Messopfer

Mit dem Opfer tritt der Mensch in eine nahe Beziehung zu Gott. Indem der Mensch etwas Wertvolles verbrennt, übereignet er es Gott. Ist der Zelebrant einer Messe damit ein Opferpriester und muss die Messe überhaupt als Opfer inszeniert werden?

Nach christlicher Überzeugung gibt es kein weiteres Opfer mehr, nachdem Jesus am Kreuz sein Leben hingegeben hat. Der Hebräerbrief stellt diese Überzeugung am ausführlichsten dar:

„Denn Christus ist nicht in ein von Menschenhand errichtetes Heiligtum hineingegangen, in ein Abbild des wirklichen, sondern in den Himmel selbst, um jetzt für uns vor Gottes Angesicht zu erscheinen; auch nicht, um sich selbst viele Male zu opfern, (denn er ist nicht) wie der Hohepriester, der jedes Jahr mit fremdem Blut in das Heiligtum hineingeht; sonst hätte er viele Male seit der Erschaffung der Welt leiden müssen. Jetzt aber ist er am Ende der Zeiten ein einziges Mal erschienen, um durch sein Opfer die Sünde zu tilgen.
Und wie es dem Menschen bestimmt ist, ein einziges Mal zu sterben, worauf dann das Gericht folgt, so wurde auch Christus ein einziges Mal geopfert, um die Sünden vieler hinwegzunehmen; beim zweiten Mal wird er nicht wegen der Sünde erscheinen, sondern um die zu retten, die ihn erwarten.“ Hebräerbrief, 9, 24-28

Aber in den Texten der Messe findet sich immer wieder der Opferbegriff. Der Altar ist ja nicht nur ein bloßer Tisch, sondern auch ein Opferstein. Ist es dann das Opfer Jesu, das auf dem Altar dargebracht wird? Die Messe hat eine innere Beziehung zum Opfer Jesu. Wenn der Priester die Worte Jesu wiederholt, die er am Abend vor seiner Hinrichtung über Brot und Wein gesprochen hat, dann hat er seinen Tod mit diesem Mahl verbunden:

„Als die Stunde gekommen war, begab er sich mit den Aposteln zu Tisch. Und er sagte zu ihnen: Ich habe mich sehr danach gesehnt, vor meinem Leiden dieses Paschamahl mit euch zu essen. Denn ich sage euch: Ich werde es nicht mehr essen, bis das Mahl seine Erfüllung findet im Reich Gottes.
Und er nahm Brot, sprach das Dankgebet, brach das Brot und reichte es ihnen mit den Worten: Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Tut dies zu meinem Gedächtnis!Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sagte: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird.“  Lukas, 22,14-16, 19-22

Es bestand lange Unsicherheit, ob in der Messe das Opfer Jesu wiederholt wird. Das wohl sicher nicht, aber es ist in den Gestalten von Brot und Wein gegenwärtig. Es ist der Auferstandene Jesus, der im Kyrie begrüßt und der in seiner Gemeinde anwesend ist. Ist der Zelebrant dann doch der, der das Opfer Jesu neu darbringt? Er verbindet das Opfer der Gemeinde mit dem Opfer Jesu. Das Opfer der Gemeinde besteht im Lob Gottes. Das bezieht sich auf eine Aufforderung des Paulus: Bringt Opfer des Lobes dar. Im Dank nähert sich die Gemeinde Gott, weshalb die Messe „Eucharistie“ – zu  Deutsch „Danksagung“ heißt. Der Opfercharakter der Messe findet auch darin Ausdruck, dass die Gläubigen für die Armen und den Unterhalt der Kirche etwas spenden, indem sie Lebensmittel mitbringen oder Geld in den Klingelbeutel werfen.

Dieses Opfer der Gemeinde wird im Hochgebet mit dem Opfer Christi verbunden. Dass hier der Dank und das Lob Gottes im Vordergrund stehen, zeigt bereits die feierliche Einleitung zum Hochgebet. In der Messe geht es nicht darum, zu opfern, damit wir in den Himmel kommen, sondern es geht um das Opfer Christi, für das wir danken. Er hat uns längst erlöst, bevor wir irgendein Opfer darbringen. Dafür danken wir. Weil Christus sich für uns Menschen geopfert hat, sind wir auch zum Opfer befähigt, ausgedrückt in dem Geldopfer für die Armen bis hin zum Einsatz für das Evangelium, das Martyrium. Das Wort heißt erst einmal nur „Bekenntnis für Christus“. Dass es tödlich enden kann, zeigen die vielen Märtyrer.

Autor: Dr. Eckhard Bieger SJ