Arbeitsgelegenheit

Eine Arbeitsgelegenheit ist besser unter der Bezeichnung "Ein Euro Jobs" bekannt. In der geltenden Sozialgesetzgebung ist sie als eine Hilfe für Arbeitslose konzipiert, um ihnen den Einstieg ins Arbeitsleben zu ermöglichen. Eine Arbeitsgelegenheit darf nicht in Konkurrenz zu regulären Arbeitsplätzen angeboten werden und muss einen gemeinnützigen Charakter haben. Die „Ein-Euro-Jobs“ werden bei Gemeinden, Vereinen, Kirchen oder Wohlfahrtsverbänden eingerichtet.

Den Unternehmen, die solche gemeinnützigen Arbeitsplätze zur Verfügung stellen, zahlt der Staat einen Zuschuss, von dem sie als Träger der Maßnahme den Arbeitslosen bezahlen. Von dieser Summe entrichtet der Betroffene den Mehraufwand, zum Beispiel das Fahrgeld. Den Betrag, der ihm am Ende übrig  bleibt, gilt als eine zusätzliche Einnahme – er wird nicht auf das Arbeitslosengeld II angerechnet. Bei einem  „Ein-Euro-Job“ entsteht indes kein Arbeitsverhältnis im Sinne des Arbeitsrechts. Die Arbeitszeit wird zumeist auf maximal 30 Arbeitsstunden pro Woche limitiert. Genauso ist die Dauer der Beschäftigung zeitlich befristet.

Internationalisierung des Arbeitsmarktes

Durch die Internationalisierung des Arbeitsmarktes muss der Arbeitnehmer in Deutschland mit Arbeitnehmern in den ehemals kommunistischen Ländern und in Asien konkurrieren. Viele Unternehmen verlagern gering qualifizierte Tätigkeiten nach Osteuropa oder Asien. Dieser Mechanismus des Arbeitsmarktes trifft hierzulande vor allem Personen, die über keine besondere berufliche Qualifikation verfügen. Für Geringqualifizierte gibt es in Deutschland immer weniger Arbeit. Aus dieser Perspektiver ist die Arbeitslosigkeit zuallererst eine Folge mangelnder Qualifikation.

Wer arbeitslos ist, sieht sich auf lange Sicht mit erheblichen Belastungen konfrontiert. Zum Einen führt die Arbeitslosigkeit in die Abhängigkeit von Sozialleistungen. Mit ihnen sichert der Staat lediglich das Existenzminimum. Die Höhe der Leistungen begrenzt die Möglichkeiten der Familien am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Die schwierigen sozialen Umstände belasten zum Anderen auch die Psyche der Betroffenen. Durch die mangelnde Wertschätzung, die ein Arbeitsloser erfährt, sinkt seine Selbstachtung. In den Familien kommt es zu Spannungen. Viele Arbeitslose leiden unter Depressionen oder Apathie. In Einzelfällen sind sie selbstmordgefährdet. Die psychischen Belastungen und die finanziellen Einschränkungen wirken sich negativ auf die Startchancen der Kinder aus.

Wer erhält die ergänzenden Zahlungen

Die gesetzliche Beschäftigungsförderung richtet sich an Arbeitslose, die das Arbeitslosengeld II beziehen und keine Arbeit finden können. Der zweite Paragraph im zweiten Sozialgesetzbuches beinhaltet den Grundsatz: "Wenn eine Erwerbstätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt in absehbarer Zeit nicht möglich ist, hat der erwerbsfähige Hilfebedürftige eine ihm angebotene zumutbare Arbeitsgelegenheit zu übernehmen." Mit dem Angebot will der Gesetzgeber vor allem die jungen Arbeitslosen erreichen.  

Arbeitslosenzahlen

 Die Arbeitslosenzahl lag nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit im Dezember 2008 in Deutschland bei 3,48 Millionen. Im Januar 2009 befanden sich gut 288 000 Personen in Arbeitsgelegenheiten, davon 89 Prozent in Arbeitsgelegenheiten der Mehraufwandsvariante und 11 Prozent in der Entgeltvariante. Binnen Jahresfrist stieg die Zahl der Geförderten um zwei Prozent. Im Januar haben 69.200 Personen eine Arbeitsgelegenheit angetreten. Es waren drei Prozent weniger als im selben Monat des Vorjahres. Aktuelle Zahlen veröffentlicht die Bundesagentur für Arbeit.

