Fronleichnam

am zweiten Donnerstag nach Pfingsten

 

Das Wort zeigt schon an, dass das Fest im Mittelalter entstanden ist. vron, fron bedeutet Herr, heilig, hehr; lichnam: hat die entgegengesetzte Bedeutung von Leichnam: lebender Leib. Verehrt wird der Leib Jesu in der Gestalt des Brotes. In großen theologischen Auseinandersetzungen hatte das Mittelalter darum gerungen, wie die Gegenwart des auferstandenen Jesus im Brot zu verstehen ist. In Legenden von sog. Hostienfreveln hat sich die Auseinandersetzungen ebenfalls niedergeschlagen. Als das Fest im 13. Jahrhundert entstand, hat der große Theologe Thomas v. Aquin die Hymnen und andere Texte für das Fest verfaßt. Die Reformatoren haben dieses Fest abgelehnt, Luther bezeichnete es als das „allerschädlichste Jahresfest“, da es anders als Ostern und Pfingsten nicht auf einen biblischen Bericht zurückgeführt werden kann. So ist Fronleichnam zu einem katholischen Fest geworden, das durch die Prozession zur Demonstration des katholischen Glaubens wurde.

 

Entstehung des Festes

Die Gestalt der Prozession zeigt, dass eine der Wurzeln des Festes die Stadt- und Flurumgänge sind, denn traditionell hält die Prozession an vier Altären an, so dass die vier Himmelsrich­tungen berücksichtigt werden. An jedem Altar wird mit der Monstranz, in der das heilige Brot getragen wird, ein Segen erteilt. Da die Vierzahl auch auf die vier Evangelien hinweist, wird an den Altären jeweils aus einem anderen Evangelium vorgelesen.

Die andere Wurzel des Festes ist die Verehrung des eucharistischen Brotes, der Hostie, die sich im Mittelalter entwickelte. Aufgrund einer Vision der hl. Juliana von Lüttich wurde das Fest dort im Jahr 1246 eingeführt. Sie hatte 1209 eine Vision von der Scheibe des Vollmondes, Symbol für die Kirche. Ein schwarzer Fleck zeigte das Fehlen eines Festes zu Ehren der Eucharistie an. Der aus Lüttich stammende Papst Urban IV. führte das Fest 1264 für die ganze Kirche ein. Die erste Prozession wurde in Köln 1279 durchgeführt. Die schnelle Verbreitung des Festes zeigt, wie es der Frömmigkeit des Hochmittelalters Ausdruck verliehen hat. Auch der Barock und das 19. und 20. Jahrhundert feierten Fest und Prozession mit großer Intensität.

 

Eine Frömmigkeit des Schauens

Eine Wurzel des Festes ist ein Mentalitätswandel, der mit der Entwicklung der Gotik einhergeht. Im 12. Jahrhundert veränderte sich die Frömmigkeit. Die Reformbewegung, die von den Klöstern Cluny und Citeaux in Burgund ausgingen, das Aufblühen der mittelalterlichen Theologenschulen, die Gründung des Franziskaner- und Dominikanerordens sind äußere Anhaltspunkte für eine Intensivierung des religiösen Lebens. Die Gotik zeigt, dass sich auch die Frömmigkeit selbst veränderte. Die Gotik hat die Räume nicht nur höher gebaut als die Romanik, sie hat anstelle des Mauerwerks Fenster eingesetzt. Das war nicht eine langsame Entwicklung, sondern die erste gotische Kirche, St. Denis im Norden von Paris, hatte bereits große bunte Glasfenster. Die Menschen wollten „sehen“, das himmlische Licht und die von diesem erleuchteten biblischen Erzählungen und Heiligendarstellungen. Wenn man Gott „sehen“ wollte, mußte man die Hostie sehen, denn in dem Brot ist Christus gegenwärtig. Das Geheimnis dieser Gegenwart wird durch die Menschwerdung ermöglicht, aber in der Hostie ist Christus nicht als der Jesus von Nazareth gegenwärtig, sondern als der Auferstandene, dessen Leib nicht mehr zu der materiellen Welt gehört, sondern eine andere Daseinsform hat, eine himmlische. Der Akzent verschob sich vom Essen auf das Schauen der Hostie. Bei der Messfeier begannen die Priester, die Hostie so hoch über ihren Kopf zu heben, dass alle Gläubigen sie sehen konnten. Die Frömmigkeit des Schauens verstärkte sich so sehr, dass Menschen von Kirche zu Kirche wanderten, nur um möglichst oft die erhobene Hostie zu sehen, ohne an dem Gottesdienst von Anfang bis Ende teilzunehmen. Der Augenblick wurde dann festgehalten, indem die Hostie in eine Monstranz ausgestellt und verehrt wurde, eine bis heute für die katholische Frömmigkeit typische Andacht.

