Fastenzeit

Ein Fest fordert eine Zeit, die jeden einzelnen auf die Teilnahme vorbereitet. Das höchste Fest der Christenheit ist nicht Weihnachten, sondern Ostern. Der Sonntag erinnert wöchentlich an den Tag der Auferstehung Jesu, so wie der Freitag an den Todestag. Ostern ist deshalb von so großer Bedeutung, weil erst mit der Auferstehung Jesu sein Heilwerk abschließt und dem Menschen eine endgültige Perspektive gibt, wie Jesus mit Leib und Seele aufzuerstehen und mit ihm in einer neuen Daseinsweise im Himmel zu leben. Was Weihnachten beginnt, wird Ostern vollendet.

Zeiten der Vorbereitung und der inneren Umkehr werden in der Bibel mit 40 Tagen bemessen. Vor allem leitet sich die Dauer der Fastenzeit von dem Bericht über eine vierzigtägige Gebets- und Fastenzeit her, die Jesus nach der Taufe im Jordan auf sich nahm. Das Alte Testament berichtet, dass Moses, als er vierzig Tage auf dem Berg Sinai war, nichts aß und trank (Exodus 34,28; Deuteronomium 9,18), dass Elias 40 Tage zum Berg Horeb wanderte, ohne etwas zu essen (1 Könige 19,8).

Die Dauer der Bußzeit vor Ostern, die wir Fastenzeit nennen, hat sich sehr früh entwickelt. Bereits aus dem 2. Jahrhundert gibt es Berichte, daß sich die Christen durch ein zweitägiges Trauerfasten auf das Osterfest vorbereiteten. Dieses Fasten wurde im 3. Jahrhundert auf die ganze Karwoche ausgedehnt. Im 4. Jahrhundert ist die vierzigtägige Vorbereitungszeit auf Ostern bereits fester Brauch.

Der Beginn der Fastenzeit war im 4. Jahrhundert der 6. Sonntag vor Ostern. Da man an den Sonntagen nicht fastete, wurde der Beginn der Fastenzeit auf den Mittwoch vor dem 6. Sonntag vor Ostern vorgezogen und der Karfreitag wie der Karsamstag in die Fastenzeit mit einbezogen, so dass es nun vierzig Fasttage gab. Die byzantinische Kirche fastete auch am Samstag nicht. Sie benötigte 8 Wochen, um auf 40 Tage zu kommen und beginnt daher früher. Als Vorfastenzeit wurde diese Zeit auch in den Kalender der römischen Kirche übernommen. Die Sonntage hießen Septuagesima (der 70.), Sexagesima (der 60.), Quinquagesima (der 50.) - eine aufgerundete Zählweise. Mit der Neuordnung des Kirchenjahres 1969 wurde die Vorfastenzeit abgeschafft. In der Kirche der ersten Jahrhunderte bestand das Fasten darin, dass man täglich nur eine Mahlzeit zu sich nahm. Fleisch, Wein, Eier- und Milchprodukte waren vom Speisezettel verbannt. Eine Fastenpraxis war bereits im Judentum wie auch in den Mysterienkulten üblich. Die Römer und Griechen kannten ein Fasten aus medizinischen Gründen.

Im Fasten sah man vor allem eine Vorbereitung auf Ostern. Die Katechumenen, die sich auf den Eintritt in die Kirche vorbereiteten, wurden während der Fastenzeit unterrichtet, um am Osterfest getauft zu werden. Das durch Fasten Eingesparte wurde bewußt den Armen gegeben. Ein weiteres Element der Fastenzeit war in den ersten Jahrhunderten die öffentliche Buße. Sie war die Form des Beichtsakramentes, die erst seit dem 8. Jahrhundert von der häufigen Beichte durch Sündenbekenntnis vor dem Priester abgelöst wurde. Die Büßer, die eine schwere Sünde begangen hatten (Glaubensabfall, Mord, Ehebruch), bekannten ihre Vergehen am Beginn der Fastenzeit dem Bischof. In dieser Form empfing man das Bußsakrament nur einmal im Leben. Man wurde in den Büßerstand aufgenommen, mit Asche bestreut, verließ den Gottesdienst nach der Predigt, trug ein besonderes Gewand und verzichtete auf Körperpflege. Am Gründonnerstag wurden die Büßer wieder in die Gottesdienstgemeinschaft voll aufgenommen. Sie legten ihre Bußgewänder ab, der Bischof legte ihnen die Hände auf, und sie nahmen wieder am eucharistischen Gottesdienst teil.

Dieser Bußritus hat noch Spuren in liturgischen Texten hinterlassen sowie in dem Kirchengebot, in der "Österlichen Zeit" das Bußsakrament zu empfangen, d.h. zur Beichte zu gehen.

 

Gebet und Buße

Das intensivere Gebet wird vor allem durch häufigeren Besuch der Gottesdienste, auch an Werktagen, ausgedrückt.

Der Empfang des Bußsakramentes, d.h. der Gang zur Beichte, gehört ebenfalls in die Fastenzeit.

