Pausen und Längen

Pausen haben dramaturgisch die Funktion, etwas zu betonen. Betont wird das, was nach der Pause kommt. Ein Thriller ohne solche dramaturgisch eingesetzten Pausen ist undenkbar. Wird die Pause dramaturgisch nicht richtig eingesetzt, wird sie einfach zur leeren Zeit und wirkt nur als unnötige Länge oder, noch schlimmer, die Feiernden haben das Gefühl, der Zelebrant habe den Faden verloren. Da ein Gottesdienst nicht mit Spannungselementen wie ein Film arbeitet, lenken Pausen meist von der Feier ab. Denn auch der Ablauf der Messe ist so angelegt, dass etwas geschieht, aber es werden keine Spannungselemente eingesetzt: Ein Lied setzt ein, eine Lesung beginnt, die eucharistischen Gaben werden erhoben, die Menschen gehen nach vorne, um die hl. Kommunion zu empfangen. Wenn vor diesen Einsätzen Pausen eingefügt werden, entsteht keine Spannung. Blättert die Lektorin im Lektionar, schaut sie den Text noch mal an, als hätte sie sich nicht vorbereitet, schaut sie auf und dann wieder ins Buch, entsteht keine Spannung, sondern nur das Gefühl: „Warum fängt sie nicht endlich an!“ Denn jeder weiß, dass eigentlich jetzt die Lesung zu Gehör gebracht werden sein soll. Für die Aufmerksamkeit der Gemeinde wäre es am besten, das Lektionar wäre aufgeschlagen oder, wenn es aufgeschlagen wird, liegt das Band in der richtigen Seite, ohne dass sich die Lektorin vergewissert, ob sie auch die richtige Lesung lesen wird. Sie sollte vielmehr auf die hintersten Bänke schauen, die dort Sitzenden zum Zuhören gewinnen und dann anfangen. Kürzere Pausen gliedern den Text in Sinnabschnitte, so wie die Texte im Lektionar gesetzt sind. Nach der Lesung betont eine kurze Pause die Bedeutung des Gelesenen. Es wird nicht gleich das „Wort des Herrn“ angeschlossen, als gehörte dieser Ruf zur Lesung.

Ein Beispiel, wie Pausen die Spannung erhalten, ist das Psalmengebet. Wenn der Psalm im Wechsel gebetet wird, dann wird die Pause nicht am Ende, sondern in der Mitte zwischen zwei Versen eingehalten, der Wechsel von einem Chor der Beter zum anderen geschieht ohne Pause, denn diese Pause würde als Verzögerung und damit als Länge erlebt.

Länge der Pausen
Am besten, Lektoren, Fürbittsprecher und der Zelebrant machen Pausen im Rhythmus des Ein- und Ausatmens. Einmal ein- und ausatmen ist eine gute Pause.

Orte für Pausen

Eröffnung
Nach der Einladung zum Sündenbekenntnis zwei Atemzüge.

Vor dem Tagesgebet nach dem „Lasset uns beten“ zwei Atemzüge, denn es wird ja eine Gebetsaufforderung ausgesprochen.

Wortteil
Vor dem „Wort des lebendigen Gottes“ und „Evangelium unseres Herrn Jesus Christus“ ein Atemzug.

Wenn das Evangeliar nach dem Verlesen an einen Platz gebracht wird, ist keine weitere Pause nötig, sonst zwei Atemzüge.

Nach der Predigt hat eine längere Pause Platz. Damit sie nicht durch Hüsteln ungeduldiger Gottesdienstbesucher abgebrochen wird, sollte sie mit Musik unterlagt sein.

Eucharistieteil
Nach den Fürbitten sollte zuerst der Altar bereitet werden. Währenddessen bleibt der Zelebrant sitzen. Wenn die Gaben zum Altar gebracht werden, steht er auf.

Für das Hochgebet sind Pausen zwischen den einzelnen Gebeten und beim Gedächtnis innerhalb des Gebetes der Verstorbenen von einer Atemlänge angemessen.

Die Pause zum Abschluss des Hochgebets folgt nach dem „Durch ihn …“ so dass vor der Einleitung zum Vaterunser eine Pause liegt. Dann erfüllt das Vaterunser seine Funktion, die Gemeinde rekapituliert das im Hochgebet gepriesene Erlösungswerk und führt es fort!

Kommunionteil
Eigentlich wird der Vers zur Communio als Antiphon von den Gläubigen gesungen, weil die Verse so ausgewählt sind, dass sie die innere Einstellung zum Ausdruck bringen, mit der die Gläubigen Christus in der Gestalt des Brotes begegnen.

Wenn die Gläubigen an ihren Platz zurückgehen, brauchen sie eine Unterstützung für das stille Gebet. Das kann ein Orgelstück sein, das nicht zum Zuhören zwingt, sondern mitgehört werden kann.

Die Reinigung der Gefäße ist kein Teil der Messe, die Pause, die mit der Kelchreinigung häufig gemacht wird, zerstört den Rhythmus des Kommuniongangs, denn sie macht die Reinigung wichtiger als den Kommunionempfang, einfach weil sie, wenn sie nicht durch ein Lied überdeckt wird, durch die lange Pause eine deutliche Betonung des Putzens herstellt. Reinigen und Abräumen der Geräte wird durch die lange Pause deutlicher betont als der Kommunionempfang. Daher sollte die Reinigung der Gefäße nach der Messe erfolgen.

Aus Pausen werden Längen
Längen entstehen durch falsch gesetzte Pausen. Wenn z.B. der Priester an seinem Sitz, der Lektor am Ambo angekommen sind und nicht anfangen. Das Gefühl der Länge entsteht auch, wenn der Priester am Priestersitz angekommen ist und die Gemeinde nicht begrüßt, sondern erst jetzt das Eingangslied intoniert wird. Damit wird die Feier schon am Anfang gedehnt und die Spannung der Gläubigen sinkt. Bei Festveranstaltungen geht der Redner auch nicht ans Pult, um dann zu warten, bis das Trio sein Stück beendet hat, sondern er geht erst ans Pult, wenn die Musik verklungen ist.

Wartet der Zelebrant mit den Gebeten über die Gaben, bis die Kollekte abgeschlossen ist, entsteht keine Länge, sondern Dynamik und Konzentration auf den beginnenden Eucharistieteil.

Wartet der Organist aber nach der Kommunion mit der Intonation des Dankliedes, bis Ziborien und Kelch gereinigt sind, dann wird daraus keine dynamische Pause, sondern das Gefühl „hoffentlich ist er bald mit seinem Putzen fertig“. Die Reinigung der Gefäße sollte entweder so kurz sein, dass keine Pause entsteht oder sollte nach dem Gottesdienst erfolgen, jedenfalls nicht am Altar. Sonst wird der Altar zum Spültisch.

Autor: Dr. Eckhard Bieger SJ