Arbeit im Kloster

In der Antike war Arbeit Sache der Sklaven und der unteren Bevölkerungsschichten. Für die höhergestellten Kreise, aus denen die großen Ordensgründer stammen, Basilius für den Osten, Benedikt für den Westen, war Handarbeit verpönt. Deshalb war es Ausdruck christlicher Askese, sich auch der Handarbeit zu widmen. Basilius schreibt in seiner Regel von der Notwendigkeit der Arbeit:

Auszug aus der Regel des hl. Basilius
Da unser Herr Jesus Christus sagt: „Der Arbeiter „ – nicht einfach jeder, auch nicht der erste Beste – „ist seiner Nahrung wert.“ Math. 10,10, und auch der Apostel (gemeint ist Paulus) zu arbeiten und mit den eigenen Händen Gutes zu tun befiehlt, damit wir den Notleidenden mitzuteilen hätten, so geht daraus klar hervor, dass man fleißig arbeiten muss. Wir dürfen nicht glauben, dass das Ziel des frommen Lebens der Trägheit und der Arbeitsscheu Vorschub leiste. Im Gegenteil, es ist ein Leben des Kampfes, größerer Bemühung und Geduld in der Trübsal.
Was brauche ich noch zu sagen, wie groß das Übel der Trägheit ist, da der Apostel ausdrücklich befiehlt, dass der, der nicht arbeite, auch nicht esse. (2 Thess. 3,10) „Wir haben von keinem umsonst gegessen, sondern in Mühsal und elend Tag und Nacht gearbeitet.“  (2 Thess. 3,8), obwohl ihm als Verkünder des Evangeliums gestattet war, vom Evangelium zu leben. Auch der Herr verbindet Trägheit mit Bosheit, indem er sagt: „Du böser und fauler Knecht.“ (Mt. 25,26)
Weil aber einige unter dem Vorwand des Gebets und des Psalmengesangs die Arbeiten vernachlässigen, so soll man wissen, dass wohl manche anderen Dinge ihre Zeit haben, wie der Prediger sagt: „Jedes Ding hat seine Zeit.“, zum Gebet und zum Psalmengesang sowie zu mehreren Dingen ist jede Zeit geeignet, so dass wir, während die Hände zur Arbeit sich regen, zugleich mit der Zunge, soweit dies möglich und zur Erbauung g des Glaubens nützlich, ist, wo aber nicht, dann im Herzen „durch Psalmen und Hymnen und geistliche Lieder Gott preisen“, wie geschrieben steht (Kol. 3,16), und so während der Arbeit das Gebet verrichten und dem danken, der uns die Kraft der Hände zur Arbeit und die Weisheit des Verstandes zur Erlangung der Kenntnis.“

Die Benediktregel

auch im Westen, wo in Italien der hl. Benedikt eine bis heute lebbare Ordnung entwickelte, kennt den Wechsel von Gebet und Arbeit vor. Die lateinsichen Worte "Ooa et labora" stehen für "Bete udn arbeite". Deshalb verpflichtete Karl d.Gr. die Klöster im Frankenreich, auch die von irischen Mönchen gegründeten, auf diese Regel. Mit den Benediktinerklöstern gelang nach Jahrhunderten der Stagnation der Aufbau der mittelalterlichen Kultur. Zur Arbeit wurden auch die Tätigkeiten in der Schreibstube und im Unterricht gerechnet. Als die Benediktiner über weite Strecken des Tages im Chorgebet verpflichtet waren, reduzierten die Zisterzienser die Gebetszeiten, um wieder der Arbeit Raum zu geben.

Arbeit dient auch dazu, den eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten. Bis heute dienen Landwirtschaft und Gärtnerei, aber auch Näherei, Hostienbäckerei u.a. Tätigkeiten dem Lebensunterhalt der Klöster.
Die in der Krankenpflege, in Heimen und Schulen tätigen Ordensleute tragen durch ihr Gehalt das klösterliche Leben. Eine weitere Einnahmequelle sind Spenden; s. Beitrag über Armut

 

Autor: Dr. Eckhard Bieger SJ