Karneval und Fastnacht

Die Begriffe weisen auf den Ursprung der „Tollen Tage“ hin. Es sind die Nächte vor dem Fasten, das Fleisch wird aus dem Speiseplan „hinweggenommen“ von lateinisch levare und Karne, ebenfalls lateinisch „carnis“ für Fleisch. Ein Motiv für kräftigen Fleischverzehr war auch, dass in der folgenden Fastenzeit gänzlich auf Fleisch verzichtet wurde, so dass möglichst alles aufgegessen werden musste.

Anderes als an Neujahr hat die Karnevalszeit nicht heidnische Ursprünge, sondern ihre Wurzeln in den Klöstern. Dort wurde vor dem Aschermittwoch noch einmal richtig gefeiert. Die Bürger haben das übernommen und der Ausgelassenheit eine regionale Färbung gegeben.

In München hat man die Tradition der italienischen Maskenbälle übernommen, im Rheinland ist der Karneval politisch, der Elferrat erinnert an die Jakobiner, die in der französischen Revolution ein solches Gremium bildeten, um sich bewußt von der Zwölfzahl der Apostel zu unterscheiden. In der „alemannischen Fasenacht“ scheint vorchristliches Brauchtum wieder aufzutauchen. So hat es die Volkskunde vor dem Zweiten Weltkrieg gesehen, die in dem Trend stand, das Germanische von allem Fremden, vor allem Jüdischen zu reinigen, und damit auch von den christlichen Überformungen. Jedoch gibt es das Karnevalsbrauchtum erst seit dem Mittelalter und auch im Südwesten ist erwiesen, dass der Ausgangspunkt die Klöster waren.

 

Die religiöse Formung des Karnevals

Mittelalterliches Denken zeigt sich gerade in den Masken, denn sie stellen die Laster dar und sind damit ein Vorspiel für die Fastenzeit, in der es um die Reinigung von den Sünden und eine vertiefte Distanz gegenüber dem Bösen geht. Im Karneval wird die Welt auf den Kopf gestellt, Wichtigtuerei und Überheblichkeit karikiert, auch das als eine sinnvolle Einstimmung in die Bußzeit vor Ostern. Der Ursprung dieser Vorstellung stammt von Augustinus, der in seinem Gottesstaat eine Zweireiche-Lehre entwirft, das Reich des Bösen, das von Dämonen beherrscht wird, zu denen auch die heidnischen Götter gezählt werden, und das Reich des Sohnes Gottes. Ehe sich die Christen in der Fastenzeit wieder intensiver dem Reich Gottes zuwenden, zeigt ihnen der Karneval die Nichtigkeit des Weltlichen und die Fratzen der Laster.

Tage der Ausgelassenheit gibt es in jeder Kultur. Im Mittelalter hat man eine eigene Symbolik für die Fastnacht entwickelt, die sich bis heute im Alemannischen erhalten hat. Möglicherweise knüpft das Fastnachtstreiben an Frühlingsbrauchtum an. Der Winter wird in Gestalt eines mit Stroh gehüllten Mannes mit Lärm und Peitschen ausgetrieben oder es wird ein Puppe verbrannt. Vielleicht hatten sich auch heidnische Bräuche, wie ein Kelterfest im Monat Februar, erhalten. Der Name dieses Monats geht auf das lateinische Verb „reinigen zurück“, zugleich sollte das Schlagen mit Riemen Fruchtbarkeit bewirken. Masken spielten bei diesen Riten immer eine Rolle.

Das Fastnachtstreiben, durch Einfluss der Klöster auf die Zeit vor den Aschermittwoch gelegt, bot die Möglichkeit, dem Reich des Guten, das in der Fastenzeit zur Herrschaft kommen sollte, das Gegenbild entgegenzuhalten. Schon romanische Kirchen zeigen seltsame Fratzen. Wasserspeier sind als Drachenköpfe geformt, Löwen, Wölfe, Bären und andere Tiere schauen den Kirchgänger bedrohlich an. Diese Tiergestalten sind dem letzten Buch der Bibel, der Offenbarung des Johannes entnommen. Der Drache z.B. stellt der Frau mit dem Kinde nach. Als sie in die Wüste entkommt, speit er ihr einen Wasserstrahl nach. (Kap 12,15). Deshalb haben die Wasserspeier die Gestalt eines Drachenkopfes. Dem Bösen wird eine Gestalt gegeben, damit man sich von ihm abwenden kann. Heute vergegenwärtigen wir uns das Böse in Thrillern und Horrorfilmen.

