Fussballgemeinde

Wie jede ordentliche Liturgie beginnt das Fußballspiel mit Gesängen. Die Stadtmannschaften haben ihre Lieder, die Nationalmannschaften ihre Hymnen. Dann erfolgt der feierliche Einzug der handelnden Personen.

Daß der Fußball ein rituelles Geschehen ist, zeigt auch die Bekleidung der Fans. Sie kommen nicht einfach in ihrer Alltagskleidung, sondern in den Farben ihrer Mannschaft bzw. ihres Landes. Sie tragen Schärpen und Medaillons. In ihrer Wohnung haben sie einen kleinen Hausaltar eingerichtet, wo Symbole des Vereins, Eintrittskarten und Autogramme aufbewahrt werden. Schließlich die Fahnen. Früher gehörte in der katholischen Kirche zu einem feierlichen Gottesdienst der Einzug der Banner, die die verschiedenen Verbände repräsentierten. Müssen beim Fußball die Fahnen außerhalb des heiligen Bezirks, des Rasens bleiben, zogen bei katholischen Hochämtern die Bannerträger in den Chorraum und stellten sich seitlich auf, so daß die Banner während des Gottesdienstes von allen zu sehen waren. Fahnen müssen geschwenkt werden. Das passiert während des Fußballspiels. Bei Hochämtern wurden die Fahnen nicht einfach hin und her geschwenkt, sondern beim Einzug in den Chorraum waagrecht gehalten und dann kunstvoll hin und her geschwenkt. Das mußte gekonnt sein. Rheinische Schützen verstehen bis heute, die Fahnen so kunstvoll zu schwenken. Daß es mit dem Katholizismus wieder aufwärts geht, zeigte sich an den vielen Fahnen, die beim Weltjugendtag durch die Stadt getragen, bei Gottesdiensten im Rhythmus der Lieder geschwungen wurden.

Neben Liedern und Fahnen gibt es dann noch die spezielle Kleidung. Die Fans erscheinen in den Farben ihres Vereins bzw. ihres Landes. Aus den afrikanischen Religionen hat der Fußball die Bemalung der Gesichter übernommen. Wie bei den Hemden und Schärpen werden auch bei der Körperbemalung die Farben der Nation übernommen.

Wie in einem richtigen Gottesdienst wenden sich die Akteure ausdrücklich den Fans zu. Im Gottesdienst wird die Gemeinde mit „Der Herr sei mit euch“ angesprochen, ihnen wird der Friedensgruß zugerufen. Wenn bei einem Hochamt Weihrauch eingesetzt wird, wird die Gemeinde vor dem Beginn des Hochgebetes von den Stufen des Chors aus inzensiert. Der Fußball, eine noch junge Religion, hat das übernommen. Die Mannschaft wendet sich ihren treuen Fans zu, die jeweils im Stadion einen bestimmten Platz haben, und drückt ihnen gegenüber ihre Ehrerbietung aus.

Autor: Dr. Eckhard Bieger SJ