Arbeitsmarkt

Der Begriff Arbeitsmarkt beschreibt das Verhältnis von Arbeitgeber und Arbeitnehmer unter Marktgesichtspunkten. „Gehandelt“ werden auf diesem Markt nicht Produkte, sondern Leistungen. Der Arbeitnehmer bringt seine Kompetenz und seine Arbeitszeit ein, damit bestimmte Produkte hergestellt oder Dienstleistungen erbracht werden. Ihr Wert bemisst sich nach dem Preis, hier dem Lohn, den der Arbeitgeber zu zahlen bereit ist, oder zahlen muss, insofern er Mitarbeiter mit einer überdurchschnittlichen Qualifikation und Leistungsbereitschaft zur Mitarbeit gewinnen will.

Arbeitsmarkt berührt die Persönlichkeit

In gewissem Sinn bestimmen auch Marktgesetzte die Situation der Arbeitnehmer. Sind Arbeitsplätze vorhanden, dann finden Arbeitnehmer leichter einen Arbeitsplatz oder können sich sogar verbessern. Fehlen Arbeitsplätze, dann wächst die Zahl der Arbeitslosen. Die Entlohnung unterliegt den Gesetzmäßigkeiten in vergleichbarer Weise. Denn um hochqualifizierte Kräfte zu erhalten, muss der Arbeitgeber mehr Lohn beziehungsweise ein höheres Gehalt zahlen oder gar Zulagen und Erfolgsbeteiligung einplanen.  

Der Arbeitsmarkt berührt den Menschen in seiner Persönlichkeit stärker als das der Markt durch Produkte und Dienstleistungen tut. Stellt der Arbeitsmarkt zu wenige Arbeitsplätze zur Verfügung, beeinträchtigt dies mehr als das Fehlen von bestimmten Produkten, denn  Arbeitslosigkeit ist nicht nur ein finanzielles, sondern auch ein menschliches Problem. Wer Arbeit hat, genießt einen anderen Status in der Gesellschaft als derjenige, der keine Anstellung findet.

Arbeit und Würde des Menschen

Der Begriff „Arbeitsmarkt“ deutet an, dass der Mensch nicht eine Ware zu Markte trägt, sondern sich selbst. Der Begriff selbst wird hin und wieder als Entwürdigung verstanden. Das ist nicht ganz unbegründet, denn der Arbeitsmarkt orientiert sich nicht an den Belangen der Arbeitenden, sondern an der Nachfrage nach Konsumgütern und Dienstleistungen. Er folgt den Gesetzen des freien Marktes, der sich wiederum durch die Gewinnmargen organisiert.

Hinzu kommt, dass das kapitalistische Marktgeschehen die Arbeitsleistung immer mehr als Kostenfaktor einordnet. Es wird nicht zuerst die Leistung, die Einsatzbereitschaft des Mitarbeiters gesehen, sondern was er kostet und wie man die Kosten reduzieren könnte. Durch die Einbeziehung der ehemals kommunistischen Länder in den Arbeitsmarkt wird die Kostenfrage verschärft. Die Lösung: Produktionsstätten werden in Länder mit niedrigeren Lohnkosten verlegt.

Da die asiatischen Länder immer stärker in den internationalen Handel einbezogen sind, treten sie weitere Akteure auf dem globalen Arbeitsmarkt auf. So ist die Herstellung von Textilien in Westeuropa fast ganz zum Erliegen gekommen, weil die osteuropäischen und asiatischen Länder die Ware billiger produzieren können und die Menschen in Westeuropa die preiswerteren Produkte kaufen. Der Arbeitsmarkt ist international geworden, auch wenn er immer noch durch die nationale Gesetzgebung geordnet wird. Die Globalisierung, die durch das Ende des Sowjetkommunismus und die Entwicklung in China deutlich beschleunigt wurde, trifft vor allem Menschen mit einer geringeren Qualifikation, denn deren Arbeitsplätze können leichter in Billiglohnländer verlegt werden.

