Chancenverteiler

Er ermöglicht den Kommentatoren, das Überraschende eines Spiels, eines Turniers zu erklären. Wenn viele Favoriten frühzeitig aus dem Turnier ausscheiden, dann sind es nicht die Trainer und Spieler alleine, die über Sieg oder Niederlage entscheiden. Es muß noch eine andere Hand im Spiel sein.

Offensichtlich sorgt der Fußballgott nur unzureichend für Gerechtigkeit. Bei der letzten Weltmeisterschaft war das augenfällig. Tore werden nicht anerkannt und Spieler zu hart bestraft. Die Italiener fühlten sich von ihm verlassen.

Er kann den Spielen eine besondere Bedeutung geben. So fand sich bei der letzten Weltmeisterschaft Südkorea, obwohl das Land weiterhin geteilt ist, als Nation wieder, die auf der Bühne der Welt eine wichtige Rolle spielen darf. Tore lösen nicht nur Glücksgefühle aus, sondern berauschen nächtelang die Nationen, deren Team überraschend gewonnen hat.

Auf jeden Fall ist der Fußballgott nicht mehr nur der Gott der Europäer und Südamerikaner. Er hat seine Kinder und Verehrer auch in Asien und Afrika gefunden.

Vielleicht führt er doch eine Gerechtigkeit herbei, die im Verlauf eines Turniers nicht erkennbar wird. Denn auch wenn auch diese Weltmeisterschaft dazu führt, dass mit jeder weiteren Runde Mannschaften vom Spiel ausgeschlossen werden und am Ende nur der Sieger übrig bleibt, endgültig ausgeschlossen wird keine Nation. Alle vier Jahre ist die Bühne wieder für alle offen. Der Fußballgott wird die Chancen dann neu verteilen.

Autor: Dr. Eckhard Bieger SJ