Die Dramaturgie der Hochzeitsfeier
1. Die Schwelle zur Liturgie überschreiten
Die Brautmesse beginnt nicht am Altar, sondern am Westeingang der Kirche. Der Vater führt die Tochter in die Kirche und übergibt sie damit dem Prozess, den die Liturgie gestaltet. Wenn Eltern dabei nicht von Emotionen bewegt sind, muss der Zelebrant skeptisch werden und das Thema deutlich ansprechen: für die Eltern ändert sich mit dem heutigen Tag Entscheidendes. Beobachtet er Emotionen, dann genügen der Ritus und die im Trauformular vorgesehenen Texte und Gebete.
Der Gang zum Altar ist notwendig, damit sich alle Beteiligten auf den Übergang in die neue Realität vorbereiten und am Altar dann bereit sind, den Übergang zu vollziehen, den die Feier bewirken soll.
2. Bearbeitung der Krise
In den meisten Liturgien wird die Krise dadurch bearbeitet, dass verlesene Texte nicht einfach exegetisch erklärt, sondern auf die an der Liturgie Teilnehmenden hin ausgelegt werden. Bei der Hochzeit zielt die Auslegung auf die neue Realität. Es genügt dabei nicht, sich nur an das Brautpaar zu wenden. Die Hochzeit vollzieht sich aus gutem Grund im öffentlichen Raum der Kirche und nicht in einem Hinterzimmer. Auch wenn die ganze Gemeinde nicht dabei sein muss, ein Paar, das im Raum der Kirche sich das Sakrament der Ehe gespendet hat, gilt dann auch außerhalb der Kirche als „verheiratet“. Das kann dann auch in der Zeitung angezeigt werden.
In der Auslegung müssen die Eltern, Geschwister und die Freundeskreise der Brautleute angesprochen werden, indem sie eingeladen werden, die neue Realität auch zu wollen und so die Partnerschaft der beiden nicht zu bekämpfen, sondern zu achten und ihre Beziehung zu den Brautleuten so umgestalten, dass jetzt zur Ehefrau der Ehemann, zum Ehemann die Ehefrau gehört. Man muss jetzt beide in das bisherige Beziehungsgefüge nehmen, ob man Freundin der Braut ist oder Mutter des Bräutigams.
3. Lösung der Krise
Die Krise wird durch das Jawort der Brautleute gelöst. Wenn hier starke Emotionen bei den Eltern der Brautleute, den Geschwistern und im Freundeskreis deutlich werden, ist das gut, denn es zeigt, dass der Ritus wirkt. Bedenklich wird es, wenn jemand während der Zeremonie aus der Kirche hinausgeht. Wichtig ist, dass der Zelebrant das Brautpaar allen als verheiratet vorstellt.
4. Die Lösung feiern
Der Ritus, der die Bewältigung der Krise feiert, kann in der Eucharistie bestehen. Das Brautpaar wird dann durch den Kommunionempfang besonders herausgehoben und damit feierlich, nicht mehr einzeln, sondern als Paar, Mitglied der Gottesgemeinde. Dabei sollte es jedoch nicht bleiben.
Wichtig ist das Foto, nicht nur des Paares, das die Kirche verlässt, sondern mit den Eltern und Geschwistern und dann möglichst mit der ganzen Hochzeitsgesellschaft. Um die Lösung zu feiern, wird in allen Kulturen ein feierliches Essen veranstaltet. Da das Hochzeitsessen zum Ritus gehört, kommt es auf bestimmte Elemente an. Folgendes muss beachtet werden:
Die Ars Celebrandi besteht also im Kern darin, die Krise zu bearbeiten und sie in einem Ritual zur Lösung zu führen. Dabei kann sich der Zelebrant an den 4 Schritten orientieren, durch die praktisch jeder Ritus die Beteiligten führt.
Autor: Dr. Eckhard Bieger SJ