Das Vatikan Glossar

Autor: Werner Kaltefleiter // Quellen
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Papstwahl - Verlauf der Wahl

Heutzutage sind zum Konklave neben den Kardinälen nur wenige weitere Personen zugelassen, zuständig für die medizinischen, liturgischen, technischen und haushälterischen Dienste. Persönliche Assistenten, ausser Pflegepersonen, sind nicht erlaubt.

Am Morgen des ersten Konklave-Tages versammeln sich die wahlberechtigten Kardinäle zu einer Eucharistiefeier in der Petersbasilika. Am Nachmittag versammeln sie sich in der Paulinischen Kapelle (Capella Paolina) des Apostolischen Palastes und ziehen von dort in feierlicher Prozession durch die Sala regia in feierlicher Prozession, das „veni creator spiritus“ – Komm Schöpfer Geist – kehr bei uns ein“ singend in die Sixtina, voran der Kardinaldekan und die fünf anderen Kardinalbischöfe. Dort erfolgt nochmal eine Einschwörung auf absolute Geheimhaltung. Sie gilt auch für nichtwahlberechtige Kardinäle.

Zum Schwur gehört das Versprechen, das „munus petrinum“, das Petrusamt, des Hirten der Universalkirche in Treue auszuüben und die geistlichen und weltlichen Rechte sowie die Freiheit des Heiligen Stuhls zu wahren und zu verteidigen.

Sobald sich die Kardinäle in der Sixtina versammelt haben, verkündet der Zeremoniar das „extra omnes“, alle –ausser den stimmberechtigten Kardinälen – müssen die Konklave-Räume verlassen, mit Ausnahme des Zeremonienmeisters und des Ordensmannes, der die zweite Betrachtung vorträgt.

Dann legen dieKardinäle erneut einen Eid ab, der sie verpflichtet, alle Konklave-Vorschriften einzuhalten und das Petrusamt – falls sie zum Papst gewählt werden sollten – in Treue auszuüben, die geistlichen und weltlichen Rechte. Sowie die Freiheit des Heiligen Stuhles zu verteidigen, alles – auch in Zukunft –geheimzuhalten, was mit den Wahlgängen zusammenhängt, nie eine Einmischung oder Opposition durch weltliche Mächte oder sonstige von draussen zu erlauben. Der Kardinaldekan trägt die lange Eidesformel vor, dann spricht jeder einzelne den Eid und berührt dabei das Evangelium.

Mit den Worten „extra omnes“ (alle hinaus) werden nach der Vereidigung des Wahlmännergremiums alle anderen ausgesperrt. Dann verlassen auch der Zeremonienmeister und der Ordensmann den Raum. Die Kardinäle werden „cum clave“ (mit dem Schlüssel) „eingesperrt“. Es folgt ein Gebet und es spricht der Kardinaldekam, der vor allem die Frage stellt: Gibt es noch Unklarheiten über die Normen und Wahlgänge? Wenn dies nicht der Fall ist, beginnt die Wahl.

Die Sixtinische Kapelle und der Domus Sanctae Marthae werden vom Camerlengo für alle nichtautorisierten Personen verschlossen. Der gesamte Bereich wird nach elektronischen Abhöreinrichtungen untersucht, Zeitungen, Radio und Fernsehen, Tonbandgeräte und Kameras sind verboten. Allein das Telefon im Büro des Camerlengo bleibt funktionsfähig, zu benutzen nur im Notfall. Fenster werden mit Vorhängen zugezogen und versiegelt.

Ein von den Kardinälen gewählter Kleriker trägt den Wählern in einer Betrachtung ihre schwierige Aufgabe vor, „solum Deum prae oculis habentes“ – nur mit Gott vor den Augen – zu handeln. Dann verlassen er und der Zeremonienmeister ebenfalls die Sixtina.

Die Wahl „per acclamationem“ und „per compromissum“ ist abgeschafft, nicht aber die dritte Form „per skrutinium“ – d.h. per Prüfung.

Die Skrutatoren sind die Wahlhelfer. Drei durch das Los gewählte Kardinäle, der letzt der Kardinaldiakone hat die Namen gezogen. Dann zieht er die drei Beauftragten (Infirmarii), welche die Stimmzettel von Wählern einsammeln, die zu krank sind, um in die Sixtina zu kommen. Zuletzt zieht er die drei Wahlprüfer, die die Arbeit der Wahlhelfer überwachen.