Kosten der Arbeitslosigkeit

Auch wenn es bereits im Altertum einen Arbeitsmarkt gab, auf dem Landbesitzer Tagelöhner verpflichteten, hat erst die Industrialisierung den Interessengegensatz von Kapital und Arbeit hervorgebracht. Denn es ist das erste Ziel aller Unternehmen, möglichst hohe Gewinne zu erwirtschaften. Die sozialen Bewegungen, die durch die Sozialenzykliken der katholischen Kirche unterstützt wurden, konnten innerhalb der nationalen Grenzen abgemildert werden. Neben der Sozialgesetzgebung waren es die Gewerkschaften, die den Arbeitnehmern einen angemessenen Anteil an den Erträgen des Unternehmens durch Streiks durchsetzen und in Tarifverhandlungen vertraglich absicherten. Der globalisierte Arbeitsmarkt hat die Einflussmöglichkeiten der immer noch national organisierten Gewerkschaften erheblich gemindert.

Da in einem Hochlohnland wie der Bundesrepublik gering qualifizierte Kräfte nicht ausreichend bezahlt werden beziehungsweise arbeitslos sind, weil entsprechende Arbeitsplätze in Billiglohnländer verlegt wurden, wächst die Zahl der Langzeitarbeitslosen, vor allem in Zeiten wirtschaftlicher Rezession. Arbeitslosigkeit liegt aber nicht im Interesse der Allgemeinheit, denn es müssen nicht nur die Arbeitskosten kompensiert werden. Auch die Sozialkassen können die Renten, Krankheitskosten und die Pflege älterer Menschen nur von den Beiträgen aus dem Arbeitsverhältnis bezahlen.

Von Arbeitslosigkeit betroffen

Arbeit ist für viele, die sie verloren oder nach ihrer Ausbildung erst gar nicht bekommen haben, zu einem begehrten Gut geworden. Eine schlechte Konjunktur trifft vor allem die über 50-jährigen und die unter 25-jährigen Personen sowie Langzeitarbeitslose. Aber auch all jene, die über eine schlechte oder gar keine Ausbildung verfügen. Von allen Familientypen sind die Haushalte der Alleinerziehenden am häufigsten von Arbeitslosigkeit betroffen.

Wachsende Einkommensunterschiede

Die Internationalisierung des Arbeitsmarktes hat nicht nur dazu geführt, dass in den Hochlohnländern die Zahl der gering qualifizierten Arbeitslosen enorm zugenommen hat. Die Einkommensunterschiede haben sich ständig vergrößert. Vor allem die Mitarbeiter in der Finanzbranche haben vor dem Zusammenbruch des internationalen Finanzsystems hohe Gehälter und Bonuszahlungen erhaltne, während die Einkommen der Menschen mit geringer Qualifikation kaum gestiegen oder sogar zurückgegangen sind.

Soziale Folgen

Wer länger aus dem Arbeitsprozess ausgliedert wurde, büßt nicht nur soziale Achtung ein, er verliert nicht nur viele Kontakte zu Kollegen und Kolleginnen sondern auch die Fähigkeit, den Anforderungen eines Arbeitsplatzes gerecht zu werden. Die technischen Entwicklungen und Neuerungen erschweren zusätzlich die Integration von Langzeitarbeitslosen in den Arbeitsprozess.

Arbeitslosigkeit in Zahlen

Im  Dezember 2008 waren rund 40,5 Millionen Personen mit Wohnort in Deutschland erwerbstätig gewesen, so das Statistische Bundesamt.[1] Die Zahl der registrierten Arbeitslosen im letzten Quartal 2008 beziffert das Amt auf 3 029 147.[2] Im Jahr 2008 lag die Arbeitslosenquote in der Bundesrepublik bei 7,8 Prozent.[3]

Position des Deutschen Caritasverbandes

Vorrang der Person des Arbeitnehmers

Die kapitalistische Wirtschaftsordnung gibt dem Unternehmensgewinn den Vorrang vor den Belangen der Arbeitnehmer. Nur hochqualifizierte Mitarbeiter genießen eine Sonderstellung. Gegen diese Ordnung hat die katholische Kirche immer den Wert der Person, konkret des Arbeitnehmers gestellt, die auf Grund der Wertordnung den Vorrang haben muss. Dieser Grundwert hat auf dem globalisierten Arbeitsmarkt weniger Chancen als in dem Modell der sozialen Marktwirtschaft. Das macht  deutlich, dass die Caritas wegen des Zusammenhangs von Arbeit und Würde der Person für den Arbeitsmarkt einen Auftrag hat.

