Einkaufsservice

Einen Einkaufsservice bieten derzeit in Deutschland viele Dienstleister an. Neben den Wohlfahrtsverbänden agieren auch Kleinunternehmen auf dem Markt. Zu ihren Kunden zählen ältere Menschen, die nicht mehr selbst einkaufen gehen können. Darüber hinaus aber auch Kranke oder Menschen mit Behinderung. Neben der Hilfe beim Einkaufen beinhaltet das Angebot oft die Unterstützung bei der Haushaltsführung. Während die Wohlfahrtsverbände die Dienstleistung als Hilfe für die Bedürfnisse von Benachteiligten definieren, suchen die kommerziellen Anbieter Kunden aus der Gruppe der Berufstätigen anzusprechen. Dafür werben sie zum Beispiel mit dem Argument der Zeitknappheit. Berufstätigen wird vorgeschlagen ihre Freizeit anders zu nutzen als einzukaufen oder den Haushalt zu besorgen.  

Notwendigkeit für den Einkaufsservice 

Solche Angebote sind an sich nichts Neues. Wo Familien in mehreren Generationen nah beieinander wohnen, erledigen den Einkauf die eignen Angehörigen oder die Nachbarn zumeist kostenfrei. Nachdem aber die Familienverbände in den westlichen Gesellschaften im Zusammenhang mit der beruflichen Mobilität kaum noch an einem Ort zusammenleben, sind alte und kranke Menschen im Alltag auf sich alleine gestellt. Einen Einkauf für einen Bedürftigen zu tätigen, bedeutet nicht zuletzt, mit ihm in Kommunikation zu treten. Menschen, die ihre Wohnung nicht verlassen können, sind für Besuche und Gespräche dankbar, weil sie damit den Kontakt zu ihrem sozialen Umfeld aufrecht erhalten.

Einkauf im Supermarkt überfordert

Der Konkurrenz mit den großen Discounterketten und Einkaufszentren halten außerdem kleinere Läden nicht stand. In Folge dessen schließen viele Geschäfte ihre kleineren Filialen in Ortschaften mit niedriger Einwohnerzahl. Wer außerhalb der Großstädte einkaufen will, muss mobil sein und unter Umständen weit fahren. Die öffentlichen Verkehrsmittel auf dem Lande sind nicht immer eine Alternative und ihre Nutzung für einen täglichen Einkauf zu aufwändig. Wenn ältere Menschen die Möglichkeit, in einem Supermarkt einzukaufen, dennoch nutzen können, fühlen sich viele von ihnen nicht selten von der Größe und empfundener Unübersichtlichkeit überfordert.

Immer mehr ältere Menschen brauchen Unterstützung im Alltag

Viele ältere oder kranken Menschen können in ihrem gewohnten Umfeld wohnen bleiben, wenn sie lediglich beim Haushalt und Einkaufen unterstützt werden. In Deutschland lebten Ende 2007 16, 5 Millionen Menschen, die älter als 65 Jahre waren.[1] 20 Prozent der Gesamtbevölkerung waren in dieser Zeit zwischen 60 und 80 Jahre alt, knapp fünf Prozent waren 80 Jahre oder älter.[2] Nach Angaben des Caritasverbandes sind es allerdings nur zwölf Prozent der über 65-Jährigen, die pflegebedürftig sind. Außerdem brauchen lediglich knapp drei Prozent der 65 bis 70-Jährigen sowie fünf Prozent der 70 bis 75-Jährigen Pflege.

Position des Caritasverbandes

Sozialpolitische Position

„Die verbandliche Caritas gestaltet Sozial- und Gesellschaftspolitik mit. Deshalb übernimmt der Deutsche Caritasverband Mitverantwortung für die Entwicklung bedarfsgerechter sozialer Infrastrukturen”, heißt es im „Leitbild“ des Deutschen Caritasverbandes. Das Vorrangige Interesse der Caritas betrifft in diesem Fall die Chance, Älteren Mitbürgern ein selbständiges und selbstbestimmendes Leben zu ermöglichen. So sollen sie durch technische oder personelle Hilfen in die Lage versetzt werden, für die eigenen Bedürfnisse im Alltag – soweit möglich – eigenständig und selbstbestimmt sorgen zu können. Die Caritas setzt sich sowohl auf der Bundes- als auch auf der Landesebene sowie vor Ort in den Kommunen dafür ein, dass hilfe- und pflegebedürftige ältere Menschen ein würdevolles Leben führen können und dafür alle notwendigen Unterstützungen erfahren.

Lobbyarbeit

Caritas für ältere Menschen

Christliche Motivation

Das vierte Gebot des Dekalogs spricht unmissverständlich von einer Ehrerbietung, die Kinder ihren Eltern entgegen bringen sollten und meint damit konkret die Verantwortung für die materielle Versorgung der eigenen Eltern im Alter: 

Ehre deinen Vater und deine Mutter, damit du lange lebst in dem Land, das der Herr, dein Gott, dir gibt. (Ex. 20, 12)

Im Alten Testament herrscht die Vorstellung vor, dass ein langes Leben und ein Kinderreichtum sichere Zeichen für den göttlichen Segen seien. Das führte zu der Vorstellung von einem Älterwerden in Harmonie mit sich und der Welt. Die Überzeugung, die daraus geflossen ist und die Zufriedenheit, im Leben alles richtig gemacht zu haben, halfen schon immer, das Älterwerden anzunehmen und es zu einem würdevollen Prozess zu gestalten. Das christliche Abendland prägt die Vorstellung, dass die Qualität einer Gesellschaft sich daran ermessen ließe, wie gut ihre Mitglieder für die Alten und Schwachen der Gesellschaft sorgen. Erbarmungslosigkeit gegen Schwache war bereits für im Alten Testament ein Zeichen der Gottlosigkeit:

„Ein Volk mit unbeweglichem Gesicht, das sich dem Greis nicht zuwendet und für das Kind kein Mitleid zeigt“ (Dtn 28,50).[3]  

Nächstenliebe gegen Geld?

