Erziehungsberatung

Erziehungsberatung ist ein Dienst von Fachkräften für Eltern wie auch für pädagogische Berufe, die Verantwortung für Kinder und Jugendliche und damit einen Erziehungsauftrag haben. Die Beratung stützt sich auf das Fachwissen vor allem der Entwicklungspsychologie und der Pädagogik.

Erziehung im Wandel

Wer in der Familie, in Kindertagesstätten oder Schulen für Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung unterstützt, braucht dafür hin und wieder Rat. Einen Rat holte man sich früher bei der Großelterngeneration oder bei anderen Eltern. Dieser Rat reicht heute oft nicht aus. Die Kinder wachsen in einer komplexen Umwelt auf, Medien wirken in das Erziehungshandeln ein und sind oft Konkurrenten der für die Erziehung Verantwortlichen geworden. Da sich das Schulsystem ständig verändert, können Eltern nicht mehr allein auf ihre eigenen Schulerfahrungen zurückgreifen, um ihre Kinder zu unterstützen. Das gilt vor allem für Eltern, die aus einer anderen Kultur stammen.

Hinzugekommen sind die sich ständig verändernden Vorstellungen, wie Erziehung umgesetzt werden soll. Eltern sind vor die Frage gestellt, inwieweit sie den Wünschen der Kinder Vorrang geben sollen oder eigenen Vorstellungen über die Bedingungen des Heranwachsens. Somit gibt es einen sehr viel größeren Bedarf an Beratung als in Epochen, in denen nicht so viele Veränderungen zu bewältigen waren. Die Probleme, mit denen sich der Einzelne im Verlauf seines Lebens auseinandersetzen musste, haben sich nicht nur sehr verändert. Sie nahmen auch zahlenmäßig zu. Ebenso ihre Vielfalt und Differenziertheit stellt heute ein gesamtgeschichtliches Novum dar.

Nicht nur dass die Erwachsenen die rasanten Veränderungen gleichzeitig mit ihren Kindern erleben. Manchmal werden sie dabei gar von der Erfahrungswelt ihrer Kinder überholt. Die  jüngere Generation sieht sich zum Beispiel mit vielen Problemen einer virtuellen Internet-Welt konfrontiert, von denen ihre Eltern nicht einmal eine Ahnung haben. Verstärkt wird die Gesamtsituation in Familien, wo Eltern einen niedrigeren Bildungsstand haben.

Bildung und Erziehung

Die Bildungschancen der Nachkriegszeit eröffneten einer überdurchschnittlichen Zahl von Menschen einen Weg zu besseren Berufsabschlüssen. Die Rolle der Frau als die Haupterzieherin der Kinder gilt heute nicht mehr als selbstverständlich. Die Berufstätigkeit beider Eltern kollidiert aber mit den schwierigen Erziehungsaufgaben. Um der stark ausdifferenzierten Gesellschaftsstruktur gerecht zu werden, müssen die Eltern, insbesondere die Frauen, heute eine Vielfalt neuer Rollenmuster einüben und erfüllen. Institutionen wie der Kindergarten und Ganztagsbetreuung durch Tagesmütter sollen die Erziehungsaufgabe der Eltern unterstützen.

Verstärkt negativ wirkt sich die Situation in Familien aus, die von der Arbeitslosigkeit betroffen sind. Da die Arbeit in der Moderne gleichbedeutend mit der Existenzsicherung ist, geht ihr Verlust für die betroffenen Personen mit Angst einher. Die negativen Folgen für die psychische Stabilität sowie die Sorge um die Existenz der Familie erhöhen die Gefahr, dass die Eltern an ihrer Erziehungsaufgabe scheitern. Da die Qualität der Ausbildung immer mehr über den Lebenserfolg entscheidet, erhöht sich der Druck auf viele Kinder, gute und beste Noten zu erreichen. Schulschwierigkeiten sind ein wichtiger Anlass, Erziehungsberatungsstellen aufzusuchen.

Scheidung und Erziehung

Ein weiteres Problem, dem sich Beratungsstellen widmen müssen, sind die Folgen gescheiterter Ehen. Bei der Auseinandersetzung vor und nach einer Scheidung geht der Blick auf die Bedürfnisse und Nöte eines Kindes oft verloren. Alleinerziehende Eltern fühlen sich nicht selten allein gelassen und sehen sich einer Überforderungssituation gegenüber.