Die rechteckigen Wahlzettel mit dem Aufdruck „Eligo in Summum Pontificem“ – Ich wähle zum Papst“ sind doppelt gefaltet und dann nur noch einen Zentimeter breit. Der Name des Gewählten soll deutlich aber in verstellter Schrift aufgeschrieben werden.

Der Reihe nach, in der Rangordnung, treten die Kardinäle vor den Altar, zeigen den Wahlzettel allen mit erhobener Hand, knien zu einem kurzen Gebet nieder, erhebt sich und schwört „Ich rufe Christus, der mein Richter sein wird, zum Zeugen an, dass ich den gewählt habe, von dem ich glaube, dass er nach Gottes Willen gewählt werden sollte“ und legt dann den Stimmzettel auf eine Patene und lässt ihn in die Wahlurne (in der Regel ein grosser Kelch) gleiten. Der erste Wahlhelfer, der die Wahlurne mit der Patene verschlossen hält, schüttelt, um die Stimmzettel zu mischen.

Falls die Zahl der Stimmzettel mit der Zahl der anwesenden Wähler nicht übereinstimmt, werden sie verbrannt und es beginnt ein neuer Wahlgang. Bei ordnungsmässiger Wahl werden die Stimmzettel auf einem Tisch vor dem Altar. öffentlich ausgezählt: Der erste Wahlhelfer entfaltet jeden Zettel, notiert den Namen und reicht den Stimmzettel an den zweiten Wahlhelfer weiter. Auch dieser notiert den Namen und gibt den Zettel an den dritten Wahlhelfer weiter. Dieser durchsticht den Zettel beim Wort „Eligo“ mit einer Nadel und zieht ihn auf die daranhängende Schnur. Am Ende wird die Schnur verknotet und in eine Urne gelegt. Anschliessend addieren die Wahlhelfer die Stimmen und stelle das Ergebnis fest, von Wahlprüfern kontrolliert.

Alle Aufzeichnungen werden in einem kleinen Ofen verbrannt, der Rauch wird durch beigemengte Chemikalien verfärbt: weiss bei erfolgreicher Wahl, dunkel bei erfolgloser.

Bis zur Papstwahl von 1978 (Johannes Paul II) waren an den Seitenwänden der Sixtina für jeden der stimmberechtigten Kardinäle – den „Kirchenfürsten“ – ein kleiner Thronsessel mit einer Kniebank und einem Baldachin darüber angebracht. War ein neuer Papst gewählt, wurden alle Baldachine nach unten geklappt, nur des neuen Oberhauptes der kath. Kirche blieb stehen. Paul VI. hat mit seiner Konklave-Reform von 1975 diesen Brauch der „triumphalistischen Kirche“ abgeschafft.

Johannes Paul II hat in „Universi dominici gregis“ (v. 1996) festgelegt: der Bischof von Rom wird forma una gewählt, und nur in geheimer Abstimmung.

Die Wahlmodi „Inspiration“, „Kompromiss“, „Akklamation“ und „Akzess“ wurden von Johannes Paul II bei der Novellierung der Konklaveordnung gestrichen

Grundsätzlich ist Zweidrittel-Mehrheit erforderlich, ist die Zahl der an der Wahl teilnehmenden Kardinäle nicht durch drei teilbar, muss eine weitere Stimme hinzugezählt werden.

Wahl per Akklamation, Inspiration oder durch ein kleineres Gremium (Wahlmänner) ist nicht mehr zulässig.

Das quorum, die zum Wahlsieg erforderliche Stimmenzahl, verlangt, die qualifizierte Mehrheit, undzwar Zweidrittel der abgegebenen Stimmen. Wenn die Zahl der Wahlberechtigten nicht durch drei teilbar ist, wird aufgerundet, d.h. eine Stimme hinzuverlangt.

Nach 34 ergebnislosen Wahlgängen (nach ca. 14 Tagen) kann das Kardinalskollegium einen veränderten Wahlmodus beschliessen, allerdings nur mit absoluter Mehrheit. Die Kardinäle können sich entscheiden, wie bisher fortzufahren oder das Quorum zu senken, wonach fortan eine absolute Mehrheit genügt oder dass eine Stichwahl zwischen den beiden Namen stattfindet, die im vorausgegangenen Wahlgang die meisten Stimmen auf sich vereinigen konnten. Der Wahlsieger muss wiederum zumindest die absolute Mehrheit der Stimmen erreichen.

Die Wahl erfolgt per Stimmzettel. Die Kardinäle schreiben den Namen es von ihnen gewählten Kandidaten möglichst mit verstellter Schrift nieder. Jeder Kardinal erhält zwei oder drei Stimmzettel. Auf diesen steht „Eligo in Summum pontificem, auf Deutsch: Ich wähle zum Papst. Mehrere Namen aufzuschreiben macht den Stimmzettel ungültig.

Es wurde die Regel beibehalten, dass für eine gültige Wahl Zweidrittel der Stimmen aller anwesenden Wähler notwendig ist. Falls die Zahl der Wähler nicht durch drei teilbar ist, gilt die Regel Zweidrittel plus eine Stimme. (Der Primas von Polen, Kardinal Stefan Wyszynski vor dem Konklave 1978: „Ich warte auf die erste Abstimmung, dann sieht man, in welche Richtung es geht.“)

Am ersten Nachmittag nur ein Wahlgang. An allen weiteren Tagen, soweit erforderlich, jeweils zwei Wahlgänge vormittags und nachmittags. Nach jedem Wahlgang werden die Stimmzettel samt Unterlagen unter Beimischung einer chemischen Substanz im Ofen der Sixtina verbrannt („schwarzer Rauch“, durch ein schmales Kaminrohr am Dachfirst der Sixtina zu sehen.). Vatikantechniker pflegen vor Beginn des Konklaves die Funktion des „Kanonenofens“ in der Sixtinischen Kapelle durch einen „Probelauf“ zu testen.

Die Wahl per einstimmiger Akklamation durch Inspiration oder plötzlicher Eingebung (wie angeblich 1939 bei der Wahl Pius XII, aber gegen 18 italienische Stimmen ) wurde abgeschafft, als dem grossen und bunt zusammengesetzen Gremium nicht mehr gerecht werdend, wie Johannes Paul II. meinte, auch die früher übliche Methode „per compromission“, die im Fall unüberbrückbarer Differenzen einen Wahlausschuss (eine kleinere Anzahl von Wahlmännern vorsah, wurde ad acta gelegt. Es bleibt einzig die geheime Wahl, wobei der Gewählte Zweidrittel der Stimmen auf sich vereinigen muss.

Veto- oder Ausschlussrecht:

Die römische Kirche hatte nicht nur über jahrhunderte in Fehden mit Kaisern und Königen um ihren Vorrang zu kämpfen. 1798 besetzten die Franzosen den Kirchenstaat (vgl. auch Exil von Avignon im 14. Jh.) erklärten ihn zur Republik und verschleppten Pius VI. (1775 – 1800) nach Frankreich, wo er 1799 starb.

Niemals rechtens anerkannt aber praktiziert war das ius exclusivae, von einigen katholischen Staaten wie Frankreich, Österreich und Spanien beansprucht. (vgl. Papstwahlen von 1823 – Leo XII. und 1903 – Pius X.) Kardinäle waren staatsseitig beauftragt, bestimmte personae non gratae von der Papstwahl auszuschliessen.

Die Wahl des Nachfolgers von Pius VI. wiederum suchte der Wiener Hof mit dem Instrument der „sententia exclusiva“ der katholischen Staaten bei einer Papstwahl zu beeinflussen. Franz II. lehnte zwei Kandidaten „als nicht erwünscht“ ab und auch der schliesslich (nach dreieinhalb Monaten) gewählte Pius VII. (Graf Chiaramonti – 1800 – 1823) fand zunächst keine Gnade vor dem k.u.k. Herrscher.

Letzte staatliche Einflussnahme beim Konklave von 1903. Der verstorbene Leo XIII. hatte das Kollegium in einem persönlichen Handbrief ermahnt, Widerstand gegen den Druck von Regierungen und Staaten zu leisten.

Als Wunsch-Kandidaten der jeweiligen Fraktionen standen sich die Kardinäle Mariano Rampolla Del Tindaro. (Staatssekretär Leo XIII.) und Sarto gegenüber. Rampolla war der Mann der französischen Partei. Der österreichische Kaiser Franz Josef I. aber liess durch Kardinal Puzyna, Erzbischof von Krakau sein Veto gegen Rampolla einlegen. Dagegen protestierte wiederum der französische Kardinal Perraud. Das Kollegium musste befürchten, dass die Wahl Rampollas einen Bruch mit Österreich (die kath. Macht, die nach 1870 besonders treu zum Heiligen Stuhl hielt) und demzufolge auch mit Deutschland führen würde. Von Italien (Mitglied des Dreibundes), war ein verschärfter Kirchenkampf zu erwarten, von Frankreich die Kündigung des Konkordats.

Pius X. elminierte in seiner Konklaveordnung von 1904 dieses Privileg ebenso verbot er das Wahlverfahren durch Akzess.

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