Schwarzer Mann

Wie in jedem himmlischen Schauspiel darf das Schwarz nicht fehlen. Der heilige Nikolaus bringt seinen Knecht Ruprecht mit, um die bösen Taten zu bestrafen. So pfeifen die Schiedsrichter auf Elfmeter und vergeben gelbe und rote Karten. Vor allem kontrollieren sie den heiligen Raum vor dem Tor. Abseitsstellung und Handspiel entgehen ihrem Strafgericht nicht.

Mannschaften hadern mit ihnen und vertrauen auf eine höhere Gerechtigkeit, die durch die Fußballgottheit verkörpert wird. Wer sich als Vorzugskind des Fußballgottes fühlt, kann mit seinen schwarzen Gesellen besonders wenig anfangen, so wie die Gläubigen nicht verstehen, warum Gott die strengen irdischen Stellvertreter schalten und walten läßt, ohne einmal mit dem Blitz dazwischen zu fahren. Offensichtlich läßt der Fußballgott ihnen freie Hand, wenn sie ein Tor nicht anerkennen. Nur manchmal gibt er der Mannschaft weitere Chancen und selten sorgt er dafür, daß begangenes Unrecht wieder gutgemacht wird. Das geschieht dann, wenn der Tormann einen zu unrecht gegen seine Mannschaft verhängten Elfmeter hält oder der Schütze das Tor gar nicht trifft.

Aber bräuchte es überhaupt der schwarzen Männer, wenn die Mannschaften ohne Regelverstöße und vor allem ohne Fouls spielen würden? Wie im normalen Leben halten sich die Spieler auch nicht an die Regeln für Fairneß und Gerechtigkeit. Ohne die Schiedsrichter würde sich auch der Rachemechanismus schnell einstellen. Wer gefoult wurde, wird zurücktreten und aus dem Spiel würde schnell eine wilde Keilerei oder sogar Mord und Totschlag. Deshalb sind die Schwarzen Männer unentbehrlich.

Autor: Dr. Eckhard Bieger SJ