Narr

Im heutigen Verständnis genießt der Narr eine Sonderrolle und kann sich etwas herausnehmen, was man anderen nicht erlauben würde. Das ist die Figur des Hofnarren, die in den vielen Büttenreden zum Tragen kommt. Dieser muss sich allerdings gefallen lassen, dass auch er verspottet wird. Wenn wir jemanden einen Narren schimpfen, dann steht das für Mangel an Klugheit, für Tölpelhaftigkeit, für keinen Durchblick haben und immer das Falsche tun. Dieser Narr wird auch Tölpel oder Depp genannt. Der Narr im negativen Sinn ist durch die Narrenkappe gekennzeichnet. Seine Kopfbedeckung, die Narrenkappe oder Gugel,  ist nicht die der heutigen Karnevalspräsidien, sondern eine Mütze mit Eselsohren, Hahnenkamm und Schellen. Die schellen weisen darauf hin, dass der Narr unnötigen Lärm macht.

Der Narr im Sinne des Deppen ist der, der nicht über die richtigen Erkenntnisse und Einsichten verfügt, der vom Weg abgekommen ist, der Gott nicht als Heil erkennt. Manche Narren tragen einen Stock mit Narrengesicht, das Narrenzepter, das die eitle Selbstbezogenheit zum Ausdruck bringt. Der Stock hieß früher Marotte, was sich im heutigen Wortgebrauch für „Schrulle“ noch erhalten hat.

Im Zusammenhang mit dem Narrenkostüm und den Masken, die die menschlichen Laster darstellen, kann die Frage geklärt werden, ob es sinnvoll ist, dass die Karnevalskostüme am Karnevalssonntag im Gottesdienst gesegnet werden. Wer den religiösen Gedanken dieses Brauchtums kennt, wird diesen erklären und dann auf den Segen verzichten.

Närrische Ausgelassenheit hat heute einen anderen Sinn. Da die Wiederbelebung des Karnevals gerade im Rheinland im Widerstreit gegen die preußische Herrschaft geschah, haben die von den Karnevalskomitees organisierten Sitzungen einen obrigkeitskritischen Grundton. Wenn aber die Maskenträger verspottet werden, dann gilt der Spott in der mittelalterlichen Deutung der Darstellung der sieben Laster. Für die Hoffart steht der Pfau oder das Pferd, der Neid wird durch den Drachen, der Zorn durch den Löwen, der Geiz durch den Fuchs, die Unkeuschheit durch Bock und Hahn, die Unmäßigkeit durch den Bär oder das Schwein und die Acedia, die Trägheit des Herzens, durch den Esel dargestellt. Der Ursprung des Wortes „Maske“ deutet in die gleiche Richtung. Das Wort heißt im Arabischen Verspottung und Scherz. Masken als Grimassen bedeuten, dass das Verspotten im Karneval nicht nur erlaubt, sondern geboten ist.

In der Neuzeit haben die Kostüme, mit denen man sich in einen Chinesen, einen Indianer, einen Neger verkleidet, diesen Gedanken weitergeführt – sie stellen Feinde des Christentums dar. Ein geflecktes Kostüm weist auf die „Befleckung“ durch die Sünde hin. Ein in zwei Farben geteiltes Kostüm bezeichnet die Verkehrtheit des Narren.

Dieses mittelalterliche Spiel mit Narren, Masken und Tierfiguren scheint auch heute noch im Fastnachtsbrauchtum auf, der Karneval wird aber von den Zeitgenossen anders erlebt: Jeder kann in eine andere Rolle schlüpfen, die üblichen Regeln gelten nicht mehr, Der Unterschied zwischen Oben und Unten ist aufgehoben. Im Mainzer Karneval sitzt die politische Prominenz und lässt sich von den Büttenrednern verspotten, so wie es die Rolle des Narren im fürstlichen Hofstaat war. Prinzen oder das Kölner Dreigestirn sind der närrische Hofstaat, dem im Karneval die Macht gehört. Dass die, die sich sonst wichtig nehmen, derKarneval für eine Zeitlang entthront, ist auch ein christlicher Gedanke.




Kirchenjahr & Brauchtum

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Christopherus 24.07.
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Kartage, Karwoche
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Mutterschaft Mariens
Muttertag
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Neujahr
Nikolaus 6. Dezember
Osterei
Osterkerze und Osterlicht
Osterläuten
Osterlamm
Ostermontag
Ostern
Ostern Wortbedeutung
Osterritt
Ostertermin
Osterwasser und Taufe
Osterzeit
O Antiphonen
Palmsonntag
Pfingstbrauchtum
Pfingsten
Pfingstochse
Pfingstritt
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Roratemessen
Rosenkranzfest
Rosenmontag
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Silvester 31.12.
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