Eröffnung

Der Gottesdienst beginnt mit dem Einzug. Wenn die Eingangsprozession im Chorraum angekommen ist, küsst der Zelebrant den Altar als Begrüßungszeichen für Christus, den der Altar repräsentiert. Dann begrüßt er die Gemeinde. Darauf folgt die Einführung in das Thema. In einer Sitzung würde der Vorsitzende das bzw. die Probleme nennen, die einer Lösung zugeführt werden müssen. Bei einem Fest würde der Anlass genannt, dass die Firma 50 Jahre alt ist, dass ein Preis verliehen, dass eine Fabrikhalle eingeweiht wird. Was ist aber das Thema der Eucharistiefeier? Sind es die Inhalte der Lesungstexte, ist es der Grundgedanke der Predigt? Die meisten Zelebranten scheinen anzunehmen, dass es um den Inhalt des Wortgottesdienstes geht. Sie nennen die Kernpunkte des Evangeliums und manchmal der Lesung und führen die Gottesdienstteilnehmer somit in eine Art Unterricht ein Der Unterricht handelt davon, Jesus richtig zu verstehen. Dass dann der Gottesdienst mit der Predigt und den anschließenden Fürbitten sein Ziel erreicht hat, spürt der Teilnehmende daran, dass der eucharistische Teil wie angehängt wirkt und mit der Gabenbereitung einen neuen Anfang finden muss. Mit der Verlesung des Evangeliums wird Christus bereits in seinem Wort und seinem Handeln gegenwärtig. Das begründet die Eigenständigkeit von Wort-Gottes-Feiern, Christus in seinem Wort zu begegnen. Aber warum ist der eucharistische Teil eigentlich der Hauptteil der Messe und die Wortverkündigung dann nur Hinführung zum eigentlichen Geschehen? Die Geschichte von den beiden Emmausjüngern erklärt das so: Kleopas und sein Gefährte kehren Jerusalem enttäuscht den Rücken, weil mit der Hinrichtung Jesu all ihre Hoffnungen zunichte gemacht wurden. Sie können Gott nicht verstehen, der seinen Gesalbten am Kreuz verenden ließ, ohne einzugreifen. Genau wie die beiden Jünger Jesu kommen die Menschen als „Ungläubige“ in den Gottesdienst. Sie sind zwar von der Existenz Gottes überzeugt und dass Jesus gelebt und gepredigt hat. Aber sie haben in der vergangenen Woche vieles erfahren, was nicht nur der Botschaft Jesu widerspricht, sondern auch dem Glauben, dass Gott die Geschicke lenkt und nicht eine widergöttliche Macht. Und sie sind selbst als Christen gescheitert, indem sie andere verletzt und die Gegenwart Gottes in ihrem Leben nicht ernst genommen haben. Das ist die Ausgangssituation – das, was misslungen ist und wo die einzelnen, auch der Zelebrant, versagt haben. Wie Jesus schaut auch der Zelebrant in der Bibel nach, wie Gott handelt und welchen Weg er die Menschen führt. Wenn dann „die Augen aufgehen“ sind alle für das Gedächtnismahl bereit und auf eine Begegnung mit Jesus in den Gestalten von Brot und Wein vorbereitet.

Die Gottesdienstteilnehmer werden in der Eröffnung nicht auf eine Lehrstunde eingestimmt, sondern dass sie unterwegs zu ihrem Ziel sind und mit den Widerständen und eigenen Niederlagen fertig werden müssen. So kann die Wandlung, die die Mitte des eucharistischen Gottesdienstes darstellt, zur Verwandlung der Gläubigen werden. Es geht in der Messe also nicht um Wissensvermittlung, sondern um Verwandlung in der Begegnung mit dem Auferstandenen. Dabei kann die Einführung einen Ausblick auf die Lesungstexte geben, aber nicht, indem die Kernaussagen vorweggenommen werden, sondern indem der Prediger am Beginn in Aussicht stellt, auf welche Frage die Texte eine Antwort geben. Oft ist es auch so, dass die Texte eine Frage an die Gläubigen beinhalten, in der sich die Frage Jesu wiederholt, die bei Heilungswundern überliefert sind: „Glaubst Du, dass …?“ Für die Eröffnung gibt es ein einfaches Raster, an dem sich der Zelebrant orientieren kann:

  1. Liebe Christen, liebe Schwestern und Brüder
  2. Wir kommen alle aus einer Woche, in der es Gutes gab, aber auch Schwieriges, eine Klassenarbeit, etwas ist uns im Beruf misslungen, und
  3. wir selbst haben Fehler gemacht, vielleicht sogar einen schweren Fehler, wir haben andere Menschen verletzt, haben jemand im Stich gelassen;
  4. vielleicht sind uns auch Zweifel gekommen, ob unser Leben wirklich in Gottes Hand ist;
  5. Die Lesung, das Evangelium greift unsere Frage, ob ……..; auf.
  6. Wir können jetzt mit unseren Fragen und Nöten und mit dem, wo wir gefehlt haben, vor Gott hintreten. Er nimmt uns auf, so wie wir heute hier sind.
  7. Bekennen wir unsere Schuld und lassen wir uns mit Gott versöhnen.

Autor: Dr. Eckhard Bieger SJ