Arbeit für psychisch Kranke

Arbeit bedeutet für Menschen mit einer psychischen Erkrankung, dass der Tag und die Woche einen stabileren Rhythmus bekommen. Weiter vermittelt Arbeit soziale Kontakte. Sie ist zugleich eine Herausforderung, für deren Bewältigung die Betroffenen auf Unterstützung angewiesen sind. Arbeit für Menschen mit einer psychischen Belastung dient vorrangig ihrer gesellschaftlichen Integration. Ihre Arbeitsleitung kann daher nicht unter dem Gesichtspunkt der Effektivität gesehen werden, mit der sie ihre Einkommenssituation maßgeblich verbessern könnten.   

Die Gefahr der Ausgrenzung

Psychisch Kranke sind mehr als Menschen mit einer körperlichen Behinderung beeinträchtigt, eine regelmäßige Arbeit zu verrichten. Zudem sind sie noch mehr als Körperbehinderte Vorurteilen ausgesetzt. Zudem stoßen Menschen mit einer seelischen Erkrankung weniger auf Verständnis als Körperbehinderte. Erschwerend kommt hinzu, dass sich Arbeitgeber scheuen, diese Menschen einzustellen, weil sie sich mehr als bei Menschen mit einer Körperbehinderung überfordert sehen.

Die Bewältigung der täglichen Aufgaben stellt Menschen mit einer geistigen Behinderung bzw. einer seelischen Erkrankung bereits vor große Probleme. Dem entsprechend steigt der Bedarf an fremder Unterstützung im Hinblick auf die Ordnung, Körperhygiene und die Organisation des Haushaltes mit dem Grad der Erkrankung.

Seelisches Leiden wird häufiger

In Deutschland lebten Ende 2007 1,3 Millionen Menschen mit einer psychischen oder seelischen Behinderung oder Erkrankung.[1] Nur jeder Zehnte von ihnen im erwerbsfähigen Alter geht einer bezahlten Beschäftigung nach. Außerdem nimmt die Zahl der Personen, deren Leiden eine seelische Ursache hat, zu. Der Gesundheitsbericht des Bundes aus dem Jahr 2006, „Gesundheit in Deutschland“, stellt fest, dass 15 Prozent der weiblichen und acht Prozent der männlichen Bundesbürger innerhalb eines Jahres eine depressive Phase durchleben. Jede fünfte Frau und beinahe jeder zehnte Mann erleben im selben Zeitintervall eine Angststörung. [2] 

Ursachen

Die Ursachen einer psychischen Erkrankung können vererbt sein. Jedoch ist die genetische Disposition nur ein Faktor. Bei der am meisten zunehmenden Erkrankungsform, der Depression, trägt der genetische Faktor nur 10 Prozent zur Erkrankung bei. Ein wichtiger Faktor sind seelische Verwundungen, die aus Trennungen, Mobbing und Versagensängsten resultieren. Hinzu kommt die Beschleunigung der Arbeitsabläufe, die Flexibilisierung der Arbeitszeiten. Auch die daraus folgenden Schlafprobleme sind krankheitsfördernd. Sie führen zu Burnout, das für die meisten Betroffenen zu einer durch Serotoninmangel bedingten Depression führt. Fehlendes Serotonin, ein Neurotransmitter, ist Ursache von Depressionen.

Zugleich wird es immer schwieriger,  Menschen mit einer psychischen Belastung  auf dem Arbeitsmarkt zu integrieren . Da durch die Umstrukturierung von Firmen, Arbeitsplatzverlagerungen und  Arbeitsplatzabbau die Sinnhaftigkeit der eigenen Arbeitsleistung immer häufiger infrage gestellt wird, kann dies zu einem Sinnverlust führen, der in einer an Arbeit und Leistung orientierten Gesellschaft als besonders gravierend erfahren wird.

Erfahrungen der Caritasarbeit 

Der Caritasverband sieht seine Aufgabe darin, den kranken wie den behinderten Menschen ein möglichst normales Leben zu ermöglichen. Lange Erfahrungen zeigen, dass durch gezielte Förderung psychisch belastete Menschen ihr Leben wieder  selbständig in die Hand nehmen können und zu einer besseren Lebensqualität finden. Regelmäßige Arbeit unterstützt die Stabilisierung erheblich. Arbeit ist daher ein sehr wichtiger Faktor zu einem  selbstbestimmten Alltag. Qualifizierte Fachkräfte sind notwendig, damit  Menschen nach einer psychiatrischen Erkrankung  und Menschen mit einer geistigen Behinderung zu einem Arbeitsrhythmus finden und Arbeitsaufgaben selbständig erledigen können.

Gesetzliche Grundlagen

Die gezielte, durch Fachkräfte unterstützte Arbeitstätigkeit von Menschen mit einer geistigen Behinderung sowie die Rehabilitation psychisch Kranker werden durch die Sozialgesetzgebung inzwischen abgesichert. Konkrete politische Forderungen der Caritas zielen insbesondere auf die Mitgestaltung des Sozialstaats, in dem die staatliche Administration und der Staat eher dazu tendiert, die Selbstbestimmung und die Selbstheilungskräfte behinderter und psychisch kranker Menschen einzuschränken. Die selbstorganisatorischen und fachlichen Ziele der Verbandsarbeit sind kein Selbstzweck, sondern orientieren sich am Bedarf der Betroffenen.

