Das Vatikan Glossar

Autor: Werner Kaltefleiter // Quellen
zur aktuellen Nachrichtenübersicht auf www.kath.de

Papstwahl - Absprachen

Es scheint mir eine Pflicht zu sein, mich an meine Mitbrüder im heiligen Kolleg zu wenden, um sie daran zu erinnern, dass die Aufgabe, der wir uns jetzt widmen, nicht angemessen erfüllt wäre, wenn man sagen würde: „Der Heilige Geist wird das schon machen.“ (via spiritus sancti)

Ein einschneidendes Element der Absprachen der Kardinäle untereinander war die sogenannte Wahlkapitulation. Das waren Vereinbarungen, die den zum Papst Gewählten verpflichteten. Sie reichten bis auf die Päpste in Avignon zurück und wurden bei allen Papstwahlen seit Kallixtus III. (1455) angewandt wurde (mit Ausnahme von Paul III). Über diese Verträge gibt es in der Zeit zwischen 1300 und 1700 verschiedene Zeugnisse. Aus noch früherer Zeit des Hochmittelalters sind sogennante „professio fidei“ überliefert.

Die Wahlkapitulation, eine Reihe von Vorschriften, die die Kardinäle vor Eintritt in das Konklave eidlich bekräftigen und unterschreiben mussten. Die Kardinäle verpflichteten sich damit auf ein konkretes Programm, woran sich der gewählte Papst dann zu halten hatte.

Dem Gewählten wurde eine Regierungsnorm auferlegt, sich selbst räumten die Kardinäle dabei eine Teilhabe an Verwaltungsaufgaben und verbriefte Sonderrechte ein. Damit sollte verhindert werden, dass Päpste aufgrund ihrer eigenwilligen Persönlichkeit oder durch Zurückweichen vor äusserem Druck grundlegende Veränderungen oder Abweichungen vornahmen. Sie diente als Instrument das Machtverhältnis zwischen Papst und Kardinalskollegium auszutarieren.

Ein Beispiel ist die Wahl von Pius IV. (Giovan Angelo Medici) 1559.

Ein Blick auf die jüngsten Konklave seit Johannes XXIII. zeigt, dass die Wahl der Päpste mit Abmachungen, einem geduldigen Suchen nach Konsens, Diskussionee n und harten Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Gruppen und Initiativen, die an Wahlkämpfe erinnern zu tun hat.

Allerdings muss beachtet werden, dass Personen entscheiden, die schon allein wegen ihres unterschiedlichen Alters in ihren Gedanken nicht übereinstimmen können und die mit Fehlern und Grenzen behaftet sind.

Die Wahlentscheidung scheint eng mit der Frage verknüpft, welchen, den einflussreichen Kardinälen genehmen Staatssekretär der künftige Papst ernennen wird. (vgl. 30Tage Nr. 12/93)

Die Gültigkeit einer Wahl bleibt auch dann erhalten, wenn diese unter Unregelmässigkeiten und Verletzung der formalen Regeln zustande kam. Von der Wahlordnung unter Nikolaus II im Jahre 1059 bis zu Pius X im Jahre 1904 war es stets das Hauptanliegen, alle Motive und Vorwände auszuschalten, die die Gültigkeit der Wahl durch die Kardinäle in irgendeiner Weise in Frage stellen könnten:

Auch im Falle von Simonie (wenn der Papst im Gegenzug für seien Wahl Güter und Gunsterweise anböte, wäre die Wahl des Papstes dennoch gültig. Seit Ende des 12. Jahrhunderts hat die Kirchenrechtslehre die durch Simonie gewählten Päpste als rechtmässig erachtet. (s. Wahl Alexanders VI.) Sein Nachfolger Julius II allerdings und einige Konklave nach ihm waren gegenteiliger Auffassung.

Pius X. sprach auch einer gekauften Wahl die Ungültigkeit ab, „um aus einem solchen Grund nicht die Gültigkeit der Wahl des römischen Pontifex anfechten zu können.Gleichwohl wird die Simonie verurteilt.

Ähnliches gilt, wenn alle Kardinäle eines Konklaves exkommuniziert würden. Die Exkommunikation würde für die Dauer des Konklaves aufgehoben.

