Allerheiligen 1.11.

Im Monat November erinnern wir uns an die Toten. Der Volkstrauertag zum Gedächtnis der Toten der Weltkriege, sowie der von den evangelischen Christen begangene Totensonntag machen diesen Monat zum Monat der Toten. Am Beginn des Monats feiert die katholische Kirche erst einmal mit Allerheiligen ein Fest, ehe sie sich den eher dunklen Seiten des Todes zuwendet. Während der Allerseelentag am 2. November dem Gedächtnis der Verstorbenen gilt, die noch nicht im Himmel sind, ehrt Allerheiligen diejenigen, die das Angesicht Gottes im Himmel schauen, denen aber kein Heiligenfest gewidmet ist.

Ehe das Christentum Anerkennung im römischen Reich fand, setzten viele Christen ihr Leben für den Glauben ein. Das "Glaubenszeugnis", wie es die Christen nennen, führte zu dem Begriff Märtyrer, griechisch "Zeuge". Der Glaubenstod galt und gilt als unmittelbarer Weg zur endgültigen Erlösung. Der Märtyrer ist bei Gott. Sein Sterbetag gilt als Geburtstag für das ewige Leben. Neben den Gedenktagen einzelner Märtyrer gab es schon im 4. Jahrhundert im Orient ein Gedächtnis aller Märtyrer. Das Datum ist unterschiedlich in den verschiede­nen Kirchen. Der 13. Mai, der Sonntag nach Pfingsten sowie der Freitag nach Ostern werden als Gedächtnistage überliefert. In Rom wurde anfangs der 13. Mai als Gedächtnistag aller Märtyrer übernommen. An diesem Tag wurde im Jahr 609 oder 610 das heidnische Pantheon zur Kirche zu Ehren der "Jungfrau Maria und aller Märtyrer" umgewidmet. Der 1. November ist im 9. Jahrhundert durch Ludwig den Frommen im Frankenreich eingeführt worden. Dieser Festtermin hatte sich in Irland entwickelt, wohl im Zusammenhang damit, dass der 1.11. der Beginn des Winters und damit auch des neuen Jahres war. Daher erklärt sich Halloween am Vorabend des 1. November, so wie Silvester vor dem 1. Januar durch Ausgelassenheit geprägt ist.

Allerheiligen ist in seiner Aussage auf Ostern bezogen. Es ist kein Tag des Totengedächtnisses, sondern feiert das neue Leben, in das die Heiligen gelangt sind und das allen Christen verheißen ist. Die Heiligen werden als zur Kirche zugehörig betrachtet. Man spricht von der trium­phierenden, der himmlischen Kirche und der pilgernden Kirche hier in dieser Welt. Beide bilden im Glaubensverständnis die eine Kirche. Diese wird an Allerheiligen gefeiert. Die Litur­gie ist durch zwei Texte geprägt, die dem Tag einen besonderen Charakter verlei­hen. Es werden aus der Geheimen Offenbarung das 7. Kapitel und aus dem Matt­häusevangelium die Seligpreisungen gelesen (Mt 5,1-11). Der bildhafte Text von den Engeln, die die Erlösten in weißen Gewändern in den Himmel geleiten, zeigt die Vollendung, in die diese Menschen aufgenommen sind:

 

Dann sah ich: eine große Schar aus allen Nationen und Stäm­men, Völkern und Sprachen; niemand konnte sie zählen. Sie standen in weißen Gewändern vor dem Thron und vor dem Lamm und trugen Palmzweige in ihren Händen. Sie riefen mit lauter Stimme: Die Rettung kommt von unserem Gott, der auf dem Thron sitzt, und von dem Lamm! Und alle Engel standen rings um den Thron, um die Ältesten und die vier Wesen. Sie fielen vor dem Thron auf ihr Angesicht nieder, beteten Gott an und sprachen: Amen, Lobpreis und Herrlichkeit, Weisheit und Dank, Ehre und Macht und Stärke unserem Gott in Ewigkeit! Amen. Da sprach ei­ner von den Ältesten zu mir und fragte mich: Wer sind diese, die weiße Gewänder tragen, und woher sind sie gekommen? Ich er­widerte ihm: Du, mein Herr, weißt es. Und er sprach zu mir: Das sind jene, die aus der großen Drangsal kommen; sie haben ihre Kleider gewaschen und im Blut des Lammes weiß gemacht. (Offb 7,9-14)

 

Als zweite Lesung werden die Seligpreisungen gewählt, die die Kernaussagen Jesu über eine christliche Lebensführung beinhalten.

