Pfingsten

Der Name leitet sich von „Fünfzig“ her, griechisch „Pentacoste“, im Französischen hat sich der Name erhalten „Pentecote“. Am 50. Tag nach dem Paschafest begingen die Juden das Gedächtnis an die Gesetzgebung und den Bundesschluß am Berg Sinai. Da die Christen Ostern immer an einem Sonntag feiern, während der Wochentag für das jüdische Paschafest variiert, fällt auch Pfingsten auf einen Sonntag.

Es ist wahrscheinlich, dass die Anhänger Jesu zum dem jüdischen Fest nach Je­rusalem gekommen waren und öffentlich aufgetreten sind. Vom zweiten Jahr­hundert an gibt es Hinweise, dass die Christen ein eigenes Pfingstfest feiern, das sich inhaltlich an den Berichten der Apostelgeschichte orientiert.

Pfingsten wurde wie Ostern zum Tauftag. In der Entwicklung des Festgedankens tritt eine Verschiebung ein, die das Fest aus dem Zusammenhang mit Ostern löst und es als Fest des Heiligen Geistes sieht. Von den biblischen Berichten ist Pfingsten jedoch als Abschluß der Osterzeit zu sehen. Die Ausgießung des Geistes ist eine Gabe des Auferstandenen und zugleich Beginn der Kirche und damit der christlichen Mission. Diese ursprüngliche Bedeutung des Festes wurde in der katholischen Kirche durch die Liturgiereform nach dem II. Vatikanischen Konzil wiederhergestellt. Während vorher Pfingsten parallel zu Ostern eine eigene Festwoche hatte, ist die Pfingstoktav (Oktav von lateinisch „acht“ die achttägige Feierwoche nach großen Festen) gestrichen worden. Die Osterzeit en­det mit dem Pfingstsonntag. Die orthodoxen Kirchen haben immer an dem ursprüngli­chen Zusammenhang von Ostern und Pfingsten festgehalten.

 

Die Ausgießung des Geistes

Die Apostelgeschichte (2,1-13) berichtet über außerordentliche Wirkungen des Geistes Gottes. Es ist ein Brausen zu hören; das Haus, in dem die Jünger Jesu sich versammelt hatten, wird davon erfüllt. Zungen wie von Feuer lassen sich auf die einzelnen nieder. Die Bevölkerung von Jerusalem eilt zusammen und hört die Jünger in verschiedenen Sprachen reden.

Wirkungen des Geistes werden im Neuen Testament nicht nur im Zusammenhang mit Pfingsten erwähnt. Auch das Alte Testament kennt vielfältige Hinweise auf das Wirken des Geistes Gottes. Bereits in der Taufe wird Jesus mit dem Heiligen Geist erfüllt. So wie Petrus im An­schluß an die Geistbegabung auftritt und predigt, lehrt auch Jesus "erfüllt von der Kraft des Geistes" (Lk 4,14). Von einer Geistbegabung der Jünger spricht auch das Johannesevangelium. Jesus haucht bei seiner Erscheinung am Ostertag abends die Jünger an und spricht: "Empfanget den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben, wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert" (Joh 20,22).

Der Geist gibt den Jüngern Jesu nicht nur Einsicht in die heilsgeschichtlichen Zusammenhänge, sondern auch Kraft und Mut, sich öffentlich zu Je­sus zu bekennen. Die Erfahrung von Freiheit und die neue Kraft zur Predigt werden auf dem Hintergrund des Alten Testamentes gesehen.

Gottes Geist erfüllt das Weltall (Weish 1,7) Der Geist Gottes als Atem verstanden, ist Ursprung des Lebens.

"Sendest du deinen Geist aus, so werden sie erschaffen" (Ps 104,30).

Die Propheten sind vom Geist Gottes erfüllt und getrieben, s. Num 11,25-29; 2 Sam 3,2; Jes 61,1; Sach 7,12.  Die Propheten sehen den Geist als Zeichen der kommenden Heilszeit. Der Geist läßt sich auf dem kommenden Messias nieder (Jes 11,2; 42,1; 61,1).