 

Das Fasten will den bewussten Verzicht z.B. auf Süßigkeiten und Alkohol. In der evangelischen Kirche wird für eine Fastenaktion „6 Wochen ohne“ motiviert, jeder legt sich einen Verzicht auf. In den letzten Jahren wurde der Wert des Fastens wieder entdeckt. In immer mehr Gemeinden wird über eine Woche oder 10 Tage ein strenges Fasten, eine Nulldiät“ unter Anleitung und regelmäßigen Treffen angeboten.

Abstinenz, sich fernhalten, bezieht sich vor allem auf den Genuß von Fleisch, in den orthodoxen Kirchen auch von Eiern und Milchprodukten.

 

Almosen

Das Almosen-Geben ist bereits im Judentum eine religiöse Praxis. Heute wird in mehreren Ländern zu einen besonderen Fastenopfer aufgerufen, das meist für die Entwicklungsländer gespendet wird. In Deutschland ist dieses Almosen durch den Namen „Misereor“, lateinisch „Ich erbarme mich“, gekennzeichnet. Misereor steht inzwischen für eine fundierte Auseinandersetzung mit der Armutsthematik und der Situation in den Ländern, die wir der Dritten Welt zuordnen. Nach dem Ende des Kommunismus in einem vom Gedanken der Partnerschaft geprägten Verhältnis zu den Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas spricht man heute vom „Eine-Welt-Gedanke“.

Die Organisation, im kirchlichen Sprachgebrauch „Bischöfliches Werk Misereor“ wurde 1958 gegründet.

 

Die ökologische Diskussion ist von christlichen Gruppen aufgegriffen worden und mit dem Gedanken der Fastenzeit zu dem Motiv "Neuer Lebensstil" verbunden worden. Verzicht wird hier nicht nur als Bußpraxis für einen bestimmten Abschnitt des Jahres verstanden, sondern als dauernde Haltung. Ähnlich wie in anderen Erneuerungs­bewegungen der Kirchengeschichte wird ein einfaches, armes Leben als Ideal, Wohl­standsüberfluß dagegen als Gefährdung der Humanität und des Bezuges zur Trans­zendenz gesehen. 

 

Fastenpredigten

sind seit dem Konzil von Trient (1545) vorgeschrieben, werden heute meist an den Sonntagen gehalten. Sie werden in der Regel in einen thematischen Rahmen gestellt und zielen auf eine Vertiefung des religiösen, theologischen und moralischen Wissens. Für die Predigten werden oft fremde Prediger, Seelsorger aus anderen Gemeinden oder Ordenspriester eingeladen.

 

Hirtenbrief

Die Bischöfe schreiben jeweils zur Fastenzeit einen eigenen Fastenhirtenbrief, der meist am 1. Fastensonntag verlesen wird. Es werden jeweils grundsätzliche Fragen aufge­griffen. Im Unterschied zu den meisten anderen Hirtenbriefen handelt es sich nicht um einen Brief aller Bischöfe, sondern jeder Bischof verfaßt für seine Diözese einen eige­nen Brief.

 

Kreuzweg

Ein Gebet der Fastenzeit ist der Kreuzweg. In ihm wird der Leidensweg Jesu von der Verurteilung bis zur Kreuzabnahme nachgebildet. In den Kirchen sind die Kreuzwegbil­der oder auch Stationen aufgehängt. Anfänglich waren es nur 7 Stationen, heute sind in den Kirchen 14 Stationen aufgehängt, die auf eine Tradition in Je­rusalem zurückgehen, nämlich die Stationen des Leidens Jesu auf der via dolorosa abzuschrieten. Die Kreuzweg-Stationen sind:

 

              1. Station:     Jesus wird zum Tode verurteilt

              2. Station:     Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern

              3. Station:     Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz

              4. Station:     Jesus begegnet seiner Mutter

              5. Station:     Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen

              6. Station:     Veronika reicht Jesus das Schweißtuch

              7. Station:     Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz

              8. Station:     Jesus begegnet den weinenden Frauen

              9. Station:     Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz

            10. Station:     Jesus wird seiner Kleider beraubt

            11. Station:     Jesus wird an das Kreuz genagelt

            12. Station:     Jesus stirbt am Kreuz

            13. Station:     Jesus wird vom Kreuz abgenommen und in den Schoß seiner
                                   Mutter gelegt

            14. Station:     Der heilige Leichnam Jesu wird in das Grab gelegt.

 

 

Die Gläubigen gehen den Kreuzweg für sich allein durch. Bei Kreuzwegandachten geht der Priester in der Kirche die Stationen ab und betet jeweils laut einen Text. Neuere Kreuzwege sehen im Schicksal Verfolgter und Gefolterter den Leidensweg Jesu. Für den Kreuzweg gibt es viele Textvorlagen, die meist als kleine Bücher oder Schriften veröffentlicht sind. Der Kreuzweg ist seit einigen Jahren von der Jugend wieder aufge­griffen worden. Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend gibt dazu Bilder und Texte für den Kreuzweg heraus.