Die Verbindung der Verehrung der Hostie mit den Stadt- und Flurumgängen führte dann zur Form des Fronleichnamsfestes.

 

Die Gegenwart Christi in Brot und Wein

Die theologische Deutung dieser Gegenwart muß zwei Aspekte in Beziehung setzen.

  1. Christus ist wirklich in dem Brot gegenwärtig, denn im Abendmahlssaal hatte er am Vorabend den Jüngern das Brot mit den Worten gereicht „Das ist mein Leib“ und den Kelch mit den Worten „Das ist mein Blut“. Die Jünger Jesu haben dieses Mahl mit diesen Worten Jesu gefeiert. Der älteste überlieferte Text, der 1. Korintherbrief  beschreibt in Kapitel 11 dieses Mahl als selbstverständliche Praxis der Gemeinden (s. Gründonners­tag).
  2. Zugleich bleiben Brot und Wein in ihrer Gestalt erhalten. Der Versuch, von einer Wandlung des Brotes in reales Fleisch und reales Blut zu interpretieren, musste scheitern. Die Philosophie des Aristoteles, die über die arabischen Gelehrten aus Spanien ins Abendland gelangte, bot eine Möglichkeit, beide Aspekte zu verbinden. Aristoteles unterscheidet die äußere Erscheinungsform und die eigentliche Substanz, die man nicht sehen kann. So wurde die Wandlung des Brotes in den Leib, des Weines in das Blut Jesu als Transsubstantiation erklärt. Die äußere Erscheinungsform bleibt, die Substanz wird verändert, in eine andere Substanz verwandelt. Der Hymnus des Thomas von Aquin beschreibt diesen Begriff, der sonst für viele nur abstrakt bliebe:

      Das Geheimnis laßt uns künden, das uns Gott im Zeichen bot:
      Jesu Leib für unsre Sünden hingegeben in den Tod
      Jesu Blut, in dem wir finden Heil und Rettung aus der Not......
      Gottes Wort, ins Fleisch gekommen, wandelt durch sein Wort den Wein
      und das Brot zum Mahl der Frommen, lädt auch die Verlornen ein;
      Der Verstand verstummt beklommen, nur das Herz begreift`s allein ....

Damit hat das Mittelalter eine alte Sehnsucht der Menschen aufgegriffen. Die Gegenwart des Göttlichen in der menschlichen Welt ist eine Idee, die nicht erst die Christen entwickelt haben. Die Religionen haben dieser Idee verschiedene Ausdrucks­formen gegeben:

Die Anwesenheit Gottes in einem Tempel, in einem Tier, im Blitz und Donner, im Ora­kelspruch, im heiligen Stein in Mekka.

 

Gestaltungselemente:

Das Herumtragen des eucharistischen Brotes ist als Segenshandlung zu verstehen. Die Stadt, die Felder werden gesegnet. Die Prozession wurde und wird als öffentliche Ver­anstaltung gesehen, die das Gemeinwesen betrifft, als religiöse Handlung am Gemein­wesen, das daher auch für die Ausrichtung der Prozession mit Sorge trägt.
Die Monstranz wird von einem Tuch geschützt, das auf vier Stöcken ausgespannt ist, die von vier Männern getragen werden. Ein solcher Baldachin ist auch ein Ehrenzeichen, er wird an vielen Orten „Himmel“ genannt

In der Prozession werden Fahnen, Bilder, Reliquien, Figuren mitgetragen, die früher auf Zünfte verteilt waren. Teilweise wird in den Bildern die ganze Heilsgeschichte darge­stellt.

 

Gestaltung der Prozession

Der Prozessionsweg wird geschmückt, vor allem durch Blumen, die die Anwohner des Prozessionsweges in die Fenster und Türen stellen. An einigen Orten werden Blumen auf der Straße zu Teppichen komponiert.

Bilder und Fahnen säumen den Prozessionsweg und werden mit getragen.

