Männerreligion

Das Christentum ist eine Religion der Frauen. Maria von Magdala kam als erste zum Glauben, daß Jesu auferstanden ist. Als sie am Tag nach dem Sabbat den Leichnam Jesu endgültig versorgen wollte, fand sie den Grabstein weg gewälzt und das Grab leer. Sie benachrichtigt die Jünger. Petrus und Johannes inspizieren das Grab, gehen dann wieder in die Stadt. Maria bleibt bei dem Grab, sie sieht einen Mann auf sich zukommen. Sie vermutet in ihm den Gärtner und wird von Jesus angesprochen. So erzählt es Johannes im 20 Kapitel seines Evangeliums. Im Römischen Reich waren es vor allem Frauen, die sich der neuen Religion anschlossen. Frauen sind die tragenden Kräfte in den Gemeinden, Frauen geben ihren Glauben an die Kinder weiter.

Wenn die christliche Religion auch gefühlsmäßig so von den Frauen bestimmt wird, brauchen die Männer in den christlichen Ländern eine Alternative. Es verwundert nicht, daß Männer, eingeschlossen die Pfarrer, Anhänger des Fußballgottes sind, zu dessen Ritus sie wöchentlich ins Stadion strömen, bzw. in eine fremde Stadt fahren. Die Verhaltensweisen der Fußballanhänger sind dann auch sehr viel kämpferischer als die der Teilnehmer an einem christlichen Gottesdienst. Die Friedensbotschaft spielt in der Fußballreligion keine große Rolle, es scheint sogar erlaubt, die Fans der gegnerischen Mannschaft körperlich zu attackieren. Auch legen die Fans wenig Wert auf melodischen Gesang. Laut und rhythmisch muß es zugehen, nicht wie in einem Kirchenchor, in dem die Frauen die Mehrheit darstellen und die Männer sich in ihrem Verhalten dem Stil der Frauen anpassen müssen. Von Frauen, die mit ins Stadion gehen, erwartet man eine gewisse Derbheit.

Autor: Dr. Eckhard Bieger SJ