Verklärung Christi 06.08.

In den Evangelien wird berichtet, daß Jesus mit drei Jüngern auf einen Berg ging "und er wurde vor ihren Augen verwandelt, sein Gesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden blendend weiß wie das Licht". (Mt 17,2)

Diese Erfahrung der Jünger Jesu hat in der Bibel einen theologischen Sinn, liegt aber nicht außerhalb des Erfahrungsbereiches des Menschen. Ein anderer Mensch erscheint strahlend, von einem Licht durchdrungen, ohne Begrenztheiten und Entstellungen, es geht etwas Faszinierendes von ihm aus. Solche Erfahrungen beschreiben Liebende, es sind aber auch kollektive Phänomene.

Das Bild des Helden, die Faszination, die von einem Sieger ausgeht, der Star, sind Phänomene, die zum Erfahrungsbereich jeder Generation gehören. Zweifellos hat die Gestalt Jesu für viele etwas Faszinierendes - und steht damit in Konkurrenz zu anderen Menschen, die "verklärt" erscheinen.

Dieses Fest bringt etwas von der Spiritualität der Ostkirchen in den Westen. Dort wurde es seit dem 5. Jahrhundert gefeiert. Im Westen feiert man das Fest seit dem 10. Jahrhundert. Eine mehr historische Ausrichtung der Frömmigkeit im Mittelalter, die an den einzelnen Stationen des Lebens Jesu interessiert ist, fördert die Verbreitung des Festes. 1457 wird das Fest als Dank für den Sieg über die Türken bei Belgrad für die ganze westliche Kirche vorgeschrieben. Das Evangelium von der Verklärung wird auch am 2. Sonntag der Fastenzeit gelesen. Im Abendland hat dieses Fest, anders als in den Ostkirchen, keine Breitenwirkung er­langt. Die Religiosität der Orientalen wird durch die Verklärung Jesu, das Durchschei­nen des Göttlichen, inspiriert, ihre Liturgie und Ikonographie sucht dieses Geheimnis darzustellen. Der Heiligenschein ist in der Sprache der Ikonographie die Darstellung ei­ner Verklärung.

Die Evangelien berichten von verschiedenen Ereignissen, in denen die Stimme Gottes für Je­sus und, nicht in allen Fällen, für die Jünger vernehmbar wird. Während bei der An­kündigung von Jesu Geburt Engel die Botschaft Maria, Joseph und den Hirten bringen und die Magier die Zeichen der Sterne zu deuten wissen, heißt es bei der Taufe Jesu durch Johannes:

 

Und als er (Jesus) aus dem Wasser stieg, sah er, daß der Himmel sich öffnete und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam. Und ei­ne Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.  (Markus 1,10-11)

 

Bei der Verklärung hören die Jünger eine Stimme:

Da erschien eine Wolke und überschattete sie. Und aus der Wolke kam eine Stimme: Dies ist mein geliebter Sohn, auf ihn sollt ihr hö­ren.  (Markus 9,7)

 

Bei den Wunderheilungen wird aus den Reaktionen der Menschen deutlich, daß sie in Jesus den Gesandten Gottes sehen:

"Da gerieten alle außer sich, sie priesen Gott und sagten: So etwas haben wir noch nie gesehen", heißt es im Anschluß an die Heilung des Gelähmten.  (Markus 2,12)

 

"Da ergriff sie große Furcht, und sie sagten zueinander: Was ist das für ein Mensch, daß ihm sogar der Wind und der See gehorchen".  (Markus 4,41)

 

Die Evangelien schildern Jesus als Gesandten Gottes, als Sohn, der zu Gott Vater sagt. Aber die Menschen erkennen in Jesus den Gesandten Gottes nicht, selbst die ei­genen Jünger zweifeln. Nur in einigen Momenten ist es für die Jünger und die Umstehenden unzweifelhaft, wer Jesus ist. Es "scheint durch", daß Jesus von Gott gesandt ist, daß er der erhoffte Mes­sias ist, daß er Gottes Sohn ist.

Im Vergleich dazu wird das Sterben Jesu düster geschildert, Jesus wird wie ein Verbre­cher hingerichtet, er fühlt sich verlassen, sogar von Gott verlassen. Allenfalls die Art, wie er seine Verurteilung, die Mißhandlungen und die Hinrichtung erträgt, weisen ihn als einen Gerechten aus. Als hingerichteter Verbrecher hat Jesus jedoch alles Strah­lende verloren. Aber selbst in dieser Situation erkennt ein Mensch, wer Jesu tatsächlich ist. Es ist kein Jünger, kein Jude, sondern ein Heide.

 

Als der Hauptmann, der Jesus gegenüberstand, ihn auf diese Weise sterben sah, sagte er: Wahrhaft dieser, Mensch war Gottes Sohn.   (Markus 15,41)

 

Die Begegnungen mit dem Auferstandenen überzeugen die Jünger davon, daß Jesus der Messias ist, der Sohn Gottes. Von den Ostererfahrungen her wurden die Evange­lien geschrieben und auch die Verklärung Jesu als Vorahnung der Ostererfahrungen gesehen.

Der verklärte Christus hat wie der Gekreuzigte die Künstler inspiriert.

Autor: Dr. Eckhard Bieger SJ


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