 

Position des Deutschen Caritasverbandes

Mitgestaltung der Gesellschaft

Gemäß seinem Leitbild gestaltet der Caritasverband die Sozial- und Gesellschaftspolitik im Staat mit. Im Leitbild des Verbandes heißt es: „Deshalb übernimmt der Deutsche Caritasverband Mitverantwortung für die Entwicklung bedarfsgerechter sozialer Infrastrukturen. (…) Er wirkt im Gesundheits-, Sozial-, Erziehungs-, Bildungs- und Beschäftigungsbereich an der Sicherung einer flächendeckenden Grundversorgung der Bevölkerung mit.“

Da die ergänzenden Zahlungen zum Arbeitslosengeld II vorrangig gemeinnützigen Aufgaben vorbehalten sind, kommt dem Caritasverband hier eine besondere Aufgabe zu, sogenannte Ein-Euro-Jobs einzurichten. Den Empfängern von Arbeitslosengeld II will der Verband im sozialen Bereich Arbeitsmöglichkeiten anbieten, die sinnvoll sind und ihren jeweiligen Fähigkeiten entsprechen. Auf diese Weise soll den Betroffenen der Zugang zum ersten Arbeitsmarkt erleichtert werden. Sie sollten allerdings vor der Annahme einer Arbeitsmöglichkeit zwischen mehreren Angeboten wählen können. Das ermöglicht dem Arbeitslosen, sich in einem gewissen Umfang frei für einen Arbeitsplatz zu entscheiden.  

Christliche Motivation

Als das Christentum ins römische Reiche gelangte, stieß es auf eine Sozialordnung, die Arbeit ganz anders bewertete als die heutige Gesellschaft. Handarbeit war in der Antike die Sache der Sklaven und der einfachen Leute. Der Bürger und die höheren Schichten fühlten sich nicht für die Handarbeit geboren. Die Bibel kennt eine andere Ethik. Paulus ist stolz darauf, dass er seinen Lebensunterhalt als Zeltmacher verdient. An die Thessalonicher schreibt er:

„Ihr selbst wisst, wie man uns nachahmen soll. Wir haben bei euch kein unordentliches Leben geführt, und bei niemand unser Brot umsonst gegessen; wir haben uns gemüht und geplagt, Tag und Nacht haben wir gearbeitet, um keinem von euch zur Last zu fallen. Nicht als hätten wir keinen Anspruch auf Unterhalt; wir wollten euch aber ein Beispiel geben, damit ihr uns nachahmen könnt.“ [2.Thess. 3, 7-9.]

Paulus fordert auf:

„Tut eure Arbeit gern, als wäre sie für den Herrn und nicht für Menschen; ihr wisst, dass ihr vom Herrn euer Erbe als Lohn empfangen werdet. Dient Christus, dem Herrn!“ [Kol 3,22-23]

Im 1. Timotheusbrief ist ein einfacher Grundsatz aufgestellt:

„Denn die Schrift sagt: Du sollst dem Ochsen zum Dreschen keinen Maulkorb anlegen, und: Wer arbeitet, hat ein Recht auf seinen Lohn“. 1.Tim. 5, 18

Die antike Überheblichkeit, dass Handarbeit den Gebildeten nicht zumutbar sei, hat Benedikt von Nursia mit seiner Ordensgründung überwunden. Die Arbeit der Mönche plante er in den Tagesablauf ein, denn Benediktinerklöster ernähren sich bis heute selbst. Ora et Labora („bete und arbeite“) haben seitdem das Abendland geprägt.

Die katholische Soziallehre sagt über das Verhältnis des Menschen zur Arbeit: Die Menschen haben ein Anrecht darauf und eine Verpflichtung dazu. Sie sollen Möglichkeit bekommen, ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten zum Wohl der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen. Das II. Vatikanische Konzil erklärt, warum die menschliche Arbeit den Vorrang vor allen anderen Faktoren des wirtschaftlichen Lebens hat. Sie ist der unmittelbarer Ausfluss der Person, die den stofflichen Dingen ihren Stempel aufprägt und sie ihrem Willen dienstbar macht.