Auch eine Stimmabgae, bei der der Wähler „aus starker Angst oder in betrügerischer Absicht direkt oder indirekt zur Wahl einer bestimmten Person verleitet wurde, gilt als gültig, nach dem juristischen Sinnspruch: Die Angst beeinflusst zwar den Willen, aber der Wille bleibt bestehen (coactus volui, sed volui). Wie in der zivilen Rechtsprechung gilt, ein Akt ist nur dann ungültig, wen der Wille vollständig ausgeschaltet wurde.

Kein wählender Kardinal darf von der aktiven oder passiven Wahl des Oberhirten ausgeschlossen werden, auch nicht mit der Begründung oder dem Vorwand irgendeiner Exkommunikation, Amtsenthebung, eines Interdikts oder einer anderen Behinderung in der Ausübung seines kirchlichen Amtes.

Relativierung der Rolle des wahlberechtigten Kardinals: Die Stimme, die jemand im Konklave abgibt, ist absolut und an keine Bedingung gebunden. Man kann nicht sagen: Ich gebe dir meine Stimme, wenn du ein guter Papst wirst.“ (vgl. 30Tage Nr. 12 1993) Die Qualität des Pontifikas könnte kann man erst im Nachhinein feststellen. Ausserdem dienen die Kardinäle nur zur Bezeichnung der Person, aber die Regierung des Papstes hängt nicht von ihrem Willen ab. Gott allein überträgt der von den Kardinälen bezeichneten Person die Macht des Papsttums.

Auch Wahlkampagnen, vorherige Absprachen und Versprechungen,unter den Kardinälen, Verträge und schriftliche Vereinbarungen eines Kandidaten, sind unrechtmässig. Solche Übereinkünfte sind nichtig und ungültig und entbinden die Unterzeichnenden von jeglicher Verpflichtung, die eingegangenen Bedingungen einzuhalten und belegt alle, die solche Verträge eingehen, mit Exkommunikation. Dennoch sind sie, sofern vor oder während dem Konklave geschehen, kein Nichtigkeitsgrund, die Wahl anzufechten.

Gleiches gilt für politischen Druck von aussen: vgl. das im 18. und 19. Jh. geltende Vetorecht der katholischen Reiche (Spanien, Frankreich, Österreich). Pius X. macht dem 1904 ein Ende und drohte allen Kardinälen, die sich als Botschafter fremder Kanzleien anboten, mit der Exkommunikation.

Die politische Einflussnahme auf das Konklave ging auch nach 1903 weiter und es hat auch nach dem Zweiten Weltkrieg entsprechende Stellungnahmen, wenn auch kein direktes Veto von politischer Seite gegeben, wenn man mit der politischen Ausrichtung des Kandidaten nicht einverstanden war, das galt für Johannes XXIII (Adenauer sah die „Ostkontakte“ des Vatikans mit Misstrauen) wie für Paul VI. (für die italienische Rechte war er zu „links“, als Befürworter des Historischen Kompromisses, der Aussöhnung zwischen Christlichen Demokraten und Kommunisten) - auch Johannes Paul II. „fiel nicht vom Himmel“, wenn man die Aussagen von Beteiligten des Konklaves 1978 hört.

Allein das protokollierte Wahlergebnis jedes Wahlgangs wird aufbewahrt, dem Papst versiegelt übergeben zur Archivierung.

Wenn am ersten Tag keine Zweidrittelmehrheit erreicht wird, setzt sich die Wahl am nächsten Tag und ggfs. länger fort, mit je zwei Wahlgängen am Vor- und Nachmittag. Nach drei Tagen ohne Erfolg wird ein Besinnungstag eingelegt, dann sind erneut zweimal je sieben Wahlgänge mit einer Unterbrechung möglich. Wenn nach 30 Wahlgängen immer noch erfolglos, können die Kardinäle auf Einladung des Camerlengo den weiteren Wahlmodus ändern. Es genügt dann die absolute Mehrheit der Stimmen oder es kommt zu einer Stichwahl zwischen den beiden Spitzenkandidaten, ebenfalls mit absoluter Mehrheit als Quorum. Das Konklave wird damit entscheidend verkürzt, schafft aber die Möglichkeit frühzeitig zu (wenn auch verbotener) Fraktionsbildung etwa einer konservativen Mehrheit zu kommen, ohne den Ausgleich mit „liberalen“ oder pastoralen“ Kardinälen zu kommen, was eine Minderheit vorzeitigen Nachteil bringen könnte.

