dienen: Er beherbergte Pilger, pflegte Kranke und sorgte für die Bedürftigen. Nach einer Weile ging er bei einem Anachoreten namens Palamon in die Lehre, um sein geistliches Leben zu vertiefen. Doch nach einigen Jahren brach er auf, um seiner eigentlichen Berufung gerecht zu werden.

Schrittweiser Aufbau eines gemeinschaftlichen Lebens
Bald sammelten sich Männer um ihn, die mit ihm leben wollten. Pachom hatte noch kein Konzept. Er hatte die Liebe Christi und dessen Vorbild vor Augen, als Jesus den Jüngern die Füße gewaschen hatte. Dieses demütige Dienen missverstanden seine ersten Mitbrüder allerdings, weil sich nach dem orientalischen Autoritätsverständnis das Dienen für einen geistlichen Vater nicht schickte. Pachom musste sie wieder wegschicken, aber er hat daraus gelernt. Jetzt begann er, zunächst mündlich, Regeln für das gemeinsame Leben zu formulieren. Damit schuf er eine objektive Autorität, unter die er sich auch selbst stellte. Im Lauf der Jahre wurden diese Regeln auch aufgeschrieben und gesammelt. Daraus ist die erste Ordensregel der Kirchengeschichte entstanden. Ohne es zu wissen oder auch nur zu beabsichtigen, hatte Pachom eine Pionierleistung vollbracht.

Modell war das ägyptische Dorf

Die Brüder lebten in großen Konventen, die sie anfangs „Dörfer“ nannten. Die ersten beiden ihrer Siedlungen waren auch verlassene Dörfer, in denen sie sich niederließen: Tabennese und Pbow. Dort lebten sie in verschiedenen Häusern mit bis zu 40 Mann. Sie waren nach Handwerken eingeteilt, d. h. es gab ein Haus der Brotbäcker, ein Haus der Schneider, ein Haus der Rinderhirten u.a. Auch diese Struktur entspricht einem ägyptischen Dorf. In der Mitte stand die Gemeinschaftshalle, später eine Kirche: Dort traf man sich zum Gebet vor Sonnenaufgang und mittags zur gemeinsamen Mahlzeit. Abends wurde in den Hausgemeinschaften gebetet. Es gab also nur zwei feste Gebetszeiten pro Tag.

Die Hausgemeinschaft spielte auch sonst eine große Rolle. Fünfmal in der Woche erhielten die Brüder eine geistliche Belehrung in Form einer Katechese. Zweimal, am Mittwoch und am Freitag wurde sie von den Oberen der jeweiligen Häuser gegeben. Am Wochenende hielt der Dorfobere die Katechesen für die ganze Gemeinschaft. In den Häusern wurde anschließend das Gehörte reflektiert und darüber ausgetauscht. Die Häuser ermöglichten also nicht nur Lebensgemeinschaft, sondern auch Arbeitsgemeinschaft, Gebetsgemeinschaft und Lerngemeinschaft. Es war eine kluge Gruppenpädagogik, mit der Pachom die großen Konvente untergliederten und den einzelnen Brüdern Beheimatung zu schenken.

Es ist klar, dass die großen Konvent, ein Dorf konnte über 100 Brüder beherbergen, nicht in der Wüste leben konnten, wie es die Anachoreten taten, sondern im Kulturland angelegt waren. Somit gab es auch einen regen Austausch mit den Menschen der Umgebung. Die Brüder betrieben Ackerbau, Viehzucht und verschiedene Handwerke und verkauften ihre Erzeugnisse an die Menschen außerhalb ihres Dorfes.

Unabhängigkeit von dem örtlichen Bischof

Pachom und seine Nachfolger Theodoros und Horsiese verstanden es geschickt, sich der Vereinnahmung durch die örtliche kirchliche Hierarchie zu entziehen. Sie konnten das in Verbindung mit und unter Billigung vom Patriarchen in Alexandreia, Athanasios d. Gr.. Dadurch erreichten sie so etwas wie einen status exemtionis, wie man das später im Mittelalter nannte: Sie waren nicht dem lokalen Bischof unterstellt, sondern direkt dem Papst der ägyptischen Kirche.

Pragmatische Regelungen für das Zusammenleben
Die Mönchsregeln der Pachomianer sind kein literarisches Kunstprodukt, sondern nach und nach aus pragmatischen Gründen entstanden. Das merkt man ihnen auch an. Dennoch haben sie Schule gemacht, wurden von Hieronymus ins Lateinische übersetzt und lagen Benedikt von Nursia vor, als er daran ging, seine eigene Regel zu schreiben. Er nennt den Namen Pachoms nicht, aber viele seiner Regelungen und Einrichtungen tragen Pachoms Handschrift, bis hin zu wörtlichen Entlehnungen. Insofern wirkt Pachom als anonymer Ideengeber bis heute tief in das abendländische Mönchtum hinein, während in Ägypten seine „Brüderdörfer“ nur zwei, drei Jahrhunderte überdauerten.

Autor: Br. Franziskus Joest, Jesusbruderschaft