Christi Himmelfahrt

Dieses Fest wird entsprechend der Notiz in der Apostelgeschichte seit dem 4. Jahrhundert am 40. Tag nach Ostern gefeiert. Dort heißt es:
„Ihnen hat er nach seinem Leiden durch viele Beweise gezeigt, dass er lebt; vierzig Tage hindurch ist er ihnen erschienen und hat vom Reich Gottes gesprochen.“ Apostelgeschichte 1,3. Die Zahl 40 galt als heilig, die Zahl 50 leitet sich von den 7 Wochen ab, die das jüdische Pfingstfest vom Paschafest trennte. Die Zählung kommt so zustande, dass der 1. Tag mitgezählt wurde.

Der auferstandene Jesus von Nazareth lebt nicht wie vorher unter den Menschen, so als sei er reanimiert worden. Er gibt sich zu erkennen, aber entzieht sich auch wieder. Die Auferweckung von den Toten beinhaltet für die Jünger Jesu, dass Jesus zum Herrn eingesetzt ist, zum Herrn über den Tod, über die Welt überhaupt, dass er die Mächte des Bösen, die den Tod bringen, besiegt hat. Derjenige, der Jesus zum Herrn (Kyrios) eingesetzt und auferweckt hat, ist Gott selbst. Er handelt an Jesus und durch ihn an der Welt. Die Christen greifen zum Verständnis dieser Zusammen­hänge auf alttestamentliche Texte zurück. Zugleich ist der Verweis auf das Alte Te­stament ein Beweis für die Messianität Jesu, denn die Verheißungen sind in ihm er­füllt.

 

                   Den Beschluß des Herrn will ich kundtun.

                   Er sprach zu mir: "Mein Sohn bist du, heute

                   habe ich dich gezeugt. Fordere von mir, und

                   ich gebe dir die Völker zum Erbe, die Enden

                   der Erde zum Eigentum." (Ps 2,7-8; Apg 13,33)

 

                   So spricht der Herr zu meinem Herrn:

                   "Setze dich mir zur Rechten, und ich lege

                   dir deine Feinde als Schemel unter die Füße.

                   Vom Sion strecke der Herr das Zepter deiner

                   Macht aus. Herrsche inmitten deiner Feinde."

                   (Ps 110,1; Apg 2,34)

 

Im Epheserbrief wird auf Psalm 68,19 verwiesen:

                   Aber jeder von uns empfing die Gnade in

                   dem Maß, wie Christus sie ihm geschenkt

                   hat. Deshalb heißt es: Er stieg hinauf zur

                   Höhe und erbeutete Gefangene, er gab den

                   Menschen Geschenke. (Eph 4,7-8)

 

Dass Jesus beim Vater ist, wird an verschiedenen Stellen des Neuen Testamentes gesagt, u.a. in zwei alten Hymnen, die in Briefen zitiert werden, so im Philipperbrief 2,8-11)

 

Die Erhöhung Jesu wird in den verschiedenen Texten als Faktum ausgesagt, nicht jedoch beschrieben. Erst Lukas schildert die Erhöhung als Himmelfahrt, er gestaltet die Aussage von der Erhöhung als ein Geschehen, das sich vor Zeugen abspielt, und zwar sowohl in seinem Evangelium (Lk 24,50-53) als auch ausführlicher in der Apostelgeschichte (1,4-14).

Himmelfahrtsvorstellungen waren der damaligen Zeit nicht fremd. Es gab außerhalb der jüdischen Religion und in der zeitgenössischen jüdischen Literatur Berichte von der Reise einer Seele durch den/die Himmel. Bereits im Alten Testament wird die Entrückung des Elias in den Himmel (2 Könige 2,1-18) und des Henoch (Gen 5,24) berichtet. Lukas hat diese Modellvorstellung der "Entrückung", nicht die der "Himmelsreise", auf Jesus angewandt.

 

Einen Abschluß der Begegnungen Jesu mit den Jüngern kennt auch das Matthäuse­vangelium (28,16-20). Jesus begegnet den Jüngern auf einem Berg in Galiläa. Sie fallen vor ihm nieder (vgl. Lk 24,52). Die Begegnung und damit auch das Matthäuse­vangelium schließen mit dem Missionsauftrag.

 

Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern, tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befol­gen, was ich euch geboten habe. Seid gewiß: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.

 

Auch bei Lukas steht der Missionsauftrag im Mittelpunkt der Berichte.

 

Und in seinem Namen wird man allen Völkern, angefangen in Jerusalem, verkünden, sie sollen umkehren, damit ihre Sünden vergeben werden. Ihr seid Zeugen dafür. (Lk 24,47f)

 

Aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde. (Apg 1,8)

 

Die Darstellung der Entrückungsszene durch Lukas ist von den Zeitgenossen nicht so gegenständlich verstanden worden wie in späteren Jahrhunderten. Die Wolke, mit der Jesus den Blicken der Jünger entzogen wird, ist symbolisch gemeint (vgl. die Wolke, in der Jahwe den Israeliten bei der Flucht aus Ägypten voraus zog Ex 13,21; 14,19). Die beiden Männer, die den Aposteln das Geschehen erklären, sind nicht realistisch zu verstehen, sondern sind sogenannte Deute-Engel, die zur Interpretation des Geschehens eingeführt werden.

 

Die Aussage des Himmelfahrtstages "Jesus ist von Gott erhöht und ist bei Gott, er ist der Herr des Kosmos und auf ihn hin läuft die Zeit", ist für den Menschen heute nur schwer aus den Berichten herauszulesen und noch schwerer nachzuvollziehen. Dass der Kosmos eine begrenzte Einheit ist, die von Gott getragen, umspannt wird, dass der Kosmos auf einen hingeordnet ist, kann mit der Vorstellung eines Weltalls mit unzähli­gen Milchstraßen­systemen kaum noch in Einklang gebracht werden.