Die Forderung nach einer Zweidrittelmehrheit verlangte Kompromiss und Konsens, die von Johannes Paul II ermöglichte Alternative könnte zu Fraktionsbildungen führen, die wahltaktisch, bis zur Situation, dass eine absolute Mehrheit genügt, ihren Kandidaten „aussitzen.“

Nach drei erfolglosen Tagen folgt eine Wahlpause von maximal einen Tag. (Gebet, zwangsloser Gedankenaustausch, kurze Ansprache des ranghöchsten Kardinaldiakons).

Falls nach weiteren sieben Wahlgängen, also am Abend des zweiten Tages nach der Pause immer noch kein Papst gewählt wurde, folgt eine erneute Pause mit Ansprache des ranghöchsten Kardinalpriesters. Danach erneut sieben Wahlgänge und ggfs. Pause mit Ansprache des ranghöchsten Kardinalbischofs. Es können weitere bis zu sieben Wahlgänge folgen.

Bleibt das Wahlergebnis weiter offen, ermöglicht Paragraph 75 der Wahlordnung einen geänderten Wahlmodus. Nach 34 erfolglosen Wahlgängen muss in einer Grundsatzdiskussion über das weitere Vorgehen beraten werden. Mit mehrheitlichem Konsens kann die weitere Wahl mit absoluter Mehrheit (eine Stimme mehr als 50 Prozent) statt der Zweidrittelmehrheit entschieden werden. Auch eine Stichwahl zwischen den beiden Kandidaten mit den meisten Stimmen ist möglich. Gewählt ist aber auch dann nur, wer dabei die absolute Mehrheit der Stimmen erhält.

Entsprechend der Bestimmung „wird der Camerlengo die wahlberechtigten Kardinäle einladen, über den einzuschlagenden Weg ihre Meinung zu bekunden. Anschliessen wird dementsprechend weiter verfahren, was die absolute Mehrheit beschlossen hat. Dennoch wird man nicht davon abweichen können, dass zu einer gültigen Wahl entweder die absolute Mehrheit der Stimmen vorhanden sein muss oder dass zwischen den beiden Namen, die beim unmittelbar vorhergehenden Wahlgang den grössten Stimmenanteil erhalten haben, gewählt wird, wobei dann auch in diesem Fall nur die absolute Mehrheit erforderlich ist.“

Hier liegt die entscheidende Änderung des Wahlmodus nach der Novellierung durch Johannes Paul II: Er macht es möglich, dass ein zukünftiger Papst zu seiner Wahl de facto nur mehr eine absolute Mehrheit braucht. Damit wird eine achthundert Jahre alte Tradition mehr oder weniger beendet – mit noch nicht absehbaren Konsequenzen.

Praktisch könnte auf diese Weise ein Kandidat, der schon in vorausgegangenen Wahlgängen zumindest die absolute Mehrheit erreicht hat (statt der geforderten Zweidrittelmehrheit) von der ihn wählenden Mehrheitsfraktion durchgebracht werden, ohne die Position oder die Anliegen einer vielleicht immer noch gewichtigen Minderheit zu berücksichtigen.

Die Regelung von Paul VI. kannte zwar auch den Wechsel von der Zweidrittelmehrheit (plus einer Stimme) zur absoluten Mehrheit (und einer Stimme), nach nur drei Zyklen ab dem 13. Wahlgang . Eine solche Änderung des Verfahrens musste aber von sämtlichen Wahlberechtigten einstimmig (unanimiter, id est nullo excepto) gebilligt werden. Damit sollte eine vielleicht starke Minderheit nicht einfach ausgespielt werden.

Andererseits hatte die Dritte Lateransynode von 1179 die Zweidrittelmehrheit eingeführt, um zu verhindern, dass eine bei einer Papstwahl unterlegene Minderheit zur Wahl eines Gegenpapstes schreitet, wie das seit der Bestimmung des Kardinalskollegiums als Gremium der Papstwahl durch Nikolaus V. im Jahr 1059 anschliessend mehrfach vorgekommen war.

Diese Aussicht, mit einigen Verfahrenstricks den Ausgang der Wahl zu bestimmen liegt bei dieser Ausgangslage in der Luft, schon im Vorfeld können die Linien der „Fraktionen“ und ihrer Kandidaten abgesteckt werden.