Die Prozession ist wie die Wallfahrt ein Ausdruck der Frömmigkeit, zumal gebetet und gesungen wird. Sie spiegelt eine Dimension der Existenz, nämlich dass der Mensch unterwegs ist.

In der Ausgestaltung der Prozessionen ist der ganze Formenreichtum des späten Mit­telalters und des Barock eingegangen. Ähnlich wie in der Zeit der Aufklärung gab es auch in den letzten Jahren große Vorbehalte gegenüber der Prozession. Oft wurde nur noch eine Messe im Freien gehalten.

Die Prozession wurde in der Weise fortgeführt, dass die einzelnen Gemeinden aus den Stadtteilen zu einem zentralen Gottesdienstort ziehen, die Prozession also der Messe vorgelagert ist.   

Im Zusammenhang mit dem Fronleichnamsfest können auch die "Eucharistischen Kon­gresse" gesehen werden. Sie entwickelten sich in Frankreich aus eucharistischen Wallfahrten. 1881 fand der erste in Lille statt. Die Kongresse, es gibt nationale und in­ternationale, werden jeweils unter ein Thema gestellt und finden alle zwei Jahre statt.

Im Zusammenhang mit dem Fronleichnamsfest und den eucharistischen Kongressen ist die Thematik Brot und Hunger aufgegriffen worden, das Ernstnehmen des Hungers; die Verheißung, dass alle körperlich und seelisch gesättigt werden, als reale Utopie.




Kirchenjahr & Brauchtum

1. Mai und Monat Mai
Adam und Eva 24.12.
Adventsbrauchtum
Adventskalender
Adventskranz
Adventszeit
Advent 1: Wiederkunft Christi
Advent 2: Blick auf Weihnachten
Allerheiligen 1.11.
Allerseelen 2.11.
Aschenkreuz
Aschermittwoch
Barbara und Lucia
Berg Karmel
Bescherbaum
Bitttage
Blasiussegen 03.02.
Buß- und Bettag
Chanukka u. Weihnachten
Christi Himmelfahrt
Christkönig
Christopherus 24.07.
Darstellung des Herrn
Dreifaltigkeitssonntag
Dreikönige 06.01.
Erntedank
Fastenzeit
Frautragen
Fronleichnam
Gründonnerstag
Halloween
Heilige Familie
Herbergssuche
Herz Jesu Fest
Herz Maria
Himelskreislauf-Zodiakus
Hochzeit zu Kana
Hundstage 23.07. – 24.08.
Jahreskreis
Jakobus der Ältere 25.07.
Jerusalemer Marienfest
Johannes, Apostel 27.12.
Johannes d. T. 24.06.
Josefstag, 19. März
Karfreitag
Karneval und Fastnacht
Kartage, Karwoche
Kirchweihfest und Kirmes
Kreuzerhöhung 14.09.
Krippe
Krippenspiele
Lichtmess 02.02.
Lourdes Gedenktag
Mariä Heimsuchung
Mariä Verkündigung
Maria Geburt
Maria Himmelfahrt 15.08.
Maria Königin
Maria Namen
Maria Schnee
Martinstag 11.11.
Michael, Gabriel, Rafael 29.09.
Mutterschaft Mariens
Muttertag
Narr
Neujahr
Nikolaus 6. Dezember
Osterei
Osterkerze und Osterlicht
Osterläuten
Osterlamm
Ostermontag
Ostern
Ostern Wortbedeutung
Osterritt
Ostertermin
Osterwasser und Taufe
Osterzeit
O Antiphonen
Palmsonntag
Pfingstbrauchtum
Pfingsten
Pfingstochse
Pfingstritt
Reformationstag 31.10.
Roratemessen
Rosenkranzfest
Rosenmontag
Schmerzen Marias
Silvester 31.12.
Stephanstag 26.12.
Taufe Jesu
Thanksgiving
Totensonntag
Unbefleckte Empfängnis Marias 8.12.
Unschuldige Kinder 28.12.
Valentinstag
Verklärung Christi 06.08.
Verkündigung des Herrn 25.03.
Weiberfastnacht
Weihnachten
Weihnachten n. Lukas
Weihnachten n. Matth.
Weihnachtsbaum
Weihnachtsfeiern
Weihnachtsgeschenke
Weihnachtslieder
Weihnachtsstollen
Weißer Sonntag
Weltgebetstag der Frauen
Weltgebetswoche für die Einheit der Christen


Impressum