Herz Jesu Fest

am dritten Freitag nach Pfingsten

 

In der Herz-Jesu-Frömmigkeit hat sich eine spezifische katholische Religiosität und Kirchlichkeit ausgeprägt, die seit dem 19. Jahrhundert gepflegt wurde. Eine auf Leid und Sühne hin orientierte Religiosität leitet sich vom Leiden Jesu her. Daher wird das Herz Jesu Fest an einem Freitag gefeiert. Verehrt wird das durchbohrte Herz des Gekreuzigten, der Sühne für die Sünden der Menschen geleistet hat. Durch die Herz-Jesu-Freitage wurde die Frömmigkeit über das Jahr hinweg wachgehalten. An jedem Freitag im Monat wird der Sühnegedanken durch Gebete und Andachten zum Ausdruck gebracht. Ein weiterer Ausdruck des Sühnegedankens ist die Beichte, die im Zusammenhang mit diesem Tag abgelegt wird. Am Herz-Jesu-Freitag wird den Kranken die Kommunion ans Krankenbett gebracht.

Mit Herz meint die Sprache meist nicht nur das Organ, sondern den Menschen in seiner Personmitte, den Menschen, der fühlt, leidet, der ein großes Herz, ein Herz für andere hat, dessen Herz schneller schlägt, wenn er sich freut, der verletzlich ist, der fähig ist zu lieben.

Die Herz-Jesu-Frömmigkeit hatte sich bereits in der deutschen Frauenmystik des Mittelalters entwickelt. Es ist das Hohe Mittelalter, das den Gekreuzigten in seinem von Schmerzen gekrümmten Leib zeigt. Das Kruzifix, der an das Kreuz Genagelte, wird in den Kirchen aufgehängt. Im 19.Jahrhundert kam eine weitere Note hinzu: Jesu Leiden und Hingabe für die Menschen werden zu wenig erwidert. Das soll der Beter durch eigenes Sühneleiden wieder gutmachen.

Die Einführung des Herz-Jesu-Festes geht auf eine Ordensfrau zurück: Margarete Ma­ria Alacoque, die in dem Kloster Paralaye-Monial, in Burgund lebte. Sie hatte zwischen 1673 und 1675 mehrere Visionen, in denen sie von Christus den Auftrag erhielt, sich für die Einführung des Herz-Jesu-Festes am zweiten Freitag nach Fronleichnam und die Pflege der Herz-Jesu-Freitage einzusetzen. Die römische Zentrale hatte große Vorbe­halte gegen die Einführung eines solchen Festes. 1765 erhielten die polnischen Bischö­fe die Erlaubnis, das Fest zu feiern, 1856 wurde es erst verbindlich eingeführt und dann von mehreren Päpsten gefördert. Zur Jahrhundertwende weihte Papst Leo XIII. die Welt dem Heiligsten Herz Jesu an. Die Herz-Jesu-Frömmigkeit wurde durch verschiedene Orden, besonders durch die Jesuiten, gefördert.

Als Theologen in den fünfzi­ger Jahres daran gingen, die Herz-Jesu-Verehrung, die als sentimental kritisiert worden war, mit den christlichen Grundaussagen in Verbindung zu bringen, entdeckte man wieder, dass bereits die Theologen der alten Kirche Gedanken einer Herz-Jesu-Vereh­rung entwickelt hatten. Ausgangspunkt waren vor allem zwei Stellen im Johannesevan­gelium. Die Worte "aus seinem Innern", "seine Seite" werden als Herz gedeutet.

Am letzten Tag des Festes, dem großen Tag, stellte sich Jesus hin und rief: Wer Durst hat, komme zu mir, und es trinke, wer an mich glaubt. Wie die Schrift sagt: Aus seinem Innern werden Ströme von lebendigem Wasser fließen. Damit meinte er den Geist, den alle empfangen sollten, die an ihn glaubten, denn der Geist war noch nicht gegeben, weil Jesus noch nicht verherrlicht war. (Johannes 7,37-39)

Als sie (die Soldaten) aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon tot war, zerschlugen sie ihm die Beine nicht, sondern einer der Sol­daten stieß mit der Lanze in seine Seite, und sogleich floß Blut und Wasser heraus...

Denn das ist geschehen, damit sich das Schriftwort erfüllte: Man soll an ihm kein Gebein zerbrechen (Ex 12,46, Ps 34,21). Und ein ande­res Schriftwort sagt: Sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben (Sach 12,10).      (Joh 19,33-37)

Im Zusammenhang mit dieser Stelle ist im 1. Johannesbrief zu lesen:

Dieser ist es, der durch Wasser und Blut gekommen ist: Jesus Chri­stus. Er ist nicht im Wasser gekommen, sondern im Wasser und im Blut. Und der Geist ist es, der Zeugnis ablegt; denn der Geist ist die Wahrheit. Drei sind es, die Zeugnis ablegen: der Geist, das Wasser und das Blut, und diese drei sind eins. (1 Joh 5,6-8).

