Beziehung zu Gott

Ars celebrandi ist die Kunst, eine Liturgie zu leiten. Es ist eine Kunst, keine Wissenschaft. Deshalb wird hier ein kleines Kompendium vorgelegt, wie diese Kunst umzusetzen ist. Die Liturgiekunst bezieht den Raum ein, strukturiert die Zeit, innerhalb derer die Liturgie gefeiert wird, und nutzt die Künste, vor allem die Musik. Der Raum wird in der römischen Liturgie durch Prozessionen gestaltet. Die Gestaltung der Zeit ist Sache einer Dramaturgie. Die Musik gewinnt ihre dramaturgische Funktion vor allem durch den Wechselgesang. Entscheidend für die Kunst, Liturgie zu feiern, ist die Rolle der Teilnehmenden. Sie sollen nicht in der Zuschauerrolle bleiben, sondern durch tätige Teilnahme, actuosa participatio genannt, selbst zu Akteuren werden. Die Liturgie ist ein Kunstwerk, das die Beziehung des Menschen zu Gott zum Thema hat. In der Liturgie tritt der einzelne nicht für sich vor Gott, sondern in der Gemeinschaft des Volkes Gottes, in das er vom Geist Gottes geführt wurde.

Dass hier von einer Kunst gesprochen wird, soll die Vorbehalte gegen die Liturgie, die das II. Vatikanische Konzil konzipiert hat, aufheben. Die Sehnsucht nach der Tridentinischen Messe rührt ja wohl nicht von etwaigen Mängeln der neuen Liturgie, die sich an die Grundstruktur der römsichen Messe gehalten hat, sondern dass die Liturgie durch die Art ihrer Zelebration ihrer Feierlichkeit beraubt wurde. Offensichtlich ist der große Atem, der die römische Liturgie und die für sie gebauten Kirchenräume durchweht, ins Stottern geraten. Eine Ars celebrandi, die Kunst, eine Liturgie zu leiten, braucht den weiten Blick, die Einbeziehung des Raumes durch Prozessionen, die auf die Liturgie abgestimmte Musik und die Einbeziehung der himmlischen Dimension. Dann finden auch diejenigen, die bei der reformierten Liturgie die Feierlichkeit vermissen, den weit ausgreifenden Bogen wieder, der den Menschen nicht im Alltag verkümmern lässt.

Autor: Dr. Eckhard Bieger SJ