konfliktkultur

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Autorin: Jutta Mügge
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Umsetzung: Andreas Dewald, Eckhard Bieger


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Machtkampfphase




Die Machtkampfphase
Muss man eigentlich in jeder Gruppe, in jedem Team mit der Machtkampfphase rechnen? Jede Gruppe, jedes Team, jedes Paar, jeder Freundeskreis gehen durch Machtkampfphasen. Das ist eine Gesetzmäßigkeit. Dieser Machtkampf muss sich nicht immer offen zeigen, weil viele subtile Möglichkeiten gefunden werden, mit den eigenen Einflussmöglichkeiten zu spielen.
Der Machtkampf beginnt in der Regel nicht sofort. Nach der Orientierungsphase durchlaufen die Gruppen zuerst die Strukturierungsphase. In dieser Phase konstituiert sich die Gruppe. Es bilden sich Interessensgruppen, es gibt Einzelgänger und solche, die überall mitmischen. In dieser Phase wird in Arbeitsteams bereits gut gearbeitet, in Freundeskreisen gestaltet man miteinander Ausflüge, Reisen, Einladungen. Diese gemeinsamen Unternehmungen bzw. die Zusammenarbeit mit den KollegInnen führt die Menschen einander näher. Man lernt sich noch intensiver kennen und stellt bei einigen gemeinsame Interessen fest, während man für andere weniger Interesse aufbringt. In dieser Phase gewinnen die einzelnen Gruppenmitglieder Sicherheit in der Gruppe, weil sie spüren, dass auch andere ähnlich denken, meinen, fühlen, wie sie selbst. Gleichzeitig wird in dieser Phase auch registriert, dass einige stören, sich nicht an die meist unausgesprochenen Gruppennormen halten, Eigenarten an den Tag legen, die für manche nicht erträglich sind, auf Kosten der anderen es sich gut sein lassen. Das löst Unmut aus.
Die Machtkampfphase ist damit schon eingeläutet. Die Konflikt- oder Machkampfphase tritt gesetzmäßig auf, so dass jede Gruppe damit rechnen muss. Wenn es für die Konfliktphase keine Regeln gibt, wie damit umgegangen werden soll, schaffen sich die Gruppen oder Teams ihre eigenen Regeln, die jedoch meist nicht transparent sind. Da man sich nicht auf Vereinbarungen berufen kann, die den Schutz des einzelnen Gruppenmitgliedes sichern, ist die Gefahr groß, dass die Stärkeren das „Sagen“ haben, Einzelne zu Außenseitern gemacht werden und der Sündenbockmechanismus greift. Mobbing ist dann oft das Ergebnis, wenn es keinen sicheren Raum und keinen Schutz durch die Leitung gibt, die den Einzelnen mit seinem Ärger zu Wort kommen lässt und absichert, dass der Ärger fair bearbeitet wird.

Wie zeigt sich die Machtkampfphase?
Die Machtkampfphase eröffnen meist diejenigen in der Gruppe, die sich stark genug für den Angriff fühlen, die wissen, dass andere hinter ihnen stehen und die auf das Geschehen in der Gruppe Einfluss nehmen wollen. Eine große Energie ist zu spüren. Wenn es keine Regeln für den Umgang mit dieser Energie gibt, bahnt sie sich ihren eigenen Weg. Die Wege sind vielfältig. Im Untergrund wird blockiert, es wird mit anderen um die Macht rivalisiert, aber nicht offen, sondern hinten herum. Es werden Menschen mit negativen Äußerungen bedroht, es werden Komplotte geschmiedet. Es wird ständig an jemandem „rumkritisiert“. Die Machtkampfphase wird meist daran deutlich, dass die Gruppe, das Team nicht mehr fähig ist eine Entscheidung im Konsens zu treffen. Die nichtbearbeiteten zwischenmenschlichen Konflikte werden über die Sachinhalte ausgetragen. Das führt zu Rechthabereien und manchmal auch zu persönlichen Angriffen. Das hilft jedoch für eine gute Lösung nicht weiter, denn auf der Sachebene ist der Konflikt nicht zu lösen. Um in dieser Phase die Energie, die in dem Konflikt arbeitet für die Ziele der Gruppe zu nutzen und in positive Energie zu verwandeln, braucht es Regeln, worauf man sich in Konflikten verbindlich verlassen kann. Im Konflikt ist nämlich nichts mehr verlässlich, sondern alles ist zerbrechlich. Deshalb muss der Einzelne sich auf etwas stützen können, das ihm für die Benennung des Ärgers Halt gibt und die Sicherheit vermittelt, dass er/sie in der Bearbeitung des Ärgers geschützt bleibt.

 

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