Der Geist aus der Höhe wird über Israel ausgegossen (Jes 32,15). In der messiani­schen Zeit wird der Geist nicht nur von einzelnen, von Königen und Propheten Besitz ergreifen, sondern alle werden die Gabe des Geistes erhalten.

 

"Ich schenke ihnen ein anderes Herz und schenke ihnen einen neuen Geist. Ich nehme das Herz von Stein aus ihrer Brust und gebe ihnen ein Herz aus Fleisch" (Ez 11,19)

 

Die Erfahrung, die die Jünger am Pfingsttag mit dem Geist machen, interpretieren sie als Er­füllung dieser alttestamentlichen Verheißungen. In der Predigt des Petrus am Pfingsttag (Apg 2,14-36) wird ausdrücklich der Prophet Joel zitiert:

 

Danach aber wird es geschehen, daß ich meinen Geist ausgieße über alles Fleisch.

Eure Söhne und Töchter werden Propheten sein, eure Alten werden Träume haben, und eure jungen Männer haben Visionen.

Auch über Knechte und Mägde werde ich meinen Geist ausgießen in jenen Tagen.

Ich werde wunderbare Zeichen wirken am Himmel und auf der Erde ... (Joel 3,1-3)

 

Gründung der Kirche

Mit dem Pfingstfest beginnt die öffentliche Predigt der Anhänger Jesu. Vorher waren sie verängstigt und trafen sich in der Furcht, als Anhänger Jesu verurteilt zu werden. Die Erfahrung des Geistes verändert sie. Die Jünger leben in dem Bewußtsein, dass die verheißene messianische Zeit angebro­chen ist. Die junge Kirche erwartet die Wiederkunft Christi in unmittelbarer Zukunft und damit die endgültige Aufrichtung des Reiches Gottes. Langsam, als die Erwartung nicht eintrifft, verschiebt sich die zeitliche Perspektive. Es geht erst einmal um die Missionierung der Welt. Ein erstes Dokument dieses neuen Denkens ist die Apostelgeschichte. Die Anhänger Jesu erhalten durch die Geistspendung Kraft und Befähigung, Zeugen der Messianität und Herrschaft Jesu zu sein. Sie treten offen in seinem Namen auf und predigen den Anbruch der messianischen Zeit.

So ist der Geist nach der Apostelgeschichte die treibende Kraft des Missionswerks der jungen Kirche. Er öffnet vor allem den Weg zu den Heiden. Von sich aus richten die Anhänger Jesu sich erst einmal an die Juden. Den ersten Heiden, der nicht vorher den jüdischen Glauben angenommen hatte, einen römischen Hauptmann, nimmt Petrus nach einer Vision in die Kirche auf (Apg 10,44-48; 15,8). Dass Christen, die vom Heidentum bekehrt wurden, nicht auf die Reinheitsvorschriften des Judentums verpflichtet wurden, formuliert das erste Konzil so: "Denn der Heilige Geist und wir haben beschlossen ..." (Apg 15,28). Der Geist bewegt Barnabas und Paulus zu ihren Missionsreisen (Apg 13,2) und treibt sie von Asien nach Europa (Apg 16,6-10). Die Kirche führt ihr Wirken auf den Einfluss des Heiligen Geistes zurück. Damit sind auch Aussagen verbunden, die konstitutiv für den einzelnen Christen sind:

 

Firmung und Pfingsten

Jeder Getaufte wird mit dem Heiligen Geist begabt, jeder Christ, nicht nur die religiösen Führer sind geistbegabt. "Wißt ihr nicht, daß ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?" (1 Kor 3,16; 6,19)

"Wir alle spiegeln mit enthülltem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn wider und werden so in sein eigenes Bild verwandelt, von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, durch den Geist Gottes." (2 Kor 3,18)

 

"Wenn Christus in euch ist, dann ist zwar der Leib tot aufgrund der Sünde, der Geist aber Leben aufgrund der Gerechtigkeit. Wenn der Geist dessen in euch wohnt, der Jesus von den Toten auferweckt hat, dann wird er, der Christus Jesus von den Toten auferweckt hat, auch euren sterblichen Leib lebendig machen durch seinen Geist, der in euch wohnt" Röm 8,10-11, s. auch das 8. Kapitel insgesamt

 

"Es ist der Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Ihr aber kennt ihn, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird .....

Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe" (Joh 14,17. 26)

 

Hinweise auf den Geistbesitz der Jünger Jesu ließen sich noch viele anführen. Die Kir­che sieht die Geistbegabung vor allem in den sakramentalen Handlungen der Taufe und der Firmung ausgedrückt. Ebenso werden die Diakonats-, Priester- und Bischofs­weihe als Geistbegabung verstanden. Die Geistbegabung wird schon in den neutesta­mentlichen Schriften von der Taufe unterschieden, (Apg 8,12-17; 10,44-48; 19,1-7; 1 Kor 12,13, 2 Kor 1,21; Tit 3,4-7; Gal 4,4-7; Joh 3,5) was sich bis heute kirchlich in der Konfirmation bzw. in der Firmung ausdrückt.

Die Geistbegabung wird auch "Salbung" oder "Handauflegung" genannt. Die Salbung (mit heiligem Öl) findet sich u.a. in 2 Kor 1,21 und 1 Joh 2,20-27, die Handauflegung in Apg 6,1-6; 13,3; 19,5; 1 Tim 4,14; 2 Tim 1,6; Hebr 6,2.

 

Die oben zitierten Texte aus dem Römerbrief und dem Johannesevangelium weisen, wie auch andere Stellen des Neuen Testamentes, darauf hin, dass Jesus im Wirken des Geistes gegenwärtig ist und sein Wirken durch den Geist fortsetzt. Der Glaube an Jesus ist geistgewirkt. Keiner, der aus dem Geist Gottes redet, sagt, "Jesus ist verflucht". Und keiner kann sa­gen "Jesus ist der Herr", wenn er nicht aus dem Geist Gottes redet. (1 Kor 12,3)

 

Spiritualität – Hören auf den Geist

Das Hören auf den Geist Jesu, sich von ihm bewegen zu lassen, wird damit zu einem Lebensprinzip der Christen, das viel subtiler ist als die Befolgung von Geboten und Ge­setzen.

 

"Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung ... Wenn wir aus dem Geist leben, dann wollen wir auch dem Geist folgen." (Gal 5,22 ff; 25)

 

"Beleidigt nicht den Heiligen Geist Gottes, dessen Siegel ihr tragt für den Tag der Erlösung." (Eph 4,30)

 

"Denn alle, die sich vom Geist Gottes leiten lassen, sind Söhne Gottes." (Röm 8,14)

 

Dieses Grundaxiom christlicher Lebensführung wurde vor allem in den Orden gepflegt. Das religiöse Leben wird "geistliches Leben" genannt, es gibt geistliche Lehrer, Spiri­tuäle, die Gesprächspartner für das geistliche Leben sind. Betont wird die Fähigkeit zur Unterscheidung der Geister, die in den Exerzitien des Ignatius von Loyola eingeübt wird.

 

Gaben des Geistes

Die Phänomene, die im Pfingstbericht der Apostelgeschichte erwähnt werden, eine be­sondere Bewegung, Brausen, Reden in fremden Sprachen, finden sich ähnlich auch an anderen Stellen des Neuen Testamentes. Im 1. Korintherbrief Kap. 12 setzt sich Paulus ausführlich mit diesem Phänomen auseinander. Paulus kennt folgende Geistes­gaben:

 

  • Gabe der Weisheit
  • Gabe der Glaubenskraft
  • Gabe, Krankheiten zu heilen
  • Wunderkräfte
  • Prophetische Rede
  • Fähigkeit, Geister zu unterscheiden
  • Zungenrede
  • Gabe, die Zungenrede zu deuten   (1 Kor 12,4-11. 28-31)
  • Gabe zu beten   (Röm 8,26)

 

Diese Vielfalt der Gaben, der Charismen, wird auf den einen Geist zurückgeführt und daraus eine Mahnung zur Einheit abgeleitet. In Korinth hatten sich Christen mit ver­schiedenen Begabungen gegenüber anderen profiliert, wohl besonders diejenigen, die die Gabe des Zungenredens besaßen, d.h. geistbegabtes Reden, das sich jedoch meist nicht in einer deutlichen Sprache artikuliert. Paulus relativiert diese Gabe und stellt sie neben die anderen Gaben (1 Kor 14,1-10).

