Die Fußballreligion – ihre Allgegenwart

Es gibt noch Riten, die verpflichtend sind, zumindest verzeichnete der Kirchgang beim Spiel Deutschland gegen England 87% an den Fernsehgeräten. So hoch wie es nur noch im Sorbenland rund um die Zisterzienserinnenabtei Marienthal möglich ist. Wen die Fernsehforschung nicht erfasst, sitzt vor den öffentlich aufgestellten Bildschirmen oder bekommt über Radio und Handy mit, wie „es steht“. Derjenige, der die ruhigen Fahrrad- und Fußgängerwege nutzt, hört an den Chören von Jubelschreien, ob für ein Deutschland ein Tor gefallen ist.

Die Fußballreligion lässt niemand unberührt. Auch Fußball-Atheisten können sich, wie normale Atheisten, nicht dem Ruf der Glocken, hier der Vuvuzela, entziehen. Zumindest mit ihrer medialen Allgegenwärtigkeit erreicht die Fußballbegeisterung die religiöse Ebene, denn Allgegenwärtigkeit ist nun einmal unterscheidendes Merkmal der Gottheiten gegenüber dem Menschen. Innerlich muss man teilnehmen, sonst funktioniert der Kult nicht. Das heilige Spiel braucht die volle Anteilnahme aller, sonst scheint es nicht zu gelingen – und sei es nur über den Knopf im Ohr, wenn man auf dem Fahrrad unterwegs ist oder im Zug sitzt.

Was den Kirchgänger motiviert, gilt auch für die Fußballreligion: Ich muss dabei sein, es kommt auf mich an, dass ich mit dem Herzen dabei bin und das Spiel mittrage.

Autor: Dr. Eckhard Bieger SJ