konfliktkultur

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Autorin: Jutta Mügge
© www.kath.de
Umsetzung: Andreas Dewald, Eckhard Bieger


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Der Anfang: Meist konfliktfrei



Am Beginn, wenn die Gruppe, das Team sich bilden ist alles neu. In dieser Phase muss eine Gruppe, ein Team, ein Club, eine Wohngemeinschaft wie auch eine Partnerschaft noch nicht mit Konflikten rechnen. Denn jeder ist damit beschäftigt, erst einmal die neue Situation kennen zu lernen, sich den Menschen anzunähern und sich mit der Aufgabe auseinander zu setzen, die sich die Gruppe gestellt hat. Diese Phase dient der Orientierung und der Kontaktaufnahme. Jeder bringt erst einmal viel positive Energie mit. Man möchte mehr von den anderen erfahren, sich orientieren, wie das eigene zu dem der anderen passt, und was man miteinander auf die Beine stellen kann. Die anderen Menschen und ihre Kompetenzen machen neugierig, das gibt eine positive Spannung und Energie. Jeder ist darauf bedacht, nicht gleich negativ aufzufallen. Man gibt sich Mühe und zeigt auch erst einmal die Schokoladenseite des eigenen Ichs.
In der Anfangssituation einer Gruppe, eines Teams, am Anfang einer Party sind die anderen Menschen, nicht das Programm, nicht das Projekt wichtig. Ohne nachzudenken fragt sich der einzelne:
„Hoffentlich finde ich jemanden, mit dem ich mich unterhalten kann?“ „Ob ich bei den Leuten gut ankomme?“ „Hoffentlich sind interessante Menschen dabei?“ „Finde ich ein Thema, das andere auch interessiert?“ Solche und andere Fragen gehen uns durch das Herz und den Bauch, wenn wir neu in eine Gruppe kommen.
Da sind wir ganz froh, wenn dieser Anfang von jemandem aktiv in die Hand genommen und gestaltet wird, damit wir die Hürde nicht alleine nehmen müssen. Da, wo es in Gruppen eine Leitung oder einen Verantwortlichen gibt, ist das genau deren Aufgabe, die Anfangssituation zu gestalten.
Denn für den einzelnen besteht am Beginn immer die Aufgabe, die anderen kennen zu lernen und zu ihnen Beziehung aufzunehmen. Je größer der Kreis, die Gruppe, das Team, desto wichtiger ist die gezielte methodische Unterstützung. Denn in großen Gruppen ist es schwieriger, die Hürde zum anderen selbst zu überwinden. Die von der Leitung investierte Zeit für die Aufnahme von Beziehung zu den anderen ist nicht vergebens. Sie wird nämlich für den Aufbau einer Kommunikationskultur und Konfliktprophylaxe nützlich. Denn die Botschaft heißt: jeder hier ist wichtig, jeder hat das Recht, etwas zu sagen, keiner fällt durch das Netz. Es geht um jeden, jeder ist wertvoll. Das sind Bedingungen, die für den Aufbau eines Teams, einer Gruppe von entscheidender Bedeutung sind, weil jeder damit auch in die Verantwortung für den Umgang mit dem anderen genommen wird. Der Einzelne hat nicht nur das Recht auf Respekt, sondern auch die Pflicht, dem anderen Respekt entgegen zu bringen. Wichtig ist allerdings, dass diese Werte nicht nur proklamiert im Raum stehen, sondern erlebt werden können. Dafür braucht es jemanden, der die Situation gestaltet, indem er sich für die Gesprächsleitung verantwortlich fühlt. Gestaltet niemand diese Anfangsphase, fallen schnell die etwas weniger Kommunikativen aus der Gruppe. Sie werden zu Einzelgängern und Schweigern. Die Stärkeren setzen sich durch. Es entstehen Neigungsgruppen und Cliquen. Wird der Anfang aber von der Leitung so eingestielt, dass für alle ein gleichberechtigter Boden bereitet wird, entsteht ein tragfähiges Fundament für eine lebendige Kommunikationskultur. Ohne Kommunikationskultur gibt es auch keine gute Konfliktkultur, denn ohne Kommunikation keine Konfliktbearbeitung.
Sind dem Einzelnen die anderen vertraut und fühlt er sich im Umgang mit ihnen schon etwas sicher, dann kommen neue Bedürfnisse. Der Einzelne will seine Vorstellungen mit einfließen lassen, sein Know How einbringen und erfahren, welche Wünsche und Vorstellungen die anderen haben.

 

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