Wissenschaftlich fundierte Beratung

Erziehungsberatung wird durch Ergebnisse der Wissenschaft ermöglicht. Seit die Entwicklung von Kindern systematisch erforscht wird, stehen neben dem Erfahrungswissen auch durch systematische Beobachtung gewonnene Erkenntnisse zur Verfügung. Psychologen wie Pädagogen wird dieses Fachwissen in ihrer Ausbildung vermittelt. Sie können daher als Berater und Beraterinnen in den verschiedenen Beratungsstellen tätig werden. Fachzeitschriften informieren über neue Forschungsergebnisse.

Onlineberatung

Viele Erziehungsberatungsstellen bieten mittlerweile auch eune Beratung per E-Mail an. Die beteiligten Caritas-Beratungsstellen sind über das Caritas-Beratungsportal „beratung-caritas.de“ erreichbar. Eine zentrale „virtuele Beratungsstelle“ hält die Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (BKE) vor, die neben der E-Mail-Beratung auch moderierte Chats anbietet. Freie und kommunale Träger der Kinder- und Jugendhilfe aus dem gesamten Bundesgebiet stellen dafür Beratungsfachkräfte zur Verfügung.

Gesetzliche Grundlage

Die Erziehungsberatung beeinträchtigt nicht das im Artikel VI. des Grundgesetzes formulierte Erziehungsrecht der Eltern. Zumal die Berater und Beraterinnen die Kooperation der Eltern einfordern müssen, soll die Beratung überhaupt zu Ergebnissen führen. Das Erziehungsrecht gilt in Deutschland als ein natürliches elterliches Recht und zugleich eine zuvörderst den Eltern obliegende Pflicht. Der Staat verpflichtet sich jedoch durch ein Gesetz und gewährt Eltern den Anspruch auf Hilfen bei der Erziehung. Diese werden im achten Sozialgesetzbuch festgeschrieben. Unter Paragraf 28 wird die Erziehungsberatung so geregelt: 

Erziehungsberatungsstellen und andere Beratungsdienste und -einrichtungen sollen Kinder, Jugendliche, Eltern und andere Erziehungsberechtigte bei der Klärung und Bewältigung individueller und familienbezogener Probleme und der zugrunde liegenden Faktoren, bei der Lösung von Erziehungsfragen sowie bei Trennung und Scheidung unterstützen. Dabei sollen Fachkräfte verschiedener Fachrichtungen zusammenwirken, die mit unterschiedlichen methodischen Ansätzen vertraut sind.“

Gesetzlich geregelt ist auch, dass die Beratung für die Ratschenden kostenfrei ist. Die Mitarbeiter der Beratungsstellen sind zur Verschwiegenheit verpflichtet.

 

Position des Deutschen Caritasverbandes

Anwalt für die Kleinsten

„Kinder sind die Zukunft unserer Gesellschaft“, heißt es in einem Positionspapier der Caritas, in dem der Verband sich als der Anwalt insbesondere jener Kinder profiliert, die „sozial benachteiligt sind und/oder sich in prekären Lebenslagen befinden.“ DEr Verband leistet insbesondere eine politische Lobbyarbeit zugunsten der Kinder und Jugendlichen. In einem gesonderten Prozess will der Verband außerdem die Leitlinien zur Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention in den Einrichtungen und Diensten der Caritas verwirklichen.

Der Caritasverband erachtet Kindererziehung insgesamt als eine der schwierigsten Aufgaben, die Eltern in der komplexen gegenwärtigen Welt bewältigen müssen. Daher stellt er mit seinen Verbänden fast überall in Deutschland Beratungsstellen bereit, die über den Suchdienst der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Jugend- und Eheberatung und über die Caritas-Homepage gefunden werden können. Die Caritas will bewusst auch den Erziehern, Lehrern und Fachkräften bei ihrer Arbeit unterstützend zur Seite stehen.

