Unbefleckte Empfängnis Marias 8.12.

Wie die Empfängnis Jesu (am 25. März) wird auch die Empfängnis Marias gefeiert. Unbefleckt empfangen ist sie, weil sie aus dem Schuldzusammenhang der Erbsünde von Gott herausgenommen wurde. Die Mutter, die Jesus gebären wird, sollte wie er von jedem Makel der Sünde befreit sein. Wie die Marienverehrung sich überhaupt im Osten entwickelte, so wurde das Fest der Empfängnis Marias zuerst im Osten gefeiert und hieß "Empfängnis der hl. Anna". Der 8. Dezember korrespondiert mit dem älteren Fest, dem 8. September, der Geburt Marias, der wohl durch den Kirchweihtag einer Jerusalemer Kirche zustande gekommen ist.

Obwohl das Fest auf einen biologischen Vorgang hinzudeuten scheint, macht die Kirche über den Ursprung des Lebens Marias eine theologische Aussage. Der Satz "Maria ist unbefleckt empfangen" ist im Kontext der von Augustinus formulierten Erbsündenlehre zu verstehen. Erbsünde heißt, dass der Mensch ohne eigenes Zutun in einen Schuldzusammenhang hinein geboren wird. Die Erbsündenlehre erklärt, warum wir uns nicht wie im Garten Eden fühlen, sondern wie aus einem Paradies Vertriebene. Auf den ersten Seiten der Bibel wird von dem Biss in den Apfel berichtet, der zur Vertreibung aus dem Paradies führte. Die Tourismuswerbung macht uns die Hoffnung, dass wir wenigstens im Urlaub in das Paradies zurückkehren können.

Erlösung besagt, dass Gott nicht nur den Menschen von individueller Schuld und persönlichem Versagen erlöst, sondern ihn aus dem Schuldzusammenhang befreit hat, in den die Menschen seit der Sünde der Stammeltern verstrickt sind. Die Erbsünde beeinflußt den einzelnen von innen her, verführt ihn zu persönlichem Schuldigwerden. Dass Maria von der Erbsünde befreit ist, war unter den Theologen nie kontrovers. Der Gruß des Engels "Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir" (Lukas 1,28) besagte Befreiung von aller Schuld. Umstritten war nur, wann Maria die Befreiung von der Erbsünde erhielt. Wenn die Erbsünde durch den Geschlechtsakt übertragen wird, hat das zur Konsequenz, dass Maria auch mit diesem Makel behaftet war, da sie nicht jungfräulich geboren wurde. Noch im Mittelalter war es unter Theologen strittig, ob Maria von dem Augenblick der Empfängnis an von der Erbsünde befreit war oder erst durch den Gruß des Engels. In den späteren Jahrhunderten setzt sich erstere Auffassung durch, wird aber erst 1854 von Pius IX. nach einer Befragung aller Bischöfe definiert:

„Von Gott ist es offenbart und von allen Gläubigen fest und standhaft zu glauben, daß die seligste Jungfrau Maria im ersten Augenblick ihrer Empfängnis durch ein einzigartiges Gnadenprivileg des allmächtigen Gottes im Hinblick auf die Verdienste Christi, des Erlösers des menschlichen Geschlechts, von jedem Makel der Erbschuld im Voraus bewahrt worden und davon frei gewesen ist.“

Die Vorstellung von der Erbsünde als einem Schuldzusammenhang, in den alle Menschen hineingeboren werden, wird heute nicht mehr als "Begierlichkeit" gesehen, sondern gesellschaftlich interpretiert. Die Umwelt induziert Bosheit, Hass, Egoismus, ihren negativen Einflüssen kann sich kein Mensch entziehen.

Die evangelische Theologie kennt keine herausgehobene Bedeutung Marias. Wenn Luther sagt, dass der Christ zugleich gerecht und sündig ist (simul iustus et peccator), dann gilt das auch für Maria. Sie ist dann nicht die herausragend Erlöste, an der kein Makel ist, sondern sie ist sündig wie alle anderen.

Der 8. Dezember fällt in den Advent, er wird als Fest gefeiert und nicht als Tag der Buße. Ein festliches Hochamt hebt den Tag gegenüber den einfachen Wochentagen des Advents heraus.

Autor: Dr. Eckhard Bieger SJ


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