Höhepunkt-Messe

Ist die Wandlung der Höhepunkt? Sie ist es noch immer im Empfinden vieler Katholiken. Das hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass sich viele nicht würdig fühlen, den Leib Christi in der Gestalt des gewandelten Brotes zu empfangen. Es liegt aber auch in der Frömmigkeitsentwicklung des Mittelalters begründet, die wir in den gotischen Kirchen noch sehen können. Die Kirchen sind voller Bilder, in den Glasfenstern, als Wandmalereien, Gemälde und Skulpturen. Auch die Messgewänder waren reich bestickt, selbst der Altartisch wurde mit Figuren ausgestattet. Die Menschen im Zeitalter der Gotik wollten „sehen“. Deshalb hob der Priester nach den Wandlungsworten die Hostie und den Kelch über seinen Kopf. Da er mit dem Rücken zu der Gemeinde zelebrierte, konnte er so das gewandelte Brot und den Kelch den Gläubigen „zeigen“. Die Scheu, zur Kommunion zu gehen, wurde erst Anfang des 20. Jahrhunderts durch die Initiative von Papst Pius X. überwunden. So löst die katholische Kirche wieder den Auftrag ein, den Jesus ihr mitgegeben hat, das Brot zu essen und den Wein zu trinken. Im Johannesevangelium betont Jesus die Notwendigkeit, das gewandelte Brot nicht nur anzuschauen, sondern zu essen: „Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, (ich gebe es hin) für das Leben der Welt. Da stritten sich die Juden und sagten: Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben? Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, das sage ich euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag. Denn mein Fleisch ist wirklich eine Speise und mein Blut ist wirklich ein Trank. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe in ihm.“ Johannes 6, 51-56,

Der Höhepunkt liegt also wie bei jeder gelungenen Dramaturgie kurz vor dem Ende, denn die Messe führt den einzelnen zu einer direkten Begegnung mit Christus. Diese Begegnung vollzieht sich aber nicht für den einzelnen allein. Auch gehört er nicht nur zur Gemeinschaft der Glaubenden, die sich zur Feier der Messer versammelt haben, sondern er ist auch mit der Gemeinschaft der Heiligen verbunden, die die himmlische Liturgie feiert. So sind die Kirchenräume deshalb mit der Darstellung von Heiligen ausgestattet, weil diese mit den Gläubigen feiern. Im Sanctus stimmt die Gemeinde ausdrücklich in den himmlischen Gesang mit ein.

Autor: Dr. Eckhard Bieger SJ