Kreuzwege fanden sich zuerst außerhalb der Kirchen. Die Stationen sind entlang eines Weges aufgestellt, der meist auf einen Berg führt, der dann oft Kalvarienberg heißt.

 

Bußgottesdienste

Wie in der Adventszeit werden in auch in den meisten Gemeinden Bußgottesdienste veranstaltet. In diesen Gottesdiensten wird nicht nur die individuelle Schuld in den Mittelpunkt gestellt, sondern auch das Schuldigwerden von Gruppen und Gemeinden gegenüber Randgruppen, sozialen Verhältnissen, der Dritten Welt. Die Bußgottesdienste waren eine Zeitlang umstritten, weil sie teilweise als Ersatz für die persönliche Beichte gesehen wurden. Es entstand dadurch ein typisch katholisches Problem, ob nämlich die Bußandachten eine Form des Beichtsakramentes sind oder "nur" eine religiöse Übung. Das kirchliche Amt hat die Bußandacht nicht zum Sakrament erklärt, so dass diese Andacht nicht die Einzelbeichte ersetzen kann. Der Bußgottesdienst hat jedoch die persönliche Beichte nicht verdrängt, sondern in einigen Gemeinden sogar wieder belebt. Allerdings ist die Beichtpraxis im Ganzen stark zurückgegangen.

 

Hungertuch

Mit einem Tuch wurde etwa seit dem Jahre 1000 in der Fastenzeit der Altar verhängt. Der Gedanke war wohl, dass der sündige Mensch unwürdig ist, Gott zu sehen. Im Mit­telalter wurden die Hungertücher mit Passionsmotiven bebildert. Bekannt sind die Hungertücher des Freiburger Münsters und von Zittau in Sachsen. Auch die neuen Hun­gertücher, meist von Künstlern der Dritten Welt geschaffen, stellen biblische Motive dar. Sie werden von Misereor den Gemeinden zur Verfügung gestellt.




Kirchenjahr & Brauchtum

1. Mai und Monat Mai
Adam und Eva 24.12.
Adventsbrauchtum
Adventskalender
Adventskranz
Adventszeit
Advent 1: Wiederkunft Christi
Advent 2: Blick auf Weihnachten
Allerheiligen 1.11.
Allerseelen 2.11.
Aschenkreuz
Aschermittwoch
Barbara und Lucia
Berg Karmel
Bescherbaum
Bitttage
Blasiussegen 03.02.
Buß- und Bettag
Chanukka u. Weihnachten
Christi Himmelfahrt
Christkönig
Christopherus 24.07.
Darstellung des Herrn
Dreifaltigkeitssonntag
Dreikönige 06.01.
Erntedank
Fastenzeit
Frautragen
Fronleichnam
Gründonnerstag
Halloween
Heilige Familie
Herbergssuche
Herz Jesu Fest
Herz Maria
Himelskreislauf-Zodiakus
Hochzeit zu Kana
Hundstage 23.07. – 24.08.
Jahreskreis
Jakobus der Ältere 25.07.
Jerusalemer Marienfest
Johannes, Apostel 27.12.
Johannes d. T. 24.06.
Josefstag, 19. März
Karfreitag
Karneval und Fastnacht
Kartage, Karwoche
Kirchweihfest und Kirmes
Kreuzerhöhung 14.09.
Krippe
Krippenspiele
Lichtmess 02.02.
Lourdes Gedenktag
Mariä Heimsuchung
Mariä Verkündigung
Maria Geburt
Maria Himmelfahrt 15.08.
Maria Königin
Maria Namen
Maria Schnee
Martinstag 11.11.
Michael, Gabriel, Rafael 29.09.
Mutterschaft Mariens
Muttertag
Narr
Neujahr
Nikolaus 6. Dezember
Osterei
Osterkerze und Osterlicht
Osterläuten
Osterlamm
Ostermontag
Ostern
Ostern Wortbedeutung
Osterritt
Ostertermin
Osterwasser und Taufe
Osterzeit
O Antiphonen
Palmsonntag
Pfingstbrauchtum
Pfingsten
Pfingstochse
Pfingstritt
Reformationstag 31.10.
Roratemessen
Rosenkranzfest
Rosenmontag
Schmerzen Marias
Silvester 31.12.
Stephanstag 26.12.
Taufe Jesu
Thanksgiving
Totensonntag
Unbefleckte Empfängnis Marias 8.12.
Unschuldige Kinder 28.12.
Valentinstag
Verklärung Christi 06.08.
Verkündigung des Herrn 25.03.
Weiberfastnacht
Weihnachten
Weihnachten n. Lukas
Weihnachten n. Matth.
Weihnachtsbaum
Weihnachtsfeiern
Weihnachtsgeschenke
Weihnachtslieder
Weihnachtsstollen
Weißer Sonntag
Weltgebetstag der Frauen
Weltgebetswoche für die Einheit der Christen


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