Sozialpolitische Positionen und Stelunganahmen

Der Caritasverband sieht sich in der Umsetzung der kirchlichen Soziallehre besonders den arbeitslosen Menschen verpflichtet.Bessere Förderung für Langzeitarbeitslose: eines der zentralen Themen des Jahres 2007  Link

"Sozialer Arbeitsmarkt bietet Chancen für Langzeitarbeitslose mit Vermittlungshemmnissen" Link 

"Arbeitslos 2005: Chancen statt Vorurteile" 08. Dezember 2004, Stellungnahme von Msgr. Dr. Peter Neher, Präsident des Deutschen Caritasverbandes Link

Konkrete Maßnahmen am zweiten Arbeitsmarkt

Die Caritasverbände sind an vielen Orten auch Akteure auf dem Arbeitsmarkt, jedoch nicht auf dem sogenannten Ersten, sondern auf dem Zweiten Arbeitsmarkt. Hier werden Arbeitsplätze bereitgestellt, die noch nicht den vollen Anforderungen des Ersten Arbeitsmarktes genügen. Ziel der meist als gemeinnützige GmbH gegründeten Werkstätten und Dienstleistungsunternehmen ist die Wiedergewinnung der vollen Arbeitsfähigkeit der Arbeitssuchenden, damit sie auf mittlere Sicht einen Platz auf dem Ersten Arbeitsmarkt erlangen.

Christliche Motivation

Bibel wertete Arbeit auf

Die Bibel, speziell die Paulusbriefe, beziehen zur Arbeit eine klare Position. War in der antike Handarbeit für die besseren Schichten ein Tabu, wertet Paulus diese auf.  Er stellt die Arbeit in den Horizont der Schöpfungsordnung.

„Tut eure Arbeit gern, als wäre sie für den Herrn und nicht für Menschen“, schreibt er an die Gemeinde in Kolossä (Kol 3, 23).

Paulus wusste, wovon er sprach. Von Beruf war er Zeltmacher. Er rühmte sich dessen, selbst zu arbeiten. Die Thessalonicher ermahnt er:

"Wir hören aber, dass einige von euch ein unordentliches Leben führen und alles Mögliche treiben, nur nicht arbeiten. Wir ermahnen sie und gebieten ihnen im Namen Jesu Christi, des Herrn, in Ruhe ihrer Arbeit nachzugehen und ihr selbst verdientes Brot zu essen." (2. Thess 3, 11-12)

Mensch ist Subjekt der Arbeit

Heute zweifelt niemand mehr an, dass eine Arbeit ein wertvolles Gut ist. Ihr Wert wird erst angesichts der Arbeitslosigkeit richtig deutlich. In der christlichen Soziallehre kommt ihr Wert primär davon, dass der Mensch das Subjekt der Arbeit ist. Die „Charta der Familienrechte“ des Heiligen Stuhls aus dem Jahr 1983 spricht im Artikel 10 davon, dass die Familien „ein Recht auf eine soziale und wirtschaftliche Ordnung“ haben, „in der die Gestaltung der Arbeitsverhältnisse es den Familienmitgliedern gestattet zusammenzuleben und nicht die Einheit, das Wohlergehen, die Gesundheit und den Zusammenhalt der Familie behindert, sondern sogar die Möglichkeit gemeinsamer Erholung bietet.“

Beschäftigungsförderung beim Caritasverband Mannheim


Situation in Mannheim   

Die Arbeitslosenquote für die Region Mannheim lag nach statistischen Angaben der Mannheimer Bundesagentur im Januar 2009 bei 17 800, das entspricht einer Arbeitslosenquote von 6,6 Prozent. Von der Arbeitslosigkeit waren im Dezember 2008 zu 26 Prozent Menschen betroffen, die älter als 50 Jahre waren, knapp 31 Prozent waren Langzeitarbeitslose und 30 Prozent Ausländer. Die Zahl der Arbeitslosen, die 25 Jahre alt oder jünger waren, lag zum selben Zeitpunkt bei 6,3 Prozent.[4]