Selig, die arm sind vor Gott, denn ihnen gehört das Himmelreich,

Selig die Barmherzigen, denn sie werden Erbarmen finden. (Mt 5,3; 7)

 

In der religiösen Praxis der Katholiken ist das Gedächtnis der Verstorbenen, das erst am Allerseelentag begangen wird, dennoch Inhalt des Allerheiligentages: Der Be­such auf dem Friedhof.

Der Messe wird für die Befreiung aus dem Fegfeuer eine große Wirkung zuge­schrieben. Die Vorstellung ist, daß die "Armen Seelen" im Fegfeuer selbst ihre Si­tuation nicht verändern können, sondern auf die Hilfe der Christen angewiesen sind, ist dabei leitend. Diejenigen, deren Leben noch nicht durch den Tod abgeschlossen ist, können noch handeln.

Zum Totengedächtnis gehört der Besuch auf dem Friedhof, meist schon am Allerheiligentag. Die Gräber werden ge­schmückt, es werden brennende Lichter auf die Gräber gesetzt.

 

Mit dem Allerheili­gentag endet der Sommer und beginnt der Winter. In der Zeit um Allerheiligen und Allerseelen haben nach dem Volksglauben die Seelen freie Tage, sie können das Fegefeuer verlassen; sie machen sich als kleine Flämmchen bemerkbar, in machen Gegenden erhalten sie Speisen. Die Lichter auf den Gräbern sollen die Seelen anlocken, damit sie ihre Körper finden.

Autor: Dr. Eckhard Bieger SJ


Kirchenjahr & Brauchtum

1. Mai und Monat Mai
Adam und Eva 24.12.
Adventsbrauchtum
Adventskalender
Adventskranz
Adventszeit
Advent 1: Wiederkunft Christi
Advent 2: Blick auf Weihnachten
Allerheiligen 1.11.
Allerseelen 2.11.
Aschenkreuz
Aschermittwoch
Barbara und Lucia
Berg Karmel
Bescherbaum
Bitttage
Blasiussegen 03.02.
Buß- und Bettag
Chanukka u. Weihnachten
Christi Himmelfahrt
Christkönig
Christopherus 24.07.
Darstellung des Herrn
Dreifaltigkeitssonntag
Dreikönige 06.01.
Erntedank
Fastenzeit
Frautragen
Fronleichnam
Gründonnerstag
Halloween
Heilige Familie
Herbergssuche
Herz Jesu Fest
Herz Maria
Himelskreislauf-Zodiakus
Hochzeit zu Kana
Hundstage 23.07. – 24.08.
Jahreskreis
Jakobus der Ältere 25.07.
Jerusalemer Marienfest
Johannes, Apostel 27.12.
Johannes d. T. 24.06.
Josefstag, 19. März
Karfreitag
Karneval und Fastnacht
Kartage, Karwoche
Kirchweihfest und Kirmes
Kreuzerhöhung 14.09.
Krippe
Krippenspiele
Lichtmess 02.02.
Lourdes Gedenktag
Mariä Heimsuchung
Mariä Verkündigung
Maria Geburt
Maria Himmelfahrt 15.08.
Maria Königin
Maria Namen
Maria Schnee
Martinstag 11.11.
Michael, Gabriel, Rafael 29.09.
Mutterschaft Mariens
Muttertag
Narr
Neujahr
Nikolaus 6. Dezember
Osterei
Osterkerze und Osterlicht
Osterläuten
Osterlamm
Ostermontag
Ostern
Ostern Wortbedeutung
Osterritt
Ostertermin
Osterwasser und Taufe
Osterzeit
O Antiphonen
Palmsonntag
Pfingstbrauchtum
Pfingsten
Pfingstochse
Pfingstritt
Reformationstag 31.10.
Roratemessen
Rosenkranzfest
Rosenmontag
Schmerzen Marias
Silvester 31.12.
Stephanstag 26.12.
Taufe Jesu
Thanksgiving
Totensonntag
Unbefleckte Empfängnis Marias 8.12.
Unschuldige Kinder 28.12.
Valentinstag
Verklärung Christi 06.08.
Verkündigung des Herrn 25.03.
Weiberfastnacht
Weihnachten
Weihnachten n. Lukas
Weihnachten n. Matth.
Weihnachtsbaum
Weihnachtsfeiern
Weihnachtsgeschenke
Weihnachtslieder
Weihnachtsstollen
Weißer Sonntag
Weltgebetstag der Frauen
Weltgebetswoche für die Einheit der Christen


Impressum