 

Die jüdischen Wurzeln des Pfingstfestes

Die rabbinischen Kommentare zur Gesetzgebung am Sinai beschreiben ähnliche Phänomene wie der Pfingstbericht. Moses empfängt auf dem Berg Sinai das Gesetz aus der Hand Gottes. Der Berg ist in Wolken, Gott fährt im Feuer herab, er spricht zu Moses im Donner (Ex 19,16-19). In den Targumen, den rabbinischen Kommentaren, wird der Zusammenhang von Gottes Reden und dem Feuer betont. Die Worte Gottes sind wie brennende Pfeile und Feuerflammen, die Stimme ist als Feuer sichtbar, das sich in Zungen verteilt. Auch die Aussage, dass jedes Volk die Worte in seiner Sprache versteht, wird herausgestellt. Das Gesetz wurde am Sinai bereits allen Völkern verkündet.

Das Sprachenwunder wurde bereits von den Theologen der alten Kirche als Gegen­stück zur Sprachverwirrung im Bericht über den Turmbau von Babel gesehen (Gen 11,1-9). Der Geist bewirkt, dass die Menschen sich wieder verstehen. Diese Bezug­nahme liegt jedoch im Text der Apostelgeschichte noch nicht vor, da die Verschieden­heit der Sprachen durch den Geist nicht aufgehoben wird. Erst die christliche Bibelaus­legung hat die Verbindung beider Texte hergestellt. Der Bericht der Apostelgeschichte besagt eher, dass Menschen in allen Sprachen den Glauben ausdrücken.

 

Die im Pfingstbericht und im Korintherbrief genannten Phänomene - ekstatisches Spre­chen, Zungenreden, Krankenheilungen - sind auch in der Pfingstkirche sowie in den Pfingstbewegungen oder charismatischen Bewegungen der verschiedenen Kirchen be­kannt. 

Elemente dieser Bewegungen, öffentliches Beten, Gebetserhörungen, Beten über Kranke finden sich auch in den Show-Sendungen der sogenannten "electronic-churches" in den USA.

Autor: Dr. Eckhard Bieger SJ


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Adam und Eva 24.12.
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Allerseelen 2.11.
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Barbara und Lucia
Berg Karmel
Bescherbaum
Bitttage
Blasiussegen 03.02.
Buß- und Bettag
Chanukka u. Weihnachten
Christi Himmelfahrt
Christkönig
Christopherus 24.07.
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Dreifaltigkeitssonntag
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Erntedank
Fastenzeit
Frautragen
Fronleichnam
Gründonnerstag
Halloween
Heilige Familie
Herbergssuche
Herz Jesu Fest
Herz Maria
Himelskreislauf-Zodiakus
Hochzeit zu Kana
Hundstage 23.07. – 24.08.
Jahreskreis
Jakobus der Ältere 25.07.
Jerusalemer Marienfest
Johannes, Apostel 27.12.
Johannes d. T. 24.06.
Josefstag, 19. März
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Karneval und Fastnacht
Kartage, Karwoche
Kirchweihfest und Kirmes
Kreuzerhöhung 14.09.
Krippe
Krippenspiele
Lichtmess 02.02.
Lourdes Gedenktag
Mariä Heimsuchung
Mariä Verkündigung
Maria Geburt
Maria Himmelfahrt 15.08.
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Maria Namen
Maria Schnee
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Mutterschaft Mariens
Muttertag
Narr
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Nikolaus 6. Dezember
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Osterkerze und Osterlicht
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Osterlamm
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Ostern
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Osterwasser und Taufe
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O Antiphonen
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Pfingsten
Pfingstochse
Pfingstritt
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Rosenkranzfest
Rosenmontag
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Silvester 31.12.
Stephanstag 26.12.
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