actuosa participatio

Die tätige Teilnahme

Anders als ein Film oder ein Theaterstück macht ein Ritus die Menschen nicht nur zu Zuschauern, sondern zu Teilnehmern. Zwar lassen ein Film oder ein Theaterstück  den einzelnen auch nicht unberührt. Wenn er sich mit dem Helden, der Heldin identifizieren kann, „geht“ er innerlich mit. In der Messe soll er aber selbst aktiv werden, denn im Gottesdienst wird nicht wie bei einem Jesusfilm oder der Matthäuspassion das Lebensschicksal Jesu dargestellt, sondern die Akteure sind die Gläubigen. Es geht zwar auch um die Wandlung von Brot und Wein, aber dies zielt auf die Wandlung jedes einzelnen. Er soll tiefer an das Heilswerk Gottes herangeführt werden, glauben können (Predigt) und Christus-förmig werden, um möglichst wie Christus zu denken, zu fühlen und zu handeln. Im Mittelalter, als der Aufbau der Messfeier nicht mehr gut verstanden wurde, hat man versucht, im Ablauf der Messe einzelne Begebenheiten aus dem Leben Jesu wieder zu erkennen. Aber der Messritus stellt nicht den Lebensweg Jesu dar, dieser wird, über das Jahr verteilt, durch die Lektüre eines Evangeliums vergegenwärtigt. In der Messe geht es um Wandlung der Nicht-Glauben-Könnenden zu Glaubenden, von einem, dem das Herz verschlossen ist, zu einem mit einem großen Herzen, von einem, der sich nicht traut, von Jesus zu sprechen, zu einem Zeugen Gottes, der in Jesus die Menschheit gerettet hat. Die tätige Teilnahme ist notwendig, damit der Glaubende verwandelt wird. Er begrüßt im Kyrie Jesus Christus und dann wieder im Halleluja-Gesang den im Wort des Evangeliums gegenwärtigen Christus, er stimmt, nachdem er durch die Lesungen und die Predigt tiefer in den Glauben eingeführt wurde, im Credo in den Glauben der Kirche ein. Bei der Gabenbereitung trägt er, indem er Geld in den Kollektenkorb legt, zum Leben und dem sozialen Engagement der Gemeinde bei. Im Sanctus- und Agnus-Dei-Gesang preist er Gott. Im Vater-Unser rekapituliert er das Hochgebet, um dann im Empfang des gewandelten Brotes Christus zu begegnen und sich dann, gestärkt, zu seinem Dienst und zur Verkündigung der Frohen Botschaft in die Welt zurückschicken zu lassen. Wie ermöglicht der Zelebrant diese aktive Teilnahme? Er muss der in der römischen Liturgie enthaltene Dramaturgie folgen.

Autor: Dr. Eckhard Bieger SJ