„Durch seine Arbeit erhält der Mensch sein und der Seinigen Leben, tritt in tätigen Verbund mit seinen Brüdern und dient ihnen; so kann er praktische Nächstenliebe üben und seinen Beitrag zur Vollendung des Schöpfungswerkes Gottes erbringen. Ja wir halten fest: Durch seine Gott dargebrachte Arbeit verbindet der Mensch sich mit dem Erlösungswerk Jesu Christi selbst, der, indem er in Nazareth mit eigenen Händen arbeitete, der Arbeit eine einzigartige Würde verliehen hat." (Gaudium et spes, 67).

 

Caritasverband Mannheim

 

Im Bereich der Arbeitsgelegenheit ist das primäre Ziel der angebotenen Tätigkeit, den arbeitslosen Menschen so zu qualifizieren, so dass er eine Arbeit auf dem ersten Arbeitsmarkt bekommt.  Auf dem Hintergrund der neuen Sozialgesetzgebung und in Entsprechung zum ihrem Leitsatz „Fördern und Fordern“  engagiert sich der Caritasverband Mannheim als Kooperationspartner der Bundesagentur für Arbeit und der Stadt Mannheim. Das gemeinsame Ziel ist, Arbeitssuchenden wieder den Weg zu einer geregelten Arbeit zu eröffnen. Dabei geht es um die Würde des Menschen, dem man Arbeit zutraut und der für seine Arbeit ein Entgelt erhält. Mit seinen Angeboten erreicht der Verband bisher im Durchschnitt circa 600 Personen pro Jahr.

Arbeitsgelegenheiten gibt es unter anderem im Bereich der Verkaufs- und Transporthilfe, Hilfe bei der Aufbereitung von Secondhand Materialien für den Verkauf, Hilfe bei Hausmeistertätigkeiten und der Pflege von Gartenanlagen, Hilfe bei er Freizeitgestaltung für Senioren. Zudem beteiligt sich der Caritasverband am bundesweiten Projekt Stromsparcheck. Arbeitsgelegenheiten führen in einkommenschwachen Haushalten einen Check durch, um einen Beitrag zum Stromsparen zu leisten und die Haushalte entsprechend finanziell zu entlasten.  

Zur Zielgruppe, an die sich die Arbeitsförderungsprogramme des Verbandes richten, gehören Langzeitarbeitslose, arbeitslose ältere Menschen, Schwerbehinderte, psychisch Kranke, arbeitslose Jugendliche, Alleinerziehende, die Sozialhilfe erhalten, und Migranten sowie Frauen, die nach der Familienphase den Wiedereinstieg in das Berufsleben suchen.

Arbeitsgelegenheit mit Mehraufwandsentschädigung

Um einen positiven Abschluss des Prozesses der Qualifizierung von arbeitslosen Personen zu erreichen, stellt der Caritasverband Mannheim die Strukturen eigener Betriebe zur Verfügung. Neben dem Instrument der Arbeitsgelegenheit mit Mehraufwandsentschädigung, dem so genannten „Ein-Euro-Job“, nutzen die Mitarbeiter der Caritas auch die anderen Werkzeuge der gesetzlichen Arbeitsförderung. Während der Tätigkeit als ein „Ein-Euro-Jobber“ haben sich bisher einige Arbeitslose bewährt, so dass der Caritasverband ihnen eine Festanstellung in eigenen Einrichtungen bei frei gewordenen Arbeitsplätzen anbieten konnte.

Arbeitsgelegenheit in der Entgeltvariante

Ein weiteres Instrument, das der Verband einsetzt, ist die Entgelt-Variante der Arbeitsgelegenheit. Die Beschäftigten sind in diesem Fall sozialversicherungspflichtig. Sie erhalten einen Lohn, den die Arbeitsgemeinschaft der Agentur für Arbeit und der Kommune (ARGE) an den Caritasverband überweist.

Jump Plus

Zusätzliche unterstütz der Caritasverband junge Menschen unter 25 Jahren durch das Programm Jump Plus. Durch eine intensive sozialpädagogische Begleitung werden sie in Praktika begleitet, um an den Arbeit- und Ausbildungsmarkt herangeführt zu werden. Zu diesem Programm zählen unter anderem Bewerbungstrainig, Einführung in die Kenntnisse der elektronischen Datenverarbeitung, Sprachkurse und Weiterbildungen.

Autor: Gregor Starosczyk-Gerlach

Stark mit den Schwachen Caritas Mannheim

Caritas Mannheim

Das Caritas-Lexikon informiert Sie ├╝ber die Arbeit der Caritas in Mannheim.