 |
Dreimal müssen die Kardinäle zu verschiedenen Anlässen absolute Verschwiegenheit schwören.
Zu Beginn des Konklaves müssen die wahlberechtigten Kardinäle und ihre Helfer in einem Eid absolute Geheimhaltung versichern.
Das gilt also auch für den Zeremoniar, die Beichtväter, Ärzte (ein Chirurg und ein praktischer Arzt und Krankenhelfer)
sowie Personal wie Köche, Zimmermädchen und andere Helfer. Auch sie müssen schwören, dass sie keine Geräte
zur Aufzeichnung von Geheimnissen benutzen. Der Verstoss gegen die absolute Geheimhaltung, das gesamte Konklave betreffend, zieht
die Strafe der Exkommunikation nach sich.
Die Papstwähler müssen darüber hinaus schwören, dass sie ohne jede Beeinflussung ihre Stimme abgeben. Vorherige
Wahlversprechen oder heimliche Privatzusammenkünfte mit Beschlussfassung sind strengstens untersagt.
Kein Unbefugter darf sie kontaktieren, ihn ansprechen. Die Kardinäle dürfen nichts berichten über die Vorbereitungen
und den Verlauf des Konklaves, auch die Nichtzugelassenen sind zu absoluter Verschwiegenheit angehalten.
Keine Botschaften von auswärts sind erlaubt, ebenso umgekehrt – weder brieflich, telefonisch oder auf anderen Wegen.
Zwei vertrauenswürdige Techniker sollen dafür sorgen, dass keine Abhörgeräte, keine versteckte Kameras, keine
elektronischen Geräte „zur Aufnahme, Wiedergabe und Übermittlung von Ton, Bild oder Schrift“ (konkret: Handys,
Tonbandgeräte, Videokameras) plaziert oder mitgebracht werden. Vor Beginn des Konklaves wird die Sixtina peinlich genau nach „Wanzen“ abgesucht.
Keine Zeitung, kein Rundfunk und Fernsehen sind erlaubt. Alle dienstlichen und privaten Verpflichtungen müssen vorher geregelt
werden. Wer Abhörgeräte installiert, muss mit schweren kirchlichen Strafen des gewählten Papstes rechnen. Wer als
Hilfskraft zufällig etwas erfährt und weitergibt ist automatisch exkommuniziert. Auch spätere Informationen durch
Kardinäle belasten deren Gewissen schwer.
Während des Konklaves sind die Kardinäle im 1996 modernisierten fünfstöckingen Gästehaus „Domus
Sanctae Marthae – Haus der heiligen Martha “ innerhalb des Vatikans, hinter der Audienzhalle, untergebracht, hermetisch
von der Aussenwelt abgeschlossen und zu strengster Verschwiegenheit verpflichtet. Das Gebiet um das Gästehaus wird grossräumig
abgesperrt, wer dennoch zufällig einem wahlberechtigten Kardinal begegnet, darf diesen keinesfalls in ein Gespräch verwickeln.
Der Transport von Santa Martha zur Sixtinischen Kapelle muss so organisiert werden, dass kein Kontakt nach aussen möglich
ist. Durch die benachbarte Sakristei von St. Peter und durch die Basilika gelangen die Kardinäle einigermassen mühelos über
die Scala Regia (Königstreppe) und die Sala Regia (Königssaal) in den Apostolischen Palast. (Früher mussten die
Kardinäle unter schwierigsten provisorischen Bedingungen im Apostolischen Palast logieren, mit spartanischen Schlafkojen und
abgesperrten und versiegelten Räumen durch den „Konklavemarschall.“
Die Kardinäle wählen in der Regel aus ihrer Mitte den Papst. Es kann aber grundsätzlich jeder Katholik gewählt
werden. Er muss dann aber, falls er als Gewählter noch kein Bischof ist, sofort nach der Annahme der Wahl zum Bischof geweiht
werden (Bischof von Rom auf der cathedra petri).
Es ist verboten, im Vorfeld, „zu Lebzeiten des Papstes und ohne Beratung mit ihm über die Wahl seines Nachfolgers zu
verhandeln oder Wahlversprechen zu machen oder diesbezüglich in heimlichen Privatzusammenkünften Beschlüsse zu fassen.“ Gleichwohl
ist die Zeit der Sedisvakanz auch die Zeit der Begegnung und des Gedankenaustausches unter den Kardinälen, aus denen sich
Kandidaten, die wirklich „papabile“ sind, herauskristallieren.
So war es wohl auch 1978, als Zug um Zug der Krakauer Erzbischof, Kardinal Karol Wojtyla an Stimmen gewann, nicht zuletzt durch
seinen Freund, den polnischen Bischof Andrzej Deskur in Rom „gesponsort“ sowie von dem Wiener Kardinal Franz König
(„Mein Mann war von Beginn an der Kardinal von Krakau“ vgl. „Welt am Sonntag“, 12.5.2000) und dem US-amerikanischen
Kardinal Krol von Philadelphia ins Spiel gebracht und angeblich von den deutschen Kardinälen (u.a. dem Kölner Kardinal
Höffner) unterstützt. Wojtyla war im 8. Wahlgang gewählt worden, nachdem sich die italienischen Fraktionen um Siri
(Genua) und Benelli (Florenz) blockiert hatten. Am Schluss gab es angeblich ein Glas Champagner. Der neue Papst umarmte jeden seiner
Kardinäle, lehnte aber den Ring-Kuss als Zeichen der Devotion ab.
|
 |