Details siehe: "Ziele für die Arbeit für und mit Menschen mit Behinderungen"

Siehe auch: Positionspapier "Selbstbestimmung"

Christliche Motivation

Über Generationen hinweg konnte man sich die psychischen Leiden nicht erklären und deutete die Phänomene als Einwirkung böser Geister. Psychisch Kranke werden zwar heute nicht mehr verdächtigt, dass sie unter dem Einfluss von Dämonen stehen. Aber meist gehen die Menschen auf Distanz zu ihnen. Das ist zu einem Teil dadurch erklärlich, dass die Reaktionen dieser Kranken verunsichern. So wurden sie bis in die Moderne oft nur „weggesperrt“ und nicht selten angekettet.

Die christliche Religion zieht  aus dem Verhalten Jesu gegenüber diesen Außenseitern eine wichtige Konsequenz. Jesus hat sich der Besessenen, den psychisch Kranken seiner Zeit, angenommen, er hat sie nicht verteufelt, sondern wie auch Menschen mit körperlichen Gebrechen, geheilt.

Sie kamen zu Jesus und sahen bei ihm den Mann, der von der Legion Dämonen besessen gewesen war. Er saß ordentlich gekleidet da und war wieder bei Verstand. (Mk. 5, 15.)

Im Mittelalter waren es die Begarden, die sich als erste der psychisch Kranken angenommen haben. Sie leben in den Alexianern fort, die heute im Westen Deutschland viele Einrichtungen für Geistig Behinderte betreuen.

 

Einrichtungen und Hilfsangebote des Caritasverbandes Mannheim


Option für die größtmögliche Selbständigkeit

Die größtmögliche Selbständigkeit der Betroffenen zu erreichen, ist das Ziel der Arbeit im Caritasverband Mannheim. Zum Einen geschieht das durch Arbeitsvermittlung in eigene Betriebe. Mögliche Arbeitsplätze stehen zur Verfügung:

Auch in den Arbeitsbereichen von St. Anna-Haus und  Monikaheim (tagesstrukturierende Angebote)  können psychisch erkrankte Menschen  unter möglichst realistischen Bedingungen einer Arbeit nachgehen. Der Verband gehört darüberhinaus zu den Gesellschaftern einer Werkstatt für Behinderte.

Betreutes Wohnen

Um den Tagesrhythmus auch außerhalb der Arbeitszeit zu unterstützen ist in den Wohnheimen St. Anna-Haus und Monikaheim eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung  gegeben.  Im durchlässigen Betreuungsverbund des Caritasverbandes Mannheim e.V. für psychisch erkrankte Menschen bietet das betreute Wohnen alleine oder in Wohngemeinschaften mit mehreren Bewohnern eine weitere Möglichkeit. Dafür stehen im St. Anna-Haus 22 Appartements und im Wohnhaus der Frank-Herrmann-Stiftung acht weitere Wohnungen zur Verfügung. Im Albert-Stehlin-Haus in Neckarau, gibt es ebenfalls sechs Plätze für Betreutes Wohnen.

Das Betreute Wohnen soll – soweit möglich – in Selbständigkeit münden. Deshalb hat der Caritasverband das selbständigen Wohnen als ein Angebot in das Betreuungsprogramm aufgenommen. Die Betreuung nehmen ambulante Fachkräfte wahr. So können die Bewohner in der Bruchsaler Straße ihre vorhandene, aber durch die Krankheit verschüttete Lebensselbständigkeit wieder erproben und weiterentwickeln. In Kooperation mit dem Sozialpsychiatrischen Dienst bietet der Verband weitere sechs Betreuungsplätze für alleinlebende psychisch beeinträchtigte und erkrankte Menschen in deren Wohnungen an.

HIlfen bei der Strukturierung des Tagesablaufs

Im St. Anna-Haus ist neben den Wohneinrichtungen für psychisch erkrankte Menschen auch die sozialpsychiatrische Tagesstätte Mannheim-Süd untergebracht. Ihre Räume stehen als ein freier und offener Treffpunkt für  psychisch Erkrankte, die in Rheinau, Neckarau und Umgebung wohnen, von Montag bis Freitag, von 10 bis 13 Uhr,  und  Dienstag und Mittwoch, von 14.30 bis 17, Uhr zur Verfügung. Hier können sich Besucher auch ein Zubrot verdienen, wenn sie Tätigkeiten im Pfortendienst, im Cafe, beim Getränkeverkauf, als Fensterreiniger oder im Hauswirtschaftsbereich übernehmen. 

Eine ambulante Beratung und Hilfe für chronisch psychisch Kranke stellt der Caritasverband im sozialpsychiatrischen Dienst zur Verfügung. Diese kostenlose Dienstleistung unterhält eine Arbeitsgemeinschaft, der neben dem Caritasverband Mannheim, der Diakonieverein im Diakonischen Werk Mannheim, die Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Mannheim-Stadt und das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim angehören.

 

Links:

www.lebenshilfe.de

 

 

[1] Statistisches Bundesamt, Link: http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/Sozialleistungen/BehinderteKriegsopfer/Tabellen/Content75/GeschlechtBehinderung,templateId=renderPrint.psml (Zugriff am 15.2. 2009)

[2] Gesundheit in Deutschland. Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Red. Cornelia Lange, Thomas Ziese, Robert Koch-Institut [Hg], Berlin, Juli 2006, S. 29.

Autor: Gregor Starosczyk-Gerlach

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