Wochenrhythmus

In der Schöpfungsgeschichte wird die Erschaffung der Welt in sieben Tagen erzählt. Am 6. Tag wird der Mensch geschaffen, am 7. Tag ruht Gott und erkennt, daß ihm das Werk der Schöpfung gut gelungen ist. Der 7. Tage gehört der Religion. Nicht ohne Sinn finden die Fußballspiele am Wochenende statt. In der Woche haben die Mannschaften trainiert, am Wochenende ernten sie die Früchte des Trainings. Der Zuschauer betrachtet ihr Werk, ob im Stadion oder am Bildschirm und stellt dann fest, ob die Arbeit der Woche in eine gute Mannschaftsleistung gemündet oder ob das Werk eben nicht gelungen ist. Auch wenn die Zuschauer sich manchmal wie der Richter über Gelungen bzw. Mißlungen fühlen, sie können den Stuhl des Fußballgottes nicht einnehmen. Denn ob ein Tor fällt oder der Tormann den Ball doch noch hält, darüber entscheidet nicht der Zuschauer, sondern neben der körperlichen und der Aufmerksamkeitsleistung der Spieler das Glück. Mannschaften spielen viele Torchancen heraus, die doch nicht mit einem Tor belohnt werden. Eine höhere Macht scheint den Ball einmal ins Tor gelangen zu lassen, ein andermal gibt es trotz vieler guter Chancen soviel Hindernisse in Form von Beinen, Oberkörpern und den Händen des Tormanns, die den Ball nicht über die Linie gelangen lassen. Und manchmal trifft kein Stürmer das Tor, der Ball geht, oft nur knapp, am Tor vorbei.

Ob die Mühen der Trainingswoche sich als lohnend oder als zu gering erweisen, das wird erst an der Aufführung des Spiels am Wochenende offenbar. Siege werden im Training vorbereitet, errungen werden sie aber auf dem Spielfeld gegen eine andere Mannschaft. Während das Training wenig mit dem Fußballgott zu tun hat, scheint dieser beim Spiel am Wochenende eine entscheidende Rolle zu haben, verteilt er doch das Glück überraschend. Steht dieser Fußballgott mit dem Gott der Religionen in Konkurrenz. Denn ob Judentum, Christentum oder Islam, jede Woche ermöglichen diese Religionen eine Begegnung mit Gott in der Gemeinschaft. Die Gläubigen versammeln sich und so auch die Anhänger der beiden Mannschaften, die im Stadion gegeneinander spielen.

Autor: Dr. Eckhard Bieger SJ