Der Mannheimer Caritasverband am zweiten Arbeitsmarkt

Ein zentrales Feld des gegenwärtigen Engagements stellt die Beschäftigungsförderung dar. So traf der Verband 2004 eine prinzipielle Entscheidung, die neuen Programme, die sich aus den Änderungen der Sozialgesetzgebung ergeben hatten, mitzutragen und auszugestalten. Ausgenommen wurden jene Programme, die den Teilnehmenden nicht zur erhofften Verbesserung der Zukunftschancen verhelfen würden. Dies hat zur Folge, dass der Caritasverband nicht in jeder Sparte Angebote macht. Dennoch ermöglicht die genannte Entscheidung dem Verband, sich weiterhin als ein Anwalt der Schwachen zu verstehen und  politisch für ihre Belange einzutreten.

Zu den Angeboten der Beschäftigungsförderung, die der Caritasverband bereithält, gehören:  

Die Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwandentschädigung (auch 1-Euro-Jobs genannt), die sowohl für Langzeitarbeitslose, wie auch für Jugendliche unter 25 Jahren angeboten werden. Damit sie einen Schritt in den Arbeitsmarkt tun können, haben die Betriebe des Caritasverbandes ihre Strukturen geöffnet. An der Beschäftigungsförderung beteiligt sich zum Beispiel das Sozial- und Second-Hand Kaufhaus Fairkauf. Fairkauf hat rund 30 Angestellte, wovon gut ein Viertel Schwerbehinderte sind. In den Arbeitsbereichen Verkauf, Logistik und Werkstatt finden bis zu ein hundert Praktikanten oder Zusatzjobber eine vorübergehende Beschäftigung. Im Zuge der Anpassung an die Veränderungen in der Sozialgesetzgebung sind im Betrieb neue Tätigkeitsfelder entstanden. Unter anderem ein Gemüsestand, ein Kleiderzelt oder ein Büchercontainer. Zu den weiteren Betrieben gehören Eicas (siehe Art. Einkaufsservice) und Ad laborem (siehe Art. Integrationsbetrieb).             

Der Caritasverband stellt auch Ausbildungs- und Praktikumsplätze in den Bereichen Pflege und hauswirtschaftliche Dienste bereit. So im Pflegeheim Maria-Scherer-Haus und im Joseph-Bauer-Haus. Das Haus Maria Frieden dient als Ausbildungsstätte für die Berufe in der Altenpflege. 2004 erhielt der Mannheimer Verband für sein Engagement im Ausbildungsbereich eine Auszeichnung der Industrie- und Handelskammer.

Die Beschäftigungsförderung für unter 25-jährige Erwachsene firmiert die Bezeichnung Jump Plus. Das Netzwerk von Jump Plus macht auch möglich, dass sich der Caritasverband an einem Beschäftigungspaket für Ältere beteiligen kann, das vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales unter dem Namen Perspektive 50 Plus ins Leben gerufen wurde. Darüberhinaus hilft der Verband bei der Vermittlung von Zusatzjobs.

In Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft der Agentur für Arbeit und der Kommune (ARGE) unterhält der Caritasverband auch eine Jobvermittlung. In den Einrichtungen des Caritasverbandes arbeiten außerdem Mitarbeiter aus verschiedenen Projekten des Arbeitsamtes. Einige nutzten auf diese Weise ihre Chance, so dass der Caritasverband ihnen die freiwerdenden Stellen als ein reguläres Beschäftigungsverhältnis anbieten konnte. Eine Jobbörse in den Stadtteilen Seckenheim und Schönau ist ein Pool an Stellengesuchen und Stellenangeboten, bei dem eine wohnortnahe Stellenvermittlung  im Vordergrund steht. Das Bildungszentrum Hallescher Straße dient als eine Anlaufstelle für die Teilnehmer aus dem Maßnahmenkatalog der neuen Sozialgesetzgebung.

[1] Statistisches Bundesamt  (Zugriff am 16.2.2009)

[2] Statistisches Bundesamt  (Zugriff am 16.2.2009)

[3] Statistisches Bundesamt  (Zugriff: 16.2.09)

[4] Arbeitsmarktreport der Agentur für Arbeit für Mannheim (Zugriff: 18.2.2009)

Autor: Gregor Starosczyk-Gerlach

Stark mit den Schwachen Caritas Mannheim

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