Die Fußballreligion – unheilbar rituell religiös

Verteidiger der Religion kommt der Satz über die Lippen: Der Mensch ist unheilbar religiös. Zumindest ist er unheilbar „rituell“. Da der schwindende Kirchgang und die Entritualisierung der Gottesdienste das Ritenbedürfnis nicht mehr abdecken, übernimmt die Fußballreligion diese gesellschaftlich höchst wichtige Aufgabe. Denn ohne Riten kann der Mensch sein Leben nicht verankern, das sich im Fluss der Zeit immer wieder aufzulösen droht. Wo soll der Mensch sich auch verankern, wenn selbst das Geld nicht mehr trägt. Das haben die Finanzjongleure in unsere Hirne und noch mehr in unser Gefühl eingebrannt haben.

So gebraucht der Fußball auch die Formelemente der Riten.

Wie schön ist es, eine Fahne zu schwenken, in Prozession an den Ort des Geschehens zu gelangen, gemeinsame in Chorgesänge einzustimmen. Natürlich übernimmt man von der Liturgie auch die besondere Kleidung. Ein außerordentliches Geschehen erfordert eine angemessene Kleidung.

Es gibt auch heilige Geräte, der Pokal ist meist einem Kelch nachgebildet. Hier ließe die Liturgie sich noch ergänzen. Eigentlich muss aus dem Pokal ein Getränk ausgeschüttet werden, zu Ehren der Siegesgöttin, so wie es bei den Autorennen Brauch ist.

Was allerdings immer noch den Messdienern und Messdienerinnen vorbehalten ist: Der Weihrauch. Den lassen sie nicht nur gegenüber der Gottheit aufsteigen, sondern sie schwenken das Weihrauchfass auch der Gemeinde entgegen.

 

Die Vergleiche zeigen: Die Fußballreligion ist rituell noch nicht ganz ausgereift.

Autor: Dr. Eckhard Bieger SJ