Abstieg als Buße

Wenn etwas mißlingen ist, muß es wieder in Ordnung gebracht werden. Wenn man etwas falsch gemacht, ein Ziel verfehlt, sich vergangen hat, erfordert das Wiedergutmachung. Die Religionen kennen Bußriten, die in eine Vergebung münden. Wie sehen die Bußübungen des Fußballs aus? Es gibt die direkten Strafen, ein Strafstoß bzw. den Elfmeter, die gelbe und rote Karte. Aber es gibt dann noch am Ende der Saison eine abschließende Beurteilung. Haben sich die Spieler zu wenig angestrengt, war das Team zerstritten, so daß keine gute Mannschaftsleistung zustande kommen konnte, dann wird sie mit Niederlagen und dem Abstieg in die zweite oder eine noch tiefere Liga bestraft. Eine Strafe ist es auch, wenn ein Nationalteam nicht die Qualifikation für eine Europa- oder Weltmeisterschaft schafft. Sie muß bis zur nächsten Qualifikationsrunde warten. Die untere Liga oder das Warten auf das nächste Turnier ist dann der Ort der Buße und der Reinigung von den Fehlern. Jeder Abstieg hat etwas von einer Strafe an sich. Mit den Mannschaften der unteren Liga konkurrieren zu müssen, ist eine Form der Demütigung und kann als Bußübung verstanden werden. Wer sich bewährt, wer ordentlich trainiert, als Mannschaft zusammenspielt, der wird mit dem Wiederaufstieg in die höhere Liga belohnt.

Autor: Dr. Eckhard Bieger SJ