Einsiedler-Eremiten

Eremit kommt von griechischen Wort „eremos“ = „Wüste“. Das Kulturland in Ägypten zieht sich lang und schmal links und rechts des Nils entlang. Gleich daneben beginnt übergangslos die Wüste. Dorthin zogen sie sich aus den Städten und Dörfern zurück, um intensiver das Christentum zu leben. Deshalb nennt man sie manchmal auch „Anachoreten“, d. h. „die Zurückgezogenen“. Sie lebten zuerst einzeln in Höhlen oder Hütten.

Als nämlich das Christentum zur Staatsreligion erhoben wurde, ging die Intensität der Verfolgungszeit teilweise verloren. Es bot auf einmal einfach Vorteile, sich zum Christentum zu bekennen. Um die Intensität des Anfangs zurückzugewinnen, zogen sich Männer wie auch Frauen in die Wüste, also aus der damaligen Zivilisation zurück.

Der Beginn des christlichen Ordenslebens in Ägypten und dann in Syrien ist durch diese Einsiedler geprägt. Die Bezeichnung ist allerdings irreführend, denn völlig alleine lebten sie in der Regel nicht. Meist hatte ein erfahrener Eremit, „Vater“, „Altvater“ genannt, einen oder mehr Schüler bei sich. Jeder sollte in erreichbarer Entfernung einen geistlichen Begleiter haben. Häufig bildeten sie auch kleinere oder größere Kolonien.  
Für den Rückzug in die Wüste gab es auch wirtschaftliche Gründe, nämlich die hohe Steuerlast gegen Ende des Römischen Reiches, der sich manche entziehen mussten, weil sie diese nicht tragen konnten.

Eremiten waren und sind ideale Seelsorger. Weit davon entfernt, weltfremd zu sein, entdecken sie in der Einsamkeit, wieviel an „Welt“ in ihnen selbst steckt. Daher ist ihnen nichts Menschliches fremd. Weil sie sich selbst kennen, sehen sie sich nicht imstande jemanden moralisch zu verurteilen. Ein Eremit, der auch in politischen Konflikten um Rat und Vermittlung gebeten wurde, war Nikolaus v.d. Flüe, ein Bauer, der seine Familie verließ und in unmittelbarer Nähe zu seinem früheren Hof in der Innerschweiz als Einsiedler lebte.

Spirituelle und lebenspraktische Regeln

Die Einsiedler sammelten Erfahrungen, die dann in Lebensregeln niedergelegt wurden. Besucher aus dem Westen brachten die Idee des Mönchtums ins Abendland.

Ebenso wie das Eremitentum entwickelte sich in Ägypten die Klostergemeinschaft als Form des Ordenslebens

Das Abendland übernimmt das Mönchtum

Im Westen sind dann eigene Formen des Eremitentums entstanden, meist in der Form, dass die Einsiedler innerhalb eines Klosterareals oder einer kleinen Siedlung jeweils ein kleines Haus für sich haben, zum Stundengebet zusammenkommen, den Tag aber in ihrer kleinen Wohnung verbringe, so die Kartäuser und Kamadulenser

Eremiten gibt es auch Lebensform von Ordensmitgliedern, die zurückgezogen alleine leben, aber im Kontakt mit ihrer Ordensgemeinschaft bleiben.

Eremiten und geweihte Jungfrauen, die keiner Ordensgemeinschaft angehören, legen in die Hände des Diözesanbischofs ihre Gelübde ab, leben in der Stadt oder bei einer Kapelle im Wald.  Viele solcher Eremitagen sind wiederbelebt. Etwa 70 Personen leben heute im deutschsprachigen Raum als Einsiedler oder Einsiedlerin. 

Autor: Br. Franziskus Joest, Jesusbruderschaft