 

Karneval ist regional

Karnevalsbrauchtum findet sich fast nur in katholischen Gegenden, auch im Südwesten sind es die Orte in den alten Habsburger Besitzungen wie Rottweil, in denen Fastnacht gefeiert wird. Evangelische Gebiete sind deshalb karnevalsresistent, weil zur Zeit der Reformation das Karnevalstreiben solche Ausmaße erreicht hatte, dass die Grenze zur Fastenzeit nicht mehr eingehalten wurde. Das Späte Mittelalter und die Renaissance hatten eine Spaßgesellschaft hervorgebracht. Da die Reformation eine religiöse Neubesinnung forderte, war für die Ausgelassenheit des Karnevals kein Platz mehr.

Der vernunftgeleiteten Aufklärung galt der Karneval nichts für einen „vernünftigen Menschen“, sie versuchte alles religiöse Brauchtum zurückzudrängen. Die Romantik führte zur Wiederbelebung der Fastnacht, 1823 gab es den ersten Karnevalsumzug in Köln, 1825 in Düsseldorf.

 

Die Karnevalszeit wird am 11.1. eröffnet, früher als dieser Tag vor den 40 Tagen der Vorbereitungszeit auf Weihnachten. Nach dem 6. Januar beginnt die Saison, die sich in Sälen und Hallen abspielt. Am Donnerstag vor dem Rosenmontag beginnt der Straßenkarneval. Da man am Freitag, dem Todestag Christi, nicht so feiern konnte, bekommt der Donnerstag eine besondere Rolle. Auch am Samstag wurde nicht gefeiert, denn da gab es früher keine arbeitsfrei, vielmehr mußte für das Wochenende alles wieder vorbereitet werden. Erst wieder am Sonntag und dann in der eigentlichen Fastnacht, am Dienstag ist auf den Straßen Karneval.

Der Karneval endet mit dem Aschermittwoch, dann legen die Prinzen, Prinzessinnen und das Kölner Dreigestirn ihre Herrschaft nieder.




Kirchenjahr & Brauchtum

1. Mai und Monat Mai
Adam und Eva 24.12.
Adventsbrauchtum
Adventskalender
Adventskranz
Adventszeit
Advent 1: Wiederkunft Christi
Advent 2: Blick auf Weihnachten
Allerheiligen 1.11.
Allerseelen 2.11.
Aschenkreuz
Aschermittwoch
Barbara und Lucia
Berg Karmel
Bescherbaum
Bitttage
Blasiussegen 03.02.
Buß- und Bettag
Chanukka u. Weihnachten
Christi Himmelfahrt
Christkönig
Christopherus 24.07.
Darstellung des Herrn
Dreifaltigkeitssonntag
Dreikönige 06.01.
Erntedank
Fastenzeit
Frautragen
Fronleichnam
Gründonnerstag
Halloween
Heilige Familie
Herbergssuche
Herz Jesu Fest
Herz Maria
Himelskreislauf-Zodiakus
Hochzeit zu Kana
Hundstage 23.07. – 24.08.
Jahreskreis
Jakobus der Ältere 25.07.
Jerusalemer Marienfest
Johannes, Apostel 27.12.
Johannes d. T. 24.06.
Josefstag, 19. März
Karfreitag
Karneval und Fastnacht
Kartage, Karwoche
Kirchweihfest und Kirmes
Kreuzerhöhung 14.09.
Krippe
Krippenspiele
Lichtmess 02.02.
Lourdes Gedenktag
Mariä Heimsuchung
Mariä Verkündigung
Maria Geburt
Maria Himmelfahrt 15.08.
Maria Königin
Maria Namen
Maria Schnee
Martinstag 11.11.
Michael, Gabriel, Rafael 29.09.
Mutterschaft Mariens
Muttertag
Narr
Neujahr
Nikolaus 6. Dezember
Osterei
Osterkerze und Osterlicht
Osterläuten
Osterlamm
Ostermontag
Ostern
Ostern Wortbedeutung
Osterritt
Ostertermin
Osterwasser und Taufe
Osterzeit
O Antiphonen
Palmsonntag
Pfingstbrauchtum
Pfingsten
Pfingstochse
Pfingstritt
Reformationstag 31.10.
Roratemessen
Rosenkranzfest
Rosenmontag
Schmerzen Marias
Silvester 31.12.
Stephanstag 26.12.
Taufe Jesu
Thanksgiving
Totensonntag
Unbefleckte Empfängnis Marias 8.12.
Unschuldige Kinder 28.12.
Valentinstag
Verklärung Christi 06.08.
Verkündigung des Herrn 25.03.
Weiberfastnacht
Weihnachten
Weihnachten n. Lukas
Weihnachten n. Matth.
Weihnachtsbaum
Weihnachtsfeiern
Weihnachtsgeschenke
Weihnachtslieder
Weihnachtsstollen
Weißer Sonntag
Weltgebetstag der Frauen
Weltgebetswoche für die Einheit der Christen


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