Im Zusammenhang mit einem Einkaufsservice, den ein christlicher Träger anbietet, stellt sich allerdings eine Frage. Diese Dienstleistung wird auch von der Caritas nicht kostenlos angeboten. Diejenigen, die das Angebot nutzen, müssen für die Dienstleistung zahlen. Das scheint dem Auftrag, Barmherzigkeit zu üben, zu widersprechen.

So verlangt der barmherzige Samariter, von dem Jesus in einem Gleichnis erzählte, keine Bezahlung für seine Hilfe. Er bezahlte sogar die Fürsorge, die er für den Geschädigten verlangte

„Als er ihn sah, hatte er Mitleid, ging zu ihm hin, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie. Dann hob er ihn auf sein Reittier, brachte ihn zu einer Herberge und sorgte für ihn. Am andern Morgen holte er zwei Denare hervor, gab sie dem Wirt und sagte:
Sorge für ihn, und wenn du mehr für ihn brauchst, werde ich es dir bezahlen, wenn ich wiederkomme.
“  (Lk. 10,25-37).

Für die Spannung, die sich in dieser Perspektive beobachten lässt, findet der Mannheimer Caritasverband eine interessante Lösung.

 

Einkaufsservice beim Caritasverband Mannheim


Unter dem Namen Eicas bietet der Caritasverband aus Mannheim einen Einkaufsservice für Menschen an, die entweder unter Zeitnot stehen, kein Auto besitzen, zu weite Wege bewältigen müssen oder schlechte Verkehrsanbindung haben. Das Besondere der Lösung liegt darin, dass die Dienstleistung von sozialversicherungspflichtigen Angestellten erbracht wird, die in den Projekten der Caritas-Beschäftigungsförderung beschäftigt sind. Sie kommen aus dem Bereich der Schwerbehinderten, Langzeitarbeitslose oder junger Arbeitslosen. Indem der Caritasverband die äußeren Bedingungen schafft und Mittel wie Büro, Fahrzeug zur Verfügung stellt, wird aus einem Problem der modernen Gesellschaft Hilfe zur Selbsthilfe wird. Denn mit dem Einkaufsservice agiert der Verband auf zwei sozialen Problemfeldern gleichzeitig: In der Beschäftigungsförderung und der Seniorenhilfe. 

Damit kann der Einkaufsservice durch Eingliederungszuschüsse und Auftragserledigung finanziert werden. Von Bedeutung ist, dass „Eicas“ die Mitarbeiter in einen Berufsalltag mit einem geregelten Lebensrhythmus integriert. Insofern ist diese Dienstleistung vom Verband auch als ein Sprungbrett in eine dauerhafte Beschäftigung konzipiert. Daher erhalten die Angestellten vom Caritasverband Unterstützung bei der Bewerbung und Weitervermittlung in eine feste Arbeit.

Zu den Dienstleistungen von „Eicas“ zählt neben dem Einkauf auf Bestellung, hauswirtschaftlicher Unterstützung (Bügeln, Putzen, Waschen) und der Begleitung beim Einkaufen, dem Transport der Waren auch eine Taschenträgerhilfe. Damit achtet der Einkaufsservice auf die Selbstbestimmung der Älteren oder Kranken, die so geringfügige Hilfen beanspruchen können, nämlich das, was sie benötigen. ohne sich in ihrem selbstbestimmten Leben im Alter eingeschränkt zu fühlen. In Kooperation mit der Hauswirtschaftlichen Fachvermittlungsstelle übernimmt „Eicas“ auch hauswirtschaftliche Dienste. Die Einkäufe tätigen die Mitarbeiter in verschiednen Geschäften in Mannheim.

 

 

[1] Statistisches Bundesamt: http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/Bevoelkerung/Bevoelkerungsstand/Tabellen/Content75/AltersgruppenFamilienstand,templateId=renderPrint.psml (Zugriff am 24. 2.09)

[2] Statistisches Bundesamt: http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/Zeitreihen/LangeReihen/Bevoelkerung/Content100/lrbev01ga,templateId=renderPrint.psml (Zugriff am 24.2.09)

[3] Vgl.: Karl Kardinal Lehmann, Von der Bürde und Würde des Alters, Ansprache von 16. Mai, 2004, http://www.bistummainz.de/bistum/bistum/kardinal/texte/texte_2004/alter1.html (Zugriff am 24.2.09)

Autor: Gregor Starosczyk-Gerlach

Stark mit den Schwachen Caritas Mannheim

Caritas Mannheim

Das Caritas-Lexikon informiert Sie ├╝ber die Arbeit der Caritas in Mannheim.