Einige Kardinäle sehen in dieser Wahlordnung einen Konstruktionsfehler. Eine „Fraktion“ – obschon es eine solche offiziell nicht geben kann – müsste den eigenen Kandidaten, falls dieser schon frühzeitig die absolute Mehrheit hätte, nur bis nach dem 34 Wahlgang parken und die Gegenkandidaten blockieren, um anschliessend den eigenen Mann durchzubringen. Das könnte bedeuten, dass eine starke Minderheit von einer knappen Mehrheit geschlagen würde, nach dem Verständnis einer Wahlentscheidung von dieser Tragweite käme dies einem schismatischen Zustand gleich. Anfang Dezember 2000 hätten einige Kardinäle den Papst auf diesen Umstand hingewiesen und empfohlen, den Wahlmodus entsprechend zu korrigieren, dass eine Entscheidung, den Wahlmodus nach 34 Wahlgängen entsprechend zu ändern, nur von der absoluten Mehrheit der anwesenden Wahlmänner beschlossen werden kann.

Kein Kardinal darf von der Wahl ausgeschlossen werden. Wenn ein Kardinal sich weigert, ins Konklave zu kommen oder später das Konklaver verlässt, um so Druck auf sie anderen auszuüben, wird das Konklave trotzdem und ohne ihn abgehalten. Wenn Kardinäle nach Beginn des Konklaves, also verpätet eintreffen, werden sie zugelassen, wann immer sie ankommen und nehmen der Wahl im Rahmen des laufenden Verfahrens teil. Kranke dürfen das Konklave unter entsprechenden Massgaben verlassen und müssen nach Genesung wieder zugelassen werden.

Begriff anklicken

Ad limina
Aggiornamento
Apostel
Apostolische Kammer
Apostolische Konstitution
Apostolische Sukzession
Apostolischer Palast
Apostolischer Segen
Apostolischer Stuhl
Audienzhalle "Paul VI."
Basilika
Basilika Santa Maria Maggiore
Bischof
Bischofskonferenz
Bulle
Camerlengo
Campagi
Campo Santo Teutonico
Castelgandolfo
Collegium Germanicum
Deutsche Päpste
Diakon
Dikasterium
Dogma
Engelsburg
Enzyklika
Eucharistie
Ex cathedra
Ferula
Fischerring
Heiliges Jahr
Hierarchie
Inquisition
Insignien
Inthronisation
Investiturstreit
Jesuiten
Johannes Paul II.
Jurisdiktionsprimat
Kardinal
Kardinalsfamilie
Kardinalshut
Kardinalspurpur
Kardinalstaatssekretär
Kardinalvollversammlung
Katakomben
Kathedra
Katholizismus
Kirche, Katholische Kirche
Kirchenstaat
Kolosseum
Kongregation
Kongregation für die Glaubenslehre
Konklave
Konkordat
Konsistorium
Konstantin
Konzil
Kurie
Kurienreform
Lateran - Lateranpalast/basilika
Lateranverträge
Liturgie
Liturgische Kleidung
Messe
Metropolit
Mitra
Mode - Kleriker-Bekleidung
Monsignore
Motu proprio
Novene
Nuntius
Ökumene
Orden
Osservatore Romano
Papstwahl
Päpstliche Insignien
Päpstliche Nobelgarde
Päpstliche Polizei
Päpstlicher Leibarzt
Päpstlicher Privatsekretär
Päpstlicher Segen
Päpstliches Geheimnis
Päpstliches Haus
Pallium
Papst-Kleidung
Papst
Papstamt
Papst-Emblem
Papst-Hymne
Papstliste
Papstmesse
Papstnamen
Papstorden
Papstschneider
Papstverzicht
Passetto
Patriarch
Personalprälatur
Petersdom - St. Peter
Peterspfennig
Petersplatz:
Petrus und Paulus
Petrusamt
Petrusgrab
Pontifikalschuhe
Prälat
Priester
Primat
Prozession
Radio Vatikan
Reliquie
Requiem
Resignation
Römische Kurie
Rom
Sagrato
Sakramente
Schlüsselgewalt
Schwarzer Adel
Schweizer Garde
Sedia gestatoria
Sedisvakanz
Segnung
Selige
Sepulcrum
Simonie
Sixtinische Kapelle
Staatssekretariat
Stundengebet/Brevier
Suburbikarische Bistümer
Synode
Theologie
Tiara
Titelkirche
Titularbischof
Unfehlbarkeit
Urbi et orbi
Vatikan
Vatikanische Grotten
Vatikanische Staatsflagge
Vatikanpost
Vigilanza, Corpo di
Zingulum, Cingulum
Zölibat
Zucchetto
Zweites Vatikanisches Konzil