Familiengemeinschaft

Mit dem Stichwort ist hier gemeint: kommunitär, also sozusagen „klösterlich“ lebende Familien mit einer gemeinsamen geistlichen Regel, oft auch mit gemeinsamer Kasse und mit Gebetszeiten. Als Vorbild könnte man die Jerusalemer Urgemeinde nehmen, in der die Christen ja auch alles gemeinsam hatten und in der verheiratete und unverheiratete Mitglieder noch nicht in verschiedenen „Ständen“ ausdifferenziert waren.

Es hat im Lauf der Kirchengeschichte einige Versuche gegeben, solche Familiengemeinschaften zu gründen. Meist hatten sie aber keinen Bestand über die erste Generation hinaus. Hingegen bestehen die Gemeinden der aus der Täuferbewegung der Reformationszeit hervorgegangenen Mennoniten, so die Amish in den USA, und Hutterer bis heute und führen ein klares und strukturiertes Gemeinschaftsleben. Man kann sie zwar nicht als „klösterliche“ Familiengemeinschaften bezeichnen, aber sie haben deutlich kommunitäre Elemente.

Im Rahmen der evangelischen Kommunitäten und Geistlichen Gemeinschaften sind seit 1968 zahlreiche Familienkommunitäten entstanden, z. B. der Familienzweig der Jesus-Bruderschaft (ab 1968), die Offensive Junger Christen (1968), die Basisgemeinde Wulfshagener Hütten (1973), die Communität der Koinonia (1962/76), die Familiengemeinschaft der Kommunität Adelshofen (1980), der Christus-Treff mit Jesus-Gemeinschaft in Marburg (1981/83), die Familienkommunität „Siloah“ in Neufrankenroda (1990) und viele andere mehr. Die Besonderheit der Jesus-Bruderschaft besteht darin, dass hier zölibatäre Schwestern und Brüder gemeinsam mit den Familien die eine Bruderschaft formen, die Verheirateten also nicht den Unverheirateten nach- oder nebengeordnet sind. Die Familien leben aus derselben Spiritualität wie die Brüder und Schwestern, haben aber aufgrund ihrer Situation nicht dieselbe Verpflichtung zur Teilnahme an allen Gebetszeiten und führen auch keine gemeinsame Kasse.

Auf katholischer Seite könnte man vielleicht die „Integrierte Gemeinde“ nennen. Auch Schönstatt hat eine Familiengemeinschaft, aber das ist keine gemeinsam lebende Kommunität, sondern ein Zusammenschluss von verstreut lebenden Familien mit gewissen Verbindlichkeiten und einem Einkehrhaus in Vallendar.

Autor: Br. Franziskus Joest, Jesusbruderschaft