konfliktkultur

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Autorin: Jutta Mügge
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Umsetzung: Andreas Dewald, Eckhard Bieger


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Vereinbarungen treffen




Vereinbarungen in der Anfangsphase treffen
Das Kennenlernen der anderen Team- oder Gruppenmitglieder muss am Anfang ermöglicht werden. Es kommt aber noch etwas Wichtiges hinzu. Jeder, der in eine neue Gruppe oder ein neues Team kommt, bringt sich mit seinen Vorstellungen und Gaben mit. Diese Gaben will jeder einsetzen können. Deshalb brauchen wir möglichst früh Orientierung, ob unsere Kompetenzen auch wirklich gefragt sind und ob wir mit dem, was wir wollen, in dieser Gruppe auch „richtig“ sind. Von daher bietet es sich an, dass die Leitung nach dem Kennenlernen eine Phase eröffnet, in der die Team- bzw. Gruppenmitglieder sagen können, was sie in das Team, in die Gruppe mitbringen und welche Schwerpunkte sie verfolgen wollen. In Fortbildungsveranstaltungen muss die Frage etwas anders heißen, denn da wollen die TeilnehmerInnen etwas lernen. Hier muss man deshalb erheben, was die TeilnehmerInnen zu dem Thema, um das es geht, lernen wollen und welche Fragen sie mitbringen. Diese Phase ist deshalb wichtig, weil hier die Teilnehmerinnen. bzw. die MitarbeiterInnen in die Verantwortung für Ihr Engagement genommen werden. Im Team besteht die Verantwortung darin mit den eigenen Kompetenzen die Projekte und Aufgaben umzusetzen, in Fortbildungsveranstaltungen die Motivation, aktiv mit zu arbeiten.
Wenn deutlich ist, was die einzelnen wollen, dann gibt es einen nächsten wichtigen Schritt, nämlich die Vereinbarung / den Kontrakt. Der Kontrakt legt fest, was von den Wünschen und Vorstellungen umgesetzt werden kann und soll und welche Bedingungen noch dazu formuliert werden müssen, damit das auch geschehen kann. In den Kontrakt werden auch die Dinge eingetragen, die die Leitung von den MitarbeiterInnen, bzw. den TeilnehmerInnen fordert. Der Kontrakt für die inhaltlichen Arbeit ist damit abgeschlossen.
Jetzt geht es um Vereinbarungen für den Umgang miteinander. Diese gehören auch in den Kontrakt. Denn der Einzelne braucht Sicherheit, um in Ruhe arbeiten oder lernen zu können. Er braucht Orientierung darüber, was von ihm erwartet wird und was er/sie von den anderen erwarten kann. Die Leitung braucht die Vereinbarung bezügl. des Verhaltens, damit sie in der Krise, in welche die Gruppe, das Team auf jeden Fall kommen wird, handlungsfähig bleibt. Denn dann kann sie sich auf die Vereinbarungen berufen. Zu solchen Bedingungen gehören z.B. pünktliche zu beginnen, dass jeder die Verantwortung für sein Projekt oder seine Lernziele übernimmt. Es braucht auch eine Vereinbarung darüber, wie Konflikte bearbeitet werden bzw. wie mit schwierigen Situationen in der Gruppe verfahren werden soll.
Da sich in der Anfangsphase noch niemand vorstellen will, dass es auch einmal „krachen“ wird, sind die meisten bereit, sich auf eine Vereinbarung für den Umgang mit Konflikten einzulassen. Diese Phase des Friedens muss man deshalb jetzt nutzen, denn ist der Konflikt einmal da, kommt das Team, die Gruppe nicht mehr zu einer verbindlichen Vereinbarung, wie mit Verärgerung, Hindernissen, Verletzungen, Ausgrenzungen, Konflikten umgegangen werden soll.

Mögliche Vereinbarungen können sein:
• Wir fangen Sitzungen pünktlich an und hören pünktlich auf.
• Wer nicht kommen kann, meldet sich ab.
• Am Anfang gibt es immer die Möglichkeit, persönlich anzukommen, damit man voneinander weiß und sich gegenseitig stützen kann. ( Erfahrungsaustausch über die vergangene Woche, Blitzlicht)
• Wir nehmen Aktuelles in die Tagesordnung mit auf.
• Wer sich ärgert, soll das möglichst dann in der Gruppe/ im Team ansprechen, wenn Verärgerung aktuell geschehen ist. Alle verpflichten sich, den Ärger mit demjenigen zu klären, den es betrifft und nicht ewig mit sich herum zu tragen oder sich bei anderen zu entlasten.
• Konflikte werden in der Gruppe geklärt und nicht nach außen getragen.
• Es gibt jemand in der Gruppe, der die Konflikte moderieren kann, oder es wird jemand von außen geholt.
• Über Dritte wird nicht geredet, und wenn, dann nur Gutes
• Bedingungen festlegen, unter denen weitere Gruppenmitglieder hinzukommen können.

Jetzt können die Gruppe, das Team, die Wohngemeinschaft auf einen Kontrakt vertrauen. Dieser sichert ab, um welche Inhalte es geht und auf welche Vereinbarungen, Vorgehensweisen jeder sich berufen kann. Jeder hat Rechte und Pflichten. Das schafft erst einmal einen sicheren Boden, auf dem jeder gut beginnen kann. Diese Vereinbarungen dienen jetzt der Gruppe sich auf ihren Prozess einzulassen. Jede Gruppe, jedes Team durchläuft nämlich einen Prozess und entwickelt eine einzigartige Dynamik. In dieser Dynamik kommt es dann irgendwann zur Machtkampfphase. Und gerade für diese Phase im Prozess braucht Leitung den Kontrakt. Der Kontrakt ist die Basis für die Leitung, damit sie in Krisenzeiten handlungsfähig bleibt.

 

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