Gelübde, ev

Gelübde sind in der Tradition des Ordenslebens die öffentliche Versprechen, in einer Ordensgemeinschaft auf Dauer zu leben und das entsprechend den drei evangelischen Räten Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam. Die Gelübde, das Geloben, wird ach Profess fenannt

Die während und nach dem zweiten Weltkrieg entstandenen Kommunitäten, Bruder- und Schwesternschaften haben Mitglieder, die sich auf Lebenszeit zu einem Leben nach den „Evangelischen Räten“ verpflichten. Dabei stellen sie sich Luthers Einwänden und haben in einer grundlegenden Veröffentlichung (“Profeß und Kirche”) erklärt:

1. In der Profess, dem endgültigen Gelübde bekennt ein Christ öffentlich die Einwilligung in seine Berufung;

2. diese Lebensform ist ein Charisma und hat keinerlei Verdienstcharakter;

3. das Neben­einander verschiedener Lebensformen ist Ausdruck unterschiedlicher Berufungen;

4. die Profess wurzelt in der Taufe und kann wie diese nur in die Kirche hinein führen, nicht über sie hinaus.  

So gesehen sind evangelische Gelübde, oder vielleicht besser, wie in Taizé, „Engagements“, die verbindliche persönliche Antwort auf einen Ruf Gottes. Sie können nach 1 Kor 7,37 nur abgelegt werden, wenn jemand in seinem Herzen überzeugt ist, in Freiheit handelt und nicht unter Zwang steht. Dort heißt es im Blick auf einen Heiratsverzicht:

„Wer aber in seinem Herzen fest bleibt, weil er sich in der Gewalt hat und seinem Trieb nicht ausgeliefert ist, wer also in seinem Herzen entschlossen ist, seine Jungfrau unberührt zu lassen, der handelt richtig.“

Sie begründen keinen besseren Heilsweg, sondern sind eine mögliche und gültige Form der allen aufgetragenen Nach­folge Christi. Durch sie werden andere For­men der Nachfolge in keiner Weise (ab)gewertet. Da die evangelischen Kirchen kein Ordensrecht kennen, gibt es dort auch keine rechtliche Einordnung evangelischer Gelübde. Sie haben den Charakter freiwilliger Verpflichtungen.

Ein solches Versprechen wird in den evangelischen Ordenskommunitäten auch mit dem lateinischen Wort „Profess“, Bekenntnis bezeichnet. In der Profess „bekennt“ sich das Mitglied zu seiner Berufung, und das öffentlich in einem Gottesdienst vor Gott und seinen Geschwistern. Die Profess kann zehn Jahre nach meinem Eintritt abgelegt werden: Es gibt Probezeiten, und es musste Raum geben für „trial and error“, bevor eine so tiefgreifende Lebensentscheidung traf.

Autor: Br. Franziskus Joest, Jesusbruderschaft