Wasser weist auf das Sakrament der Taufe, Blut auf das Sakrament der Eucharistie hin. Der Geist ist die in den Sakramenten wirkende Kraft, der durch den Tod, d.h. die Hingabe Jesu, freigesetzt ist. Schon in der frühen Kirche wurden diese Texte im Sinne der neuzeitlichen Herz-Jesu-Verehrung ausgelegt. Der Quell lebendigen Wassers, der aus dem Herzen Jesu fließt, ist die Gnade, die Jesus mitteilt. Damit verbinden die Theologen auch eine Sicht des Ursprungs der Kirche: Die Geburt der Kirche aus der Seitenwunde Jesu.

Das Mittelalter übernimmt diese Theologie. Die Idee von der Gottesgeburt im Herzen der Menschen und die Verehrung des Apostels Johannes entwickelten sich zu einer Verehrung des Herzens des Erlösers. Vor allem die deutsche Mystik hat diese Entwicklung gefördert.

Ab dem 16. Jahrhundert wird die Herz-Jesu-Verehrung, vor allem von den Jesuiten, als Volksandacht gefördert. In der Herz-Jesu-Verehrung findet eine mittelalterlich und neuzeitlich geprägte Innerlichkeit ihren Ausdruck, die in Jesus weniger den Pantokrator, den Herrn der Welt, sieht, als den, der durch die Liebe zu den Menschen und die Fä­higkeit zum Leiden die Erlösung bewirkt hat.

Herz-Jesu-Fest und Herz-Jesu-Freitag stehen in enger Verbindung zur Eucharistie. Beichte und Empfang des eucharistischen Brotes am Herz-Jesu-Freitag sind Haupt­elemente der Herz-Jesu-Frömmigkeit. Zu dieser eucharistisch geprägten Frömmigkeit gehört die "Heilige Stunde", die auf Margarete Alacoque (1674) zurückgeht: betrach­tendes Gebet in der Kirche, das sich mit dem Leiden und Sterben Jesu, seiner Liebe und der Einsetzung des Abendmahls beschäftigt. Diese Gebetszeit liegt am Abend vor dem Herz-Jesu-Freitag.

Das Gebetsapostolat ist eine Gebetsbewegung, die 1844 von Jesuitenstudenten ins Leben gerufen wurde. Ziel der Bewegung ist das Gebet für bestimmte Anliegen, die monatlich vom Papst formuliert werden, die Herz-Jesu-Verehrung und die Motivation für die Glau­bensverkündigung in der eigenen Umwelt.

Herz-Jesu-Bruderschaften, Ordensgemeinschaften und Genossenschaften haben die Herz-Jesu-Verehrung zum Zentrum ihrer Spiritualität gemacht und drücken diese auch in ihrem Namen aus, z.B. Missionare des Heiligsten Herzens Jesu.

Gebete und Lieder wurden aus dem Geist der Herz-Jesu-Verehrung geschaffen. Herz-Jesu-Statuen, die Jesus mit dem durchbohrten Herzen zeigen, finden sich in vielen Kir­chen. Sie stammen aus dem 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

 




Kirchenjahr & Brauchtum

1. Mai und Monat Mai
Adam und Eva 24.12.
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Adventskalender
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Advent 2: Blick auf Weihnachten
Allerheiligen 1.11.
Allerseelen 2.11.
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Aschermittwoch
Barbara und Lucia
Berg Karmel
Bescherbaum
Bitttage
Blasiussegen 03.02.
Buß- und Bettag
Chanukka u. Weihnachten
Christi Himmelfahrt
Christkönig
Christopherus 24.07.
Darstellung des Herrn
Dreifaltigkeitssonntag
Dreikönige 06.01.
Erntedank
Fastenzeit
Frautragen
Fronleichnam
Gründonnerstag
Halloween
Heilige Familie
Herbergssuche
Herz Jesu Fest
Herz Maria
Himelskreislauf-Zodiakus
Hochzeit zu Kana
Hundstage 23.07. – 24.08.
Jahreskreis
Jakobus der Ältere 25.07.
Jerusalemer Marienfest
Johannes, Apostel 27.12.
Johannes d. T. 24.06.
Josefstag, 19. März
Karfreitag
Karneval und Fastnacht
Kartage, Karwoche
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Kreuzerhöhung 14.09.
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Krippenspiele
Lichtmess 02.02.
Lourdes Gedenktag
Mariä Heimsuchung
Mariä Verkündigung
Maria Geburt
Maria Himmelfahrt 15.08.
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Maria Namen
Maria Schnee
Martinstag 11.11.
Michael, Gabriel, Rafael 29.09.
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Osterei
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Osterläuten
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Ostern
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Pfingstbrauchtum
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Pfingstochse
Pfingstritt
Reformationstag 31.10.
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Rosenkranzfest
Rosenmontag
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Silvester 31.12.
Stephanstag 26.12.
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Totensonntag
Unbefleckte Empfängnis Marias 8.12.
Unschuldige Kinder 28.12.
Valentinstag
Verklärung Christi 06.08.
Verkündigung des Herrn 25.03.
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