Christliche Motivation allgemein

Kinder brauchen Zuwendung

Als die Apostel die Eltern daran hindern wollten, ihre Kinder zu Jesus zu bringen, wies dieser seine Jünger zu Recht mit den Worten: „Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran! Denn Menschen wie ihnen gehört das Himmelreich.“ (Mt, 19, 13-15) Die Jünger Jesu stuften  offensichtlich die Handlungsweise der Eltern als überflüssig ein. Entgegen ihrer Haltung schenkte Jesus den Kindern etwas von seiner Zeit. Aus der geschenkten Zeit ihrer Eltern und Erzieher schöpfen alle Kinder und Jugendliche Kraft. Sie können dann ihre Fragen stellen, vom Erlebten erzählen. Weiter warnt die Bibel: "Ihr Väter, reizt eure Kinder nicht zum Zorn!" (Eph 6,4). "Ihr Väter, reizt eure Kinder nicht, damit sie nicht mutlos werden!" (Kol 3,21).

Erziehungsberatung beim Caritasverband Mannheim


Fundierte und vielfältige Erziehungsberatung

Die Psychologische Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche des Caritasverbandes Mannheim leistet Erziehungsberatung auf der Grundlage des Kinder- und Jugendhilfegesetzes und orientiert sich am Leitbild des Deutschen Caritasverbandes unabhängig von Religionszugehörigkeit oder Nationalität. In der Beratungsstelle sind zehn Mitarbeiter der Fachrichtung Psychologie, Sozialpädagogik und Heilpädagogik tätig, die zusätzliche über psychotherapeutische Kompetenzen verfügen. Und ihre Fachlichkeit durch regelmäßige Fortbildungen weiterentwickeln. Beratung, Diagnostik und Therapie sind auch in italienischer Sprache möglich.

Angeschlossen ist eine tägliche kostenlose Hausaufgabenhilfe spezielle für Kinder aus Migrantenfamilien. Eine spezielle Sprechstunde gibt es für Eltern von Babys und Kleinkindern (Schreibaby-Ambulanz). In Zusammenarbeit mit der Familienbildungsstätte des Caritasverbandes werden Elternbildungskurse durchgeführt, um präventiv der Entstehung gravierende Erziehungsprobleme vorzubeugen. In Zusammenarbeit mit dem Frauen- und Kinderschutzhaus Heckerstift werden Opfer von häuslicher Gewalt beraten und Mütter nach dem Frauenhausaufenthalt weiterbetreut. Kinderschutzfachkräfte der Beratungsstelle unterstützen Kindergärten bei Kinderschutzfragen.

Die Beratungsstelle beteiligt sich am Modell „Mannheimer Elternkonsens“ zur außergerichtlichen Einigung bei Konflikten im Zusammenhang mit der Trennung und Scheidung der Eltern. Für Kinder, die von Trennung und Scheidung der Eltern betroffen sind, gibt es ein Gruppenangebot in Kooperation mit der evangelischen Beratungsstelle. Alleinerziehende-Familien erhalten Unterstützung durch ehrenamtliche „Paten-Omis“, die über die Beratungsstelle vermittelt werden. Die Beratungsstelle berät auch per E-Mail über das Mannheimer Beratungsstellen-Portal und das Caritas-Portal.

Die Beratung kommt an

Im Jahr 2008 nahmen rund 640 Familien und junge Menschen das Beratungsangebot in Anspruch (die Online-Beratung nicht angerechnet). Bei der Problematik, die zum Aufsuchen der Beratungsstelle führte, nahm die Belastung durch familiäre Konflikte den breitesten Raum ein, gefolgt von Verhaltensauffälligkeiten und seelischen Problemen der Kinder beziehungsweise Jugendlichen. Über 40 Prozent der Familien waren Alleinerziehende. Knapp 50 Prozent hatten einen Migrationshintergrund.

Die Unterstützung für Familien ist beim Caritasverband Mannheim sehr vielfältig ausgeprägt. In zwölf Diensten und Einrichtungen leistet der Verband Hilfen in Form von Schutz, Beratung und konkreter Unterstützung. Rund 80 Mitarbeiter sind hier hauptamtlich tätig. Hinzu kommen die beiden katholischen Kinder- und Jugendheime St. Anton und St. Josef und das Luisen-Stephanien-Haus, ein Schifferkinderheim. Die Träger dieser Einrichtungen gehören als korporative Mitglieder dem Caritasverband Mannheim an. Zusammen mit der Erziehungsberatungsstelle, der Sozialpädagogischen Familienhilfe und der Sozialen Gruppenarbeit Alsenweg in Trägerschaft des Caritasverbandes bieten sie der Mannheimer Bevölkerung das komplette Leistungsspektrum der gesetzlichen Hilfen zur Erziehung.

Autor: Gregor Starosczyk-Gerlach

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