 

Dass sich die Christen dem Kyrios Jesus lieber unterwarfen als dem Kaiser, gilt sicher auch heute noch für viele. Dass dieser Kyrios aber Herr des Kosmos und der Geschichte ist, dieser Glaube ist zumindest durch die Geschichte der Neuzeit in Frage gestellt. Die Kräfte, die die Geschichte bewegen, sind nicht auf Christus zurückzuführen. So finden wir heute eher Zugang zu dem leidenden Christus, der sich für die Armen und Entrech­teten einsetzt, der nicht auf die Kräfte dieser Welt vertraut, der Unrecht erleidet. Der tri­umphierende Christus, der in vielen Jahrhunderten die Herzen der Menschen bewegte, ist uns eher fremd geworden. Zu dem in der Bibel überlieferten Christusbild gehören je­doch beide Seiten. Die Tradition ist für das Christusbild der jeweiligen Epoche ein Kor­rektiv. Jesus ist der Knecht Gottes, der geschlagen wird für die Vergehen der Men­schen und der Auferstandene, der über das Böse triumphiert. Den Anhänger Jesu, die seine Zeugen sind, werden keine be­sonderen Machtmittel in die Hand gegeben. Die Mission proklamiert Jesus, den Ge­kreuzigten und Auferstandenen bis an die Enden der Erde. Allein der Beistand des Geistes sichert dieses Werk.

 

Brauchtum

Die biblischen Berichte von der Himmelfahrt haben dazu angeregt, die Vorgänge bild­haft umzusetzen. So gab es eine Prozession als Erinnerung daran, dass Jesus mit den Jüngern zur Stadt hinausgezogen ist. In einigen Kirchen wurde ein Christusbild zur Decke hochgezogen. Als Zeichen dafür, dass Jesus nicht mehr bei den Jüngern weilt, wurde die Osterkerze nach dem Evangelium gelöscht. Heute bleibt die Osterkerze in den meisten Kirchen bis zum Advent im Chorraum stehen.

 

Vatertag

Die Wurzeln der heutigen Umzüge der Männer leiten sich von Flurumgängen her, die Segen zu den Feldern bringen sollten. (s. Bitttage). Eine weitere Wurzel für diese Männerausflüge findet sich in der Lesung des Himmelfahrtstages, nämlich der Gang der Jünger zum Ölberg, von wo Jesus durch eine Wolke ihren Blicken entzogen wurde. Der ursprüngliche Sinn des Ganges am Himmelfahrtstag ging schon im Mittelalter verloren. Der Alkohol rückte nicht erst in den letzten Jahrzehnten in den Vordergrund. Durch die Einführung des Muttertags 1908 lag es nahe, die Umgänge des Himmelfahrtstages, die keinen rechten Sinn mehr vermittelten, zu dem Vatertag umzuwidmen.

Autor: Dr. Eckhard Bieger SJ


Kirchenjahr & Brauchtum

1. Mai und Monat Mai
Adam und Eva 24.12.
Adventsbrauchtum
Adventskalender
Adventskranz
Adventszeit
Advent 1: Wiederkunft Christi
Advent 2: Blick auf Weihnachten
Allerheiligen 1.11.
Allerseelen 2.11.
Aschenkreuz
Aschermittwoch
Barbara und Lucia
Berg Karmel
Bescherbaum
Bitttage
Blasiussegen 03.02.
Buß- und Bettag
Chanukka u. Weihnachten
Christi Himmelfahrt
Christkönig
Christopherus 24.07.
Darstellung des Herrn
Dreifaltigkeitssonntag
Dreikönige 06.01.
Erntedank
Fastenzeit
Frautragen
Fronleichnam
Gründonnerstag
Halloween
Heilige Familie
Herbergssuche
Herz Jesu Fest
Herz Maria
Himelskreislauf-Zodiakus
Hochzeit zu Kana
Hundstage 23.07. – 24.08.
Jahreskreis
Jakobus der Ältere 25.07.
Jerusalemer Marienfest
Johannes, Apostel 27.12.
Johannes d. T. 24.06.
Josefstag, 19. März
Karfreitag
Karneval und Fastnacht
Kartage, Karwoche
Kirchweihfest und Kirmes
Kreuzerhöhung 14.09.
Krippe
Krippenspiele
Lichtmess 02.02.
Lourdes Gedenktag
Mariä Heimsuchung
Mariä Verkündigung
Maria Geburt
Maria Himmelfahrt 15.08.
Maria Königin
Maria Namen
Maria Schnee
Martinstag 11.11.
Michael, Gabriel, Rafael 29.09.
Mutterschaft Mariens
Muttertag
Narr
Neujahr
Nikolaus 6. Dezember
Osterei
Osterkerze und Osterlicht
Osterläuten
Osterlamm
Ostermontag
Ostern
Ostern Wortbedeutung
Osterritt
Ostertermin
Osterwasser und Taufe
Osterzeit
O Antiphonen
Palmsonntag
Pfingstbrauchtum
Pfingsten
Pfingstochse
Pfingstritt
Reformationstag 31.10.
Roratemessen
Rosenkranzfest
Rosenmontag
Schmerzen Marias
Silvester 31.12.
Stephanstag 26.12.
Taufe Jesu
Thanksgiving
Totensonntag
Unbefleckte Empfängnis Marias 8.12.
Unschuldige Kinder 28.12.
Valentinstag
Verklärung Christi 06.08.
Verkündigung des Herrn 25.03.
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Weihnachten n. Matth.
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Weißer Sonntag
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