Das Vatikan Glossar

Autor: Werner Kaltefleiter // Quellen
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Papstwahl - Verfahren - Beisetzung - Memoria

Zwischen dem vierten und dem sechsten Tag, wenn keine besonderen Gründe vorliegen. Fotografierverbot am Sterbebett, (Ausnahme genehmigt der Camerlengo, d.h. nur den Leichnam in Pontifikalgewändern). keine technische Aufzeichnung seiner letzten Worte.

Der Papst wird in jedem Fall in Rom beigesetzt, in den Grotten von St. Peter. Beim Ableben ausserhalb Roms sorgen die Kardinäle für die Überführung des Leichnams.

Falls der Papst in der Petersbasilika beigesetzt wird, wird ein amtliches Dokument darüber erstellt, ebenso üer die erfolgte Beisetzung.

Nach der Beerdigung des Papstes und während der Wahl darf niemand in den päpstlichen Privatgemächern wohnen.

Falls ein Testament vorhanden (etwa über Briefe und Privatdokumente) und ein Testamentsvollstrecker von Papst ernannt, ist dieser an die Anweisungen des Erblassers gebunden. Er ist nur dem neuen Papst verantwortlich.

Memoria:

Der dem mittelalterlichen Latein entnommene Begriff zur Deutung der Erinnerung, des Gedächtnisses umfasst das Bewusstsein der Kirche als einer Institution, die sich seit ihren frühen Anfängen gegenüber „der Welt“ behauptete und sich über säkulare Institutionen der Macht und des Reiches stellte. Die Memoria manifestiert sich in der Praxis der Beisetzung und der Ausgestaltung der Grablegen, wenn Auseinandersetzungen mit byzantinischen und fränkisch-deutschen Kaisern oder Schismen die Einheit der monarchischen Kirche, den päpstlichen über Kaiser und Reiche gesetzten Universalanspruch bedrohten.

Die erste Sammelgrabstätte entstand im Jahr 236 als Antwort auf ein Schisma in den Calixtus-Katakomben. Leo I. wurde 416 als erster Papst beim heiligen Petrus bestattet. Ab 500 bis 914hielt sich dieser Brauch in der Auseinandersetzung mit den römischen Kaisern: die toten Päpste vereint mit dem Apostelfürsten Petrus an dessen Grablege in St. Peter.

Mit dem siegreichen Ausgang des Investitur-Streites mit den Gegenpäpsten setzte der römische Papst ein Triumphzeichen imperialer Macht – Ubi papa, ibi est Roma – Wo der Papst ist, dort ist Rom - in dem er die Grablegen nun in die Lateran-Basilika verlagerte, also neben jenem Palast, der einst dem christlichen Kaiser Konstantin gehörte. Dieser hatte, einer langen geglaubten Fälschung zufolge (Konstantinische Schenkung) dem Papst Silvester nicht nur die Gewalt über die westlichen Teile des Imperium Romanum, sondern auch den Gebrauch der kaiserlichen Insignien zugestanden und ihm den Lateranpalast als Residenz geschenkt. Im ganzen Mittelalter galt diese Konstantinische Schenkung als Begründung der imitatio imperii der Kaiserlichkeit des Papstes (vgl. Caesaropapismus), die in einem besonderen päpstlichen Zeremoniell zur Schau getragen. erst mit dem Verzicht auf die dreifach gekrönte Tiara durch Paul VI. ihr Ende fand.

Noch 1891 hatte Leo XIII. seinen grossen Vorgänger Innozenz III. aus Perugia nach Rom in den Lateran überführen lassen: politisches Signal als Hinweis auf die monarchische Stellung des Papsttums, nach dem 1870 der italienische Nationalstaat die Kirche ihrer irdischen Güter beraubt hatte.

San Gionvanni in Laterano hatte im Jahr 1215 das IV. Laterankonzil als die grösste Machtentfaltung der römischen Kirche erlebt. Nicht nur die geistliche Autorität, auch die diesseitigen Herrschaftsansprüche im Kirchenstaat und gegenüber den weltlichen Herrschern des Westens / und auch als Positionsbestimmung gegenüber Konstantinopel / Innonzenz II liess sich gar im Porphyrsarg des römischen Kaisers Hadrian bestatten.

Das 13. Jh. war geprägt von diesem Machtanspruch des Papstes, politisch sichtbar in der Existenz des Kirchenstaates. Päpst liessen sich jetzt auch demonstrativ in anderen Städten beisetzen, etwa in Perugia (Innozenz III.) oder Viterbo. Erst das Grosse Abendländische Schisma im 14. Jh. mit den Päpsten in Avignon zerstreute die Päpste und ihre Gräber über Frankreich, die nach dem Ende. Nur folgerichtig liessen sie sich nach dem Ende dieses Babylonischen Exils seit dem 15. Jh. demonstrativ in St. Peter bestatten. Ab dem 16. Jahrhundert wurde es Brauch, die Päpste zwar zunächst in St. Peter zu begraben, sie aber später in andere